Samstag, 16. Dezember 2017

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Narendra Modis Anzug "Was ist er - ein Staatsoberhaupt oder ein Vertreter für Fotokopierer?"

Hübscher Anzug, Mister Modi: Barack Obama (links) und Indiens Premierminister Narendra Modi am Sonntag in Neu-Delhi
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Hübscher Anzug, Mister Modi: Barack Obama (links) und Indiens Premierminister Narendra Modi am Sonntag in Neu-Delhi

Narendra Modi kleidet sich gern farbenfroh - zum Besuch von US-Präsident Obama hat Indiens Premier allerdings noch einmal eine Schippe draufgelegt. Mit einem Anzug, auf dem zigfach sein eigener Name zu lesen ist, sorgt Modi für reichlich Häme.

Hamburg - Der Style-Chef des Männermagazins GQ ist entsetzt. "Ich finde das absolut grauenvoll", sagte Robert Johnston dem "Guardian": "Ich habe sehr früh in meinem Leben gelernt, dass Kleidung niemals spaßig sein sollte." Immer wieder versuchten Menschen, ihre Nadelstreifenanzüge aufzupeppen. Ob man dabei Regenbogenmuster oder Gold-Fasern verwende, letztlich bleibe es Spielerei: "Was ist er - ein Staatsoberhaupt oder jemand, der eine Fotokopier-Konferenz in einer Travelodge besucht?"

Die Häme des Stil-Experten gilt Indiens Premierminister Narendra Modi: Am Sonntag hatte der eigentlich für traditionelle Kleidung bekannte Politiker zu einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama einen Anzug getragen, in dessen Stoff die Buchstaben seines Namens eingearbeitet waren - von weitem wirkte das über und über wiederholte "Narendra Damodardas Modi" wie ein Nadelstreifenmuster.

Da sich ältere Herren in lustigen Anzügen wesentlich besser verkaufen als dröge Staatsbesuch-Alltagskost, greift die Weltpresse das Thema umgehend auf: Modis Anzug schreie: "Weißt du nicht, wer ich bin?", schreibt etwa die "Washington Post", "Modis Anzug macht sich buchstäblich einen Namen", berichtet das amerkanische öffentlich-rechtliche National Public Radio. Auch der "Sydney Morning Herald", das "Wall Street Journal" oder der "Guardian" widmen dem Anzug und den vielen Reaktionen auf Twitter eigene Artikel.

Bei Twitter machten Nahaufnahmen von Modis Anzug schnell die Runde (klicken Sie für eine größere Darstellung auf das Bild)
Viele weisen auf den Vorreiter der Namensnadelstreifen hin - ausgerechnet der ehemalige ägyptische Präsident Hosni Mubarak. Das"Wall Street Journal" berichtet zudem, Modi habe am Sonntag bei verschiedenen Treffen mit Obama insgesamt vier verschiedene Outfits getragen.

Eigentlich ist der Premierminister in Indien als Träger von Kurtas bekannt, bunten, langgeschnittenen Hemden. Seit Modi im Rampenlicht steht, verkaufe sein Schneider bis zu 25.000 dieser Hemden im Jahr, berichtete "Quartz" bereits zu Wahlkampfzeiten. Sollte der Premier nun erneut einen Trend losgetreten haben?

Wer sich nun ebenfalls in Narendra-Nadelstreifen kleiden will, wird unter anderem in London fündig: King & Allen hat dort etwa personalisierbare Stoffe im Angebot. Sie kommen von Holland & Sherry, einem Hersteller, der fast die gesamte Savile Row mit feinen Zwirnen beliefert. Bestellungen würden dort laut "Guardian" allerdings erst ab einer Mindestlänge von neun Metern angenommen. Bei King & Allen würde das für zwei Anzüge für mehr als 15.000 Pfund reichen.

Selbst wenn Modi seinen Anzug bei einem derart noblen Schneider in Auftrag gegeben hat, kommt er damit immer noch deutlich günstiger zu einem extraordinären Aufzug als einer seiner Landsleute: Der Textilunternehmer Pankaj Parakh hat sich im August vergangenen Jahres ein vier Kilogramm schweres Hemd aus Gold anfertigen lassen. Kostenpunkt: 150.000 Euro.

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