Donnerstag, 13. Dezember 2018

Hautnahe Unternehmenskultur Tattoos im Job - von der Subkultur an den Schreibtisch

Hautnahe Unternehmenskultur: Tattoos im Job
Wild One Tattoo, Ramin Banan

Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher (zuletzt als Hörbuch erschienen: Der Stilcoach für Männer) und publiziert über Stilthemen: Starlay.de.

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Wie steht es eigentlich in Ihrer Firma mit der Sichtbarkeit von Tätowierungen? Und wie mit Ihrer eigenen Haltung gegenüber diesem Lifestyle-Phänomen?

Denn wie so manche Andersartigkeit fordert uns auch der Kult um Tattoos heraus, von Toleranz nicht nur zu reden, sondern sie auch zu leben. Die Frage ist nur, ob und in welchem Maß dieser zutiefst private Selbstausdruck in den Kundenkontakt gehört. Immerhin leben wir im Zeitalter der Authentizität, auch und gerade im Geschäftsleben.

Inzwischen ist ein Fünftel bis ein Viertel des Nachwuchses unter 35 Jahren dem unvergänglichen Körperschmuck zugewandt. In Österreich sollen es sogar 40 Prozent sein. Tendenz steigend. Von einem bloßen Trend - also etwas Vorübergehendem - ist das weit entfernt. Und auch für diejenigen selbst wird das Individualisierungsmerkmal in Zukunft weniger die Tätowierung an sich als vielmehr ihre Besonderheit sein, was wiederum höhere Anforderungen an die Qualität der Beratung stellt. Heute ist man mit einem Tattoo keine Ausnahmeerscheinung mehr.

Was motiviert immer mehr Menschen dazu, sich tätowieren zu lassen?

Die einen bewegen Verarbeitung oder Trauerbewältigung dazu, andere möchten Stationen ihres Lebens festhalten und sichtbar machen, wie eine Kerbe in der eigenen Chronik. Für weitere funktionieren Symbole und Bilder wie ein Code innerhalb einer Community - nicht zuletzt galten Tätowierungen traditionell als interne Zeichensprache krimineller Milieus.

Einige finden es einfach nur schön und wieder andere drücken damit Auflehnung gegen bestehende Systeme aus, eine Revolte gegen die Gleichschaltung in unserer Gesellschaft und in vielen Unternehmen. Je nachdem, ob das Tattoo sichtbar ist, wird es zur offenen Rebellion oder aber zur sinnbildlich geballten "Faust in der Tasche". Was für eine Manifestation: Figuren unter dem Rock als geheime Positionierung.

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Und so bemerkt auch die junge, bildhübsche Kundin im Studio, welche in einem Großunternehmen arbeitet: "So kann ich noch Ich selbst sein und habe mich auch im Job noch dabei." Sie allerdings kennt und achtet die so genannte T-Shirt-Grenze, welche Körperpartien, die im Geschäftsleben sichtbar werden könnten, ausspart. "Job-Killer-Tattoo" nennt es der Fachjargon, wenn Ornamente auf Hals, Gesicht und Händen sichtbar werden. Genau das hatte auch ein Mann mit voll tätowiertem Oberkörper im Blick, von dem es heißt, dass er im Bankenwesen Karriere gemacht habe. Heute ist er Vorstand, heißt es.

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