Sonntag, 24. Juli 2016

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Die Neuheiten der Luxusuhrenmesse SIHH Wow-Effekte trotz Krisenstimmung

Luxusuhren: Goldene Zeiten für Schnäppchenjäger
Fotos
Audemars Piguet

Harte Zeiten für teure Uhren: Konsolidierung und moderates Wachstum sind die Schlagworte auf der luxuriösesten Uhrenmesse der Welt, dem SIHH (Salon International de la Haute Horlogerie), der am 18. Januar in Genf eröffnete. Dort stellen die zur Richemont Group gehörenden Manufakturen sowie einige freie Uhrmacher nur geladenen Besuchern ihre spektakulärsten Werke vor - und erzielen einen erklecklichen Teil ihrer Jahresumsätze.

Auf den Punkt bringt es der CEO von IWC, George Kern: "Luxus ist not to be connected!" Zwar spürt die klassische Luxusuhrenbranche einen Dämpfer, jedoch nicht durch den Smartwatch-Hype. Die Hauptursachen liegen im starken Schweizer Franken und in Chinas schwächelnder Wirtschaft. Über Umsatzrückgänge von bis zu 30 Prozent im weltweit größten Uhrenmarkt wird hinter der Hand gesprochen.

China und Hongkong sind das Schmiermittel für die Uhrenbranche. Der Stopp des chinesischen Börsenhandels, nur zwei Wochen vor der SIHH-Eröffnung, streut noch mehr Sand ins sowieso schon stotternde Getriebe. Russland liegt komplett am Boden, Lateinamerika ist nicht zuversichtlich, Indien und der Mittlere Osten treten auf der Stelle.

Nur die USA entwickeln sich und besonders auch Japan sowie Australien, die als neue Powershopping-Destinationen chinesischer Touristen wegen günstiger Wechselkurse gelten. In Europa und somit auch Deutschland sind die Tourismuszahlen rückläufig, weil die Terroranschläge in Paris und zahlreiche Übergriffe in Köln und anderen Städten den Chinesen die Reiselaune verderben.

2 Prozent Wachstum sind fast schon ein Crash

Kurzum, die Aussichten sind turbulent. Glücklich, wer dieses Jahr zwei Prozent Wachstum verzeichnet. Für die Luxusuhrenbranche bedeutet das aber nahezu einen Crash. Jahrelang wurden sie mit 20 Prozent Zuwachs verwöhnt. Erstmals hört man auch von CEOs, die sonst eher Zwangsoptimismus verbreiten, den Begriff 'Krise'. Da klingt das Statement von George Kern, "wir hoffen das Beste", noch als die zuversichtlichste Prognose.

Ähnlich nachdenklich gibt sich Wilhem Schmid von A. Lange & Söhne. Mit der geschätzten Jahresproduktion von unter 10.000 Uhren zählen sie zu den kleinen, feinen Manufakturen und haben wegen der geringen Stückzahlen weniger Absatzprobleme. Doch auch ihr CEO räumt ein, "dass die ständigen Veränderungen in der Welt eine der größten Herausforderungen ist. Man kommt sich schon wie ein Hedge-Fond-Manager vor, der täglich neu kalkulieren muss".

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