Sonntag, 24. Juli 2016

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Führen lernen auf der Tanzfläche Warum Manager Tango tanzen sollten

Tango für Manager: Sieben Lehren von der Tanzfläche
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Nach den Trends im Management-Training mit Pferden und Kletterwäldern ist es jetzt vielleicht an der Zeit für das Naheliegende: Das "Live"-Training mit Menschen. Wer Tanz und Tänzer beobachtet, wird sensibilisiert für die Kunst der Führung, die sich hinter jedem guten Tanz verbirgt. Und was liegt näher, als daraus für sich und den eigenen Erfolg lernen zu wollen?

Anders als die traditionellen Tänze wie Walzer, Foxtrott oder auch die lateinamerikanische Rumba folgt der Tango Argentino, der seit 2009 zum Weltkulturerbe gehört und immer mehr Menschen in seinen Bann zieht, keiner vorgegebenen Choreografie, sondern ist ein getanzter Dialog. Und von der Qualität der Kommunikation hängt es ab, ob der Tanz gelingt - wie im Geschäftsleben auch.

Katharina Starlay
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    Katharina Starlay ist Modedesignerin und Imageberaterin. Sie ist Mitglied im Deuschen Knigge-Rat und veröffentlicht außer ihren Büchern auch im eigenen Portal Stilclub.de. Als Stilcoach begleitet sie Einzelpersonen für mehr Erfolg in Beruf und Karriere. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwirft Firmenkleidung.

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Im Dreiklang zwischen Musik, Bewegung und zwei Menschen entsteht höchste Achtsamkeit. Um ein guter Tänzer zu werden, braucht es Demut, Präzision und Einfühlungsvermögen - die Fähigkeit, Fertigkeiten zu erkennen und auszuschöpfen, aber auch Grenzen anzuerkennen und zu akzeptieren. Bei sich und beim anderen.

Tango Argentino wird anders als die sich entwickelnde figurenbetonte Nuevo-Bewegung, die von jungen Tänzern oft bevorzugt wird, in der engen Umarmung getanzt: Ein Arm umschließt den Tanzpartner, der zweite, angewinkelte Arm legt die Hand in die des anderen. Meist ruht der Kopf leicht und ohne Druck an dem des Partners. Die eigentliche Führung geschieht nicht durch die Arme, sondern auf Höhe des Brustbeins, dem eigentlichen Kontaktpunkt im Paar, während die Beine für die Bewegung frei sein sollten. Symbolisch gesprochen ist es das Herz, das führt.

Im Tango lernt man schnell viel über den anderen - und sich selbst

Alle anderen Tänze bedienen sich der Arme, um zu führen. Im Tango aber lernt man in kurzer Zeit viel über den anderen und sich selbst, hier offenbart sich der Kern der Stärken und Schwächen von beiden. Neben Körpertemperatur und Körperduft, die natürlich im Business nur selten wahrnehmbar sind, teilen sich Musikalität und Sensibilität, Verbindlichkeit und Stressverhalten - zum Beispiel bei schneller werdendem Takt - unmittelbar mit. Aber auch, wenn der Tänzer oder die Tänzerin gerade angespannt und mit dem Kopf woanders ist …

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Traditionell war es im Tango Argentino der Mann, der führte - aber das muss heute längst nicht mehr so sein. Heute tauschen auch hier zunehmend mehr Frauen die eleganten High Heels gegen flachere Tanzschuhe und führen sowohl Frauen als auch Männer. Das Spiel mit der Rolle macht es reizvoll - und kann für Führungskräfte tiefe Erkenntnisse bringen. Der Einfachheit halber ist hier von dem "Führenden" und "Folgenden" die Rede, egal ob Frau oder Mann.

Der Tanz beginnt bei den ersten Takten mit einer Art "Einwiegen", durch das der Führende dem Folgenden durch eine kaum merkliche Gewichtsverlagerung von einem Bein auf das andere mitteilt, auf welchem er gerade steht und mit welchem Bein er demnach auch loslaufen wird. Sein Job ist es, Richtung, Schrittlänge und den Impuls vorzugeben.

Die Vermutung, dass viele Manager ihre Mannschaft nicht da abholen, wo sie steht und versäumen mitzuteilen, von welchem Fuß und wohin sie gehen wollen, ist nicht einmal gewagt. Der Folgende hat die Aufgabe, sich auf die Führung einzulassen, Vertrauen zu entwickeln und zu "lauschen", welche Bewegung die nächste sein wird.

Lessons learned: Vorausahnende Reaktionsfähigkeit

Mit der Zeit entwickelt sich durch die Tanzroutine eine vorausahnende Reaktionsfähigkeit, die vielen Unternehmen gut täte. So ganz nebenbei ist der getanzte Dialog in der engen Umarmung eine zutiefst pazifistische Angelegenheit: Für Manager, die ihr Geschäft als ständigen Kampf um Marktanteile, gegen Konkurrenten und den Widerstand vermeintlich unwilliger Mitarbeiter erleben, dürfte das eine mehr als wohltuende Abwechslung sein.

Im Tanz wird besonders deutlich, dass Widerstand zu nichts führt - wenn die Richtung klar ist. Das schönste Tanzerlebnis entsteht in der vollen Konzentration auf den Partner, losgelöst von Raum und Zeit. Dadurch entwickelt sich ein geschärfter Instinkt für Veränderungen, Stimmungen und das Umfeld, das nach dem Auftauchen aus der Musik wieder mit neuen Augen und klarem Blick wahrgenommen wird. Intensität und Weitblick wechseln einander ab. "Am Puls der Zeit" kann somit auch bedeuten: Im Takt des Tango.

Hier lesen Sie, welche Lehren Sie von der Tanzfläche mit ins Büro nehmen können.


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