Freitag, 14. Dezember 2018

Was macht eigentlich Qualität aus? Was bin ich, und wenn ja, wie gut?

Referenz 57260: Die komplizierteste Uhr der Welt
Vacheron Constantin

Qualität ist uns nicht nur beim Kauf von Produkten wichtig. In fast allem, was wir tun, spielt das Streben nach herausragender Güte eine Rolle. Warum ist das so?

Was macht Qualität aus? Achten Sie auf Qualität? Vielleicht bei gutem Essen, einem feindestillierten Whisky oder beim Matratzenkauf? Qualität ist ein Versprechen, eine Auszeichnung für Wertigkeit und Verlässlichkeit.

Über schlechte Qualität kann man sich richtig ärgern, und trotzdem kaufen viele haufenweise billiges Zeug, das nach kurzem Gebrauch als Plastikmüll im Meer treibt. Gleichzeitig erleben hochwertige Manufakturbetriebe derzeit wieder einen Aufschwung. Und Projekte wie die komplizierteste Taschenuhr der Welt oder der perfekte Mantel ziehen uns in den Bann.

Hohe Luft
Ausgabe 5/2018

Philosophie und Wirtschaft

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Das Streben nach Qualität bringt nicht nur immer bessere Produkte hervor, sondern dient uns selbst als Maßstab für unser Tun. Aber was ist Qualität überhaupt, und wieso ist sie uns so wichtig?

Qualität bedeutet so viel wie "Beschaffenheit". Die Qualität sagt also etwas darüber aus, wie etwas ist. Philosophisch relevant wird der Begriff spätestens in Aristoteles' Kategorienschrift. Darin stellt er zehn Kategorien vor, die zur allgemeinen Klassifizierung von Dingen dienen und es ermöglichen sollen, logische Aussagen über die Welt zu treffen. Aristoteles unterscheidet dabei zwischen akzidenziellen und zugrundeliegenden Kategorien.

Qualität ist erst einmal nur eine Beschreibung

Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass sie für das zu beschreibende Ding wesentlich sind. Solch eine ist die oberste Kategorie der "Substanz", die sich auf die Gattung bezieht - wie zum Beispiel "Mensch". Ein Mensch ist demnach allem voran ein Mensch, und das ändert sich auch nicht. Es ist für sein Sein wesentlich, nicht von ihm abtrennbar, und darum geht die oberste Kategorie allen anderen variablen Eigenschaften voraus.

Die folgenden Kategorien fragen dann nach akzidenziellen Merkmalen wie Farbe, Größe oder Intelligenz. Qualität ist eine der akzidenziellen Kategorien und dient vor allem der näheren Beschreibung, durch die sich unterschiedliche Dinge voneinander unterscheiden lassen.

Wenn wir von Qualität sprechen, meinen wir aber meist nicht nur, dass etwas eine bestimmte Beschaffenheit hat, sondern wir verwenden den Begriff normativ, als Werturteil für besonders gute Qualität. Aristoteles hatte selbst genaue Vorstellungen davon, was ein Gut ist. In seiner "Nikomachischen Ethik" bringt er die These vor, dass alles Handeln letztendlich zum besten Ergebnis strebt. Das Gute bezeichnet er daher als "Endziel", dem alle anderen Ziele untergeordnet sind. Der Tischler möchte nicht nur einen Tisch bauen, sondern einen guten, womöglich den besten Tisch.

Doch was macht einen guten Tisch aus? Wie erkennt man gute Qualität? Zunächst gibt es das ziemlich eindeutige Merkmal der Funktionalität: Ein Tisch hat, genau wie jeder Gegenstand, eine bestimmte Funktion. Man möchte etwas darauf ablegen, daran sitzen, essen oder arbeiten. Kippelt der Tisch, ist er zu niedrig, zu hoch oder gar schief, bewerten wir ihn wohl kaum als guten Tisch. Etwas, das seine Funktion nicht erfüllt, verdient das Prädikat "gut" einfach nicht.

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