Montag, 11. Dezember 2017

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Private Sammlung für Afrika-Museum gestiftet Kapstadts neues Mekka für moderne Kunst

Zeitz Museum in Kapstadt: Ein Hort für moderne afrikanische Kunst
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AFP

Das erste Museum für moderne afrikanische Kunst in Afrika soll Kapstadt zum Kunst-Mekka machen. Ex-Puma-Chef Jochen Zeitz hat dafür seine private Sammlung gestiftet. Er will Kunstliebhaber aus aller Welt anziehen.

42 riesige Betonröhren ragen steil in den Himmel. Wie baut man daraus ein Museum? Dem britischen Stararchitekten Thomas Heatherwick ist es gelungen. Im südafrikanischen Kapstadt hat er ein historisches Getreidesilo in das erste Museum für moderne afrikanische Kunst verwandelt.

Teil des Mega-Projekts, das in einem Atemzug mit Londons Tate oder dem Guggenheim Bilbao genannt werden soll, ist auch der ehemalige Chef des Sportartikelherstellers Puma Börsen-Chart zeigen, Jochen Zeitz, der für das Museum seine private Kunstsammlung gestiftet hat. Am 22. September wird das Zeitz Museum of Contemporary Art Africa, kurz Zeitz MOCAA, erstmals seine Türen öffnen.

Rund 24.000 Besucher werden am Eröffnungswochenende erwartet, an dem Südafrika auch den Tag seines Kulturerbes feiert. Das könnte durchaus realistisch sein, denn die berühmte Einkaufs- und Vergnügungsmeile V&A Waterfront, auf deren Grundstück das Museum direkt am Atlantischen Ozean steht, zieht jährlich rund 24 Millionen Besucher an. Damit ist sie das meistbesuchte Urlaubsziel Afrikas - noch vor den Pyramiden in Ägypten.

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Schon beim Eintreten in das Zeitz MOCAA soll Besuchern der Atem wegbleiben. Der Kern des Gebäudes ist ein 27 Meter hohes, kathedralartiges Atrium, dessen gläserne Decke gleichzeitig als Dachterrasse dient. "Das Museum brauchte ein Herzstück", sagt Heatherwick, der unter anderem durch die hydraulische Rolling Bridge in London Berühmtheit erlangte.

Heatherwick beschreibt den Umbau des fast hundert Jahre alten Silos, in dem einst Export-Mais gelagert wurde, als "eine der größten Herausforderungen meiner Karriere". Da es zwischen den Betonröhren keine Freiräume gegeben habe, habe sein Team das Gebäude buchstäblich aushöhlen müssen. Dabei sei so viel Geröll und Staub entstanden "wie in einer Kriegszone", so Heatherwick. "Und voller Vogeldreck war es auch", fügt er lachend hinzu. Auf dem Boden fand Heatherwick auch ein paar getrocknete Maiskörner. Eines davon scannte er und verwendete es als Schablone für die Konturen des schlicht aus Beton und Stahl gebauten Atriums.

Auch sonst hat der Architekt geschickt Überbleibsel des historischen Silos erhalten und in die neue, moderne Struktur integriert. Teile von Kornschächten ragen aus den Wänden. Auch die Tunnel im Untergeschoss, durch die der Mais befördert wurde, existieren noch. Vor dem Eingang des Museums liegen die Bahnschienen, auf denen das Getreide zum Hafen transportiert wurde. "Wir wollten, dass die Seele des Silos erhalten bleibt", sagt Heatherwick.

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