Donnerstag, 21. März 2019

Bruchlandung als Management-Prinzip Worum es beim Scheitern wirklich geht

Getty Images

Bruchlandungen sind schwer in Mode. Ökonomische wie persönliche Niederlagen werden als Erfolg vermarktet. Dabei geht es beim Scheitern um etwas völlig anderes.

Vorsicht, Zukunft! Nachdem sich auch in deutschen Unternehmen herumgesprochen hat, dass die Zukunft schneller kommt und anders aussieht als erwartet, wird neben dem Erfolg das Scheitern ganz groß geschrieben. Scheitern passt hervorragend in eine Welt, die mit dem Vergangenen nicht mehr viel anzufangen weiß und die man mangels geistreicherer Alternativen VUCA (für "Volatility", "Uncertainty", "Complexity" und "Ambiguity") getauft hat.

Hohe Luft
Ausgabe 5/2018

Philosophie und Wirtschaft

Heft bestellen

www.hoheluft-magazin.de

Die meisten Entscheidungsträger haben verstanden, dass in einem launischen Universum die Kenntnis und Anwendung bewährter Routinen für den Erfolg eher hinderlich sind. So hat, wie es scheint, die Suche nach einer pragmatischen Fehlerkultur das Streben nach Perfektion und Lösungsorientiertheit abgelöst.

Ohne Scheitern kein Erfolg, lautet das neue Mantra - aber verstärkt die der Niederlage eigene Ineffizienz nicht den fortbestehenden wirtschaftlichen Druck?

Doch. Also geht man auf Nummer sicher. Man beschränkt sich aufs Geschichtenerzählen. Presst das Scheitern in Ratgeber, zwängt es in Kick-off-Workshops und Impulsvorträge, kritzelt es auf Flipcharts, lässt es von Power-Point-Folien auf das Auditorium abstrahlen.

Der Appell an den Menschen im Manager

Geschichten des Scheiterns appellieren an den Menschen im Manager, an seine weiche, verletzliche, selbstzweiflerische, ewig adoleszente Seite, die vor Authentizität nur so trieft - und lassen sich wunderbar crossmedial vermarkten. Hinterher. Wenn Zeit-, Kosten- und Statusverlust, die die jeweilige Bauchlandung mit sich bringen, verschmerzt sind. Wenn das Versagen so weit begriffen ist, dass es narrativ überformt und als (künftiger) Erfolg verkauft werden kann. Wenn es sich in einer positiven Bilanz aufheben lässt. Was für Donald Trump gilt, hat auch für Benjamin von Stuckrad-Barre Gültigkeit: Niederlagen sind erst toll, wenn sie überwunden sind.

An alle Führungskräfte und CEOs, die sich selbst und ihr Team zum Scheitern, das heißt - und zwar pronto! - zum Erfolg, animieren wollen: Bitte einmal kurz innehalten, den Hebel im Großhirn umlegen und die Gedanken auf "Flugmodus" schalten. Was heißt Scheitern wirklich? Lösen wir uns doch hier einmal für einen Moment von der Zukunft und betrachten drei mythische Modelle, die das neue Trendthema etwas differenzierter darstellen.

Seite 1 von 3

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung