Dienstag, 27. September 2016

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Preisbrecher der Uhrenbranche Luxusuhren - goldene Zeiten für Schnäppchenjäger

Luxusuhren: Goldene Zeiten für Schnäppchenjäger
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Audemars Piguet

Die Geschäfte der Luxusuhrenwelt stocken. Preiskämpfe, gegenseitiges Abwerben und Abgucken, Downgrades bei den Extras bis hin zu milliardenteuren Schutzmaßnahmen greifen um sich - mal zum Vorteil des Kunden, mal zum Nachteil.

Um das Business anzukurbeln, greift die Branche fleißig in die Trickkiste. Uhrenkunden können jetzt die Gunst der Stunde für sich nutzen. Dafür sollten sie aber die Luxusprobleme der Hersteller kennen und ihre Manöver durchschauen.

Selten wurden sie so offensichtlich wie zumGenfer Uhrensalon SIHH und bahnen sich schon für die nächste Messe an - die Luxusuhren- und Schmuckmesse Baselworld 2016, die am 17. März startet. Louis Vuitton hat seine dortige Teilnahme abgesagt - ein Novum. "Man möchte sich neu positionieren", lautet die Begründung.

Stattdessen versuchte man in Guerillamanier die mediale Aufmerksamkeit zum SIHH zu entern. Dort präsentierte sich schließlich die direkte Konkurrenz: Der SIHH ist eine Veranstaltung der Luxusmarken des Richemonts-Konzerns (plus einiger unabhängiger Uhrmacher). Vuitton stellte mit Kalkül zeitgleich eine eigene Neuheit vor. Fairness geht anders. Doch es zeigt: der Kampf wird härter.

So entließ De Grisogono vor wenigen Wochen zehn Prozent seiner Belegschaft und De Bethune tauscht seinen CEO aus. Schließlich rettete ein großer einen kleinen Artgenossen: Ende Januar übernahm Richemont die Manufaktur Roger Dubuis zu 100 Prozent. Seit 2008 besaß der Luxusgüterkonzern schon 60 Prozent der Marke, die auf einen geschätzten Jahresumsatz von 60 Millionen Euro kommt - mit etwa 4500 Uhren. Für das Uhrenjahr 2016 werden es sicher nicht die letzten Nachrichten dieser Art bleiben.

Noch drastischer sind die Entwicklungen bei der Swatch Group mit ihren 18 Marken, darunter Omega, Blancpain, Glashütte Original und Longines. Seit kurzem ist bekannt, dass 2015 der Nettoumsatz um 0,9 Prozent auf 8,45 Milliarden Franken, der Konzerngewinn sogar um 21 Prozent gegenüber 2014 zurückging. Der starke Franken war einer der Hauptgründe. Wobei die Gewinnmarge noch bei gesunden 17 Prozent, die Eigenkapitalquote bei stolzen 85 Prozent liegt. Um Leerkäufe durch Spekulanten und Negativzinsen zu verhindern, zieht Konzernboss Nick Hayek jetzt die Reißleine: Er kauft Aktien für bis zu einer Milliarde Franken zurück.

Appetitmacher für Preisbewusste

Umso aggressiver wird die Preispolitik: Weltzeituhren für unter 6000 Euro, einen manufakturkompetenten Tourbillon-Chronographen unter 40.000 Euro. Montblancs dynamischer CEO Jérôme Lambert beweist schon seit Jahren ein Gespür für Zeitgeist - vor allem den der Preispolitik. Prompt kontert Jaeger-LeCoultre mit einem ansehnlichen Ewigen Kalender samt Manufakturwerk für unter 20.000 Euro.

In den Rallye-Modus ist auch Tag Heuer eingestiegen. Jean-Claude Biver kündigte schon 2015 den Preisbrecher an und präsentierte ihn vor wenigen Tagen: Das weltweit günstigste Tourbillon mit Chronograph, die Tag Heuer Carrera Heuer-02T, wird auf der Baselworld 2016 für unschlagbare 14.200 Euro angeboten. Uhrenfans jubeln, die Branche schmollt.

Ansonsten offeriert man unzählige Einsteiger- und Retromodelle, die momentan gefragter sind als Nouveau-Riche-Wecker. Ein Klassiker kommt für 2100 Euro von Baume & Mercier mit einem Automatikwerk von Sellita, für eine schlichte Fliegeruhr mit einem Eta-Werk verlangt IWC knapp 4500 Euro. Sobald Manufakturkaliber verwendet werden, springt der Preis bei den SIHH-Ausstellern allerdings über 5000 Euro.

Das Rennen macht momentan Cartier mit der neuen Businessuhr Driver für unter 6000 Euro. Ein eindeutiges Preissignal, das man als erste Botschaft von Cyrille Vigneron betrachten kann, der am 1. Januar die Führung bei Cartier übernahm.

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