Montag, 20. November 2017

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Günstig leben auf Großstadtdächern Platz ist für die kleinste Hütte

Mini-Häuser fürs Dach: Neue Hütten für den Großstadtdschungel
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CABIN SPACEY

Wie viel Platz braucht ein Mensch zum Leben? 6,4 Quadratmeter, würde die Tinyhouse-Bewegung antworten. Mit Wohnungsmangel in Großstädten kommen Ideen für Leben auf minimalem Raum - auch mit Weitblick.

Oben der Himmel, unten Berlin. Hier könnte es stehen, das Mini-Haus. Auf dem Dach eines großen Altbaus, hoch über dem Trubel. Beim Einschlafen sieht man über dem Bett die Sterne.

So ein Haus auf dem Haus haben die jungen Berliner Architekten Simon Becker und Andreas Rauch entwickelt. Ihre Idee: Neuen Wohnraum schaffen auf den Dächern der Städte, in der Wohnungen seit Jahren knapper werden. Und ein Trend zum Minimalismus, zum Wohnen mit wenig Platz, wie ihn in den USA die tinyhouse-Bewegung lebt.

Tatsächlich rückt auch Deutschland in den Großstädten seit einiger Zeit zusammen. Zwar gönnten sich die Menschen bundesweit zuletzt mehr Wohnraum, inzwischen mehr als 45 Quadratmeter pro Kopf. Doch in Städten wie Köln und Frankfurt, wo die Immobilienmärkte heiß gelaufen sind, beginnt sich das nach Erkenntnissen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung langsam umzudrehen.

In Berlin treibt eine Gruppe das Leben auf engem Raum auf die Spitze. Ihr Mini-Apartment "tiny100" ist nur 6,4 Quadratmeter groß. Trotzdem passen Bett, Küche, Dusche und Sofa rein. Verschachtelt, gestapelt, doch möglich. "Wir haben ausgelotet, auf welchem Raum man noch leben kann", sagt Industriedesigner Raphael Behr. Sitzt man am Schreibtisch, baumeln die Füße in die Küchenzeile.

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Irgendwann, wenn eine Immobilie gefunden ist, will die Gruppe um den Architekten Van Bo Le-Mentzel mehrere dieser Mini-Wohnungen für 100 Euro im Monat vermieten, an Leute, die sich wohnen sonst oft nicht leisten können. In einem Gemeinschaftsraum sollen die Mieter zusammenkommen mit wohlhabenderen Bewohnern größerer Wohnungen im gleichen Haus.

Ob aus Not oder Lebensgefühl: "Klein und heimelig" sei immer mehr gefragt, sagt auch Architekt Becker. Gleichzeitig wollten junge Leute unbedingt in die Stadt. "Und wo ist noch Platz in der Stadt? Auf dem Dach." So entstand die Idee von "cabin spacey": Kleine Wohncontainer mit Weitblick ganz oben.

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