Montag, 26. Juni 2017

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Montblanc-Chef Jérôme Lambert "Eine Uhr ist mehr als eine Idee"

Montblanc: Timepieces aus dem Traditionshaus
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Martin Brinckmann

Seit einem Jahr ist Jérôme Lambert CEO bei Montblanc. Zeit für eine erste Bilanz. Mit manager magazin sprach er darüber, wie er aus dem Hamburger Traditionshaus einen "echten Spieler" in der Feinuhrmacherei-Welt machen will.

mm: Monsieur Lambert, Sie sind vor einem Jahr zum CEO von Montblanc berufen worden, um einen Turnaround einzuleiten. Der betrifft nicht nur die Sparten Schreibgeräte und Lederwaren, sondern auch die Uhren?

Lambert: Ja, die besonders. Alles hat mit den Schreibgeräten begonnen, und dieses Jahr feiern wir das 90. Jubiläum unserer Ikone, des Montblanc Meisterstücks. Wie damals konzentrieren wir uns auf Handarbeit, und so halten wir es auch bei den Uhren. Wenn Montblanc etwas macht, dann geschieht das sehr konsequent. Wir entwickeln Werke, wir entwickeln eigene Modelle. Und wir sind vielleicht die einzige Marke, die in den letzten 20 Jahren so schnell und so konsequent eine Feinuhrmacherei aufgebaut hat.

mm: Schreibgeräte machen bei Montblanc 45 Prozent des Umsatzes, Uhren und Leder jeweils 25 Prozent, und dann gibt es da noch 5 Prozent Schmuck. Wollen Sie diese Verteilung ändern?

Lambert: Je nach Land sind Uhren, Leder, Schreibgeräte und Schmuck anders gewichtet. Um zu sagen, wie es künftig sein wird, hängt davon ab, wie Amerika, China, Europa sich entwickeln. Aber es gibt mehr und mehr Gleichgewicht zwischen den ersten drei Aktivitäten. Wir steuern ein Verhältnis von 30:30:30 an in den nächsten drei bis fünf Jahren.

mm: Es heißt, Sie wollten Montblanc auch eine höhere Drehzahl bei der Einführung neuer Produkte verordnen. Was bedeutet das konkret?

Lambert: Es gibt Produkte, die erfordern mehr Neuheiten, um dem Lebensstil der Kunden zu folgen, wie zum Beispiel die Lederwaren. Bei den Uhren ist dies auch erforderlich. Wir wollen deshalb neue Linien entwickeln und dafür die Integration unserer Manufakturen in Villeret und Le Locle vorantreiben, die war bislang zu gering. Dazu werden wir die handwerkliche Expertise von Villeret und die technisierte Exzellenz von Le Locle stärker verzahnen.

mm: Andere Hersteller brauchen für die Entwicklung einer Uhr von der Idee bis zur Auslieferung oft Jahre. Sie haben für die neue Kollektion gerade mal sechs Monate gebraucht. Können Sie zaubern?

Lambert: Das geht nicht ohne ein gutes und hochengagiertes Team. Eine Idee kann man haben, aber eine Uhr ist mehr als eine Idee. Und Montblanc hat vor Jahren schon richtig in Manufakturkompetenz investiert. Und so konnten wir Tag und Nacht an der neuen Linie arbeiten. Und Erfolg und Anerkennung beim Handel geben uns recht.

mm: Ihr Ziel ist Expansion auf allen Ebenen. So wollen Sie etwa auch mechanische Uhren mit besonderen Komplikationen preiswerter machen?

Lambert: Vor 20, 25 Jahren konnte man eine schöne Komplikation in einer Manufaktur-Uhr für 2000 Mark, 3000 Mark kaufen. Zur Zeit geht das nicht unter 5000 Euro. Wir glauben, dass es möglich ist, die technische und ästhetische Kreativität in das Preissegment zwischen 2000 und 5000 Euro zurückbringen. Heute ist das Angebot in diesem Segment auf drei, vier Werke beschränkt, der Rest ist Design. Und Montblanc hat fünf eigene Werke, wir haben die Kapazität und die Kreativität, um noch viel mehr technische Entwicklungen umzusetzen. Das wird in den kommenden Monaten passieren. Wir werden im September eine neue Uhr der Heritage-Linie herausbringen, für unter 6000 Euro in 18 Karat Gold. Das schaffen wir, weil wir die Strukturen besitzen und die Entwicklung ganz neu gedacht haben.

mm: Auf dem Genfer Uhrensalon im Januar haben Sie eine Meisterstück-Uhr mit Ewigem Kalender in Stahl für rund 10.000 Euro vorgestellt. Wie können Sie so günstig anbieten?

Lambert: Wenn Sie als Herausforderer antreten, ist es sehr wichtig, dass Sie mehr leisten. Und Montblanc will mehr leisten. Auf unserer Agenda steht, dass wir mehr in die Entwicklung investieren werden. Und wenn ich diese zusätzliche Anstrengung in Wertschöpfung mache, kann ich meinen Kunden auch mehr Wert anbieten.

mm: Wo möchten Sie mit Montblanc in fünf Jahren sein?

Lambert: Montblanc verkauft schon jetzt mehr als 80.000 Uhren im Jahr und wir werden unsere Positionierung weiter stärken. Mit der Heritage-Linie haben wir angedeutet, was Montblanc im Uhrenbereich leisten kann. Und damit erreichen wir die Anerkennung bei Uhrenliebhabern, dass Montblanc ein echter Spieler in der Feinuhrmacherei-Welt ist.

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