Donnerstag, 20. September 2018

Wie Mitarbeiter-Kleidung den Umsatz fördert Von der Uniform zum Markenzeichen

Neue DB-Uniformen: So sehen bis 2021 alle Schaffner, Lokführer und Service-Mitarbeiter aus
Fotos
Deutsche Bahn/ Dan Zoubek

Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Stil-Leitfäden sowie Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher und publiziert über Stilthemen: Starlay.de.

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Ursprünglich kommt die Uniform aus der Trachtenbekleidung. Das Bedürfnis von Menschen, ihre Zugehörigkeit zu einem Stamm sichtbar zu machen, ist vermutlich so alt wie die Bekleidung selbst. Und auch die gleichförmige Eleganz der römischen Tunika und Toga, der indische, immer wieder nach dem gleichen Ritual gebundene Sari oder aber der Kult des schottischen Kilts entsprechen in ihrer Prägnanz ganz dem, was eine Uniform ausmacht: Wiedererkennung, Orientierung und der Stolz, dazu zu gehören. Nur bei uns, in Deutschland, hat das Wort "Uniform" keinen guten Ruf.

Das zeigen auch die Begriffe, derer man sich bedient, um das Wort selbst zu umschreiben: Dienstkleidung, Service-Attire, Corporate Fashion … Was das Ganze mit Mode zu tun hat, erschließt sich nur selten, denn Ausstattung, welche betriebswirtschaftlichen Kennzahlen unterliegt, hat lange - manchmal sehr lange zu halten. Länger als dem Träger und dem Firmen-Image lieb ist.

Welches Problem haben wir in Deutschland mit der rituellen Kluft? Ist es eine lokale Zurückhaltung oder aber der strenge Blick der weltweiten Community auf unsere textile Firmenpräsentation? Unvergessen der Tag, wo ein Bekleidungshersteller, der Hosen für ein Dienstleistungsunternehmen gefertigt hatte, alles wieder auftrennen musste, um einen in die Seitennaht eingearbeiteten Kontraststreifen wieder herauszunehmen - der Auftraggeber hatte Angst bekommen, die feine Paspel könne militärisch wirken.

In anderen Ländern stehen Uniformen nicht infrage - sie sind selbstverständlicher Teil des Geschäftslebens und haben einen Platz in jeder weitsichtigen Kalkulation.

Denn die Vorteile eines einheitlichen Auftretens sind klar: Eine bessere Identifikation mit der Marke und der beschriebene Stolz, Teil der Firma zu sein. Eine wahrnehmbare Werbewirkung, sofern die Kleidung richtig gut ist - schließlich können Mitarbeiter die besten Markenbotschafter sein. Ein klares Bild der Marke am Point of Sale. Zeitersparnis am Morgen. Kurzum: Profilierung und Effizienz.

Die Gegner dagegen führen mangelnde Selbstverwirklichung der Protagonisten ins Feld. Angesichts der vielen freiwilligen Uniformen unserer Neuzeit von Jeans und Sneakers bis zum uniformierten Manager-Zweiteiler bis hin zum monochromen schwarzen Anzug weiblicher Entscheidungsträger aber wird das Argument etwas kraftlos: Menschen und Marken positionieren sich nun mal durch Kleidung - nicht nur individuell, sondern auch statusbezogen.

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