Montag, 20. Februar 2017

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Elbphilharmonie-Plaza beschränkt den Zugang Großes Geldgrab, tolle Aussicht

Elbphilharmonie: Ein Rundgang
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AFP

Da sitzen sie nun, mitten im Großen Konzertsaal auf der Bühne: Hamburgs erster Bürgermeister Olaf Scholz, die Architekten Pierre De Meuron, Jacques Herzog, Ascan Mergenthaler, der Intendant Christoph Lieben-Seutter und Hochtief-CEO Marcelino Fernandéz Verdes. "Dieser Ort wird Hamburg verändern", sagt De Meuron - und alle stimmen zu.

Umgeben von circa 10.000 gefrästen Gipsfaserplatten, deren Oberflächen unzählige konkave und konvexe Wölbungen und Mulden aufweisen, die die innere Haut des Konzertsaals ausmachen, dringen die Worte fast beschwörend zu den rund 300 Gästen. Die Beschwörungsformeln lauten so: Die Elbphilharmonie sei einzigartig, die Konzertsäle seien einzigartig, die Akustik sei einzigartig. Das muss sich noch erweisen. Einzigartig sind bislang nur die Kosten.

Also müssen jetzt die Lobeshymnen besonders laut sein. Kein Platz sei weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt, betonen die Architekten. Olaf Scholz erzählt, wie er vor einigen Wochen die Baustelle besuchte und das Orchester der Elbphilharmonie in dem großen Saal probte. Als er ankam, sei gerade Pause gewesen und die Musiker seien ihm entgegen gekommen. Sie sahen nicht zufrieden aus, nein, sie "waren erleuchtet", so Scholz. Der Klang müsse wohl großartig sein.

Es wäre auch ein Supergau, wenn es in der Elbphilharmonie nicht gut klingt, sagt De Meuron und berichtigt sich gleich, denn von "Gau" will er lieber nicht reden. Viel zu oft war während der jahrelangen Bauzeit des Projektes von einem Planungs-Gau die Rede gewesen. Stadt, Architekten und ausführende Baufirmen hatten die Verantwortung für das vielfache Versagen unermüdlich hin- und hergeschoben.

Ohne den Mut der Entscheidungsträger, das Projekt trotz aller Kritik voranzutreiben, wäre es längst ein Scherbenhaufen. Doch nun ist wohl etwas Besonderes entstanden: um die 870 Millionen Euro teuer, allein 789 Millionen Euro stammen aus der öffentlichen Hand. Zunächst waren die Kosten auf 77 Millionen Euro veranschlagt worden. Diese Kosten wurden um das Zehnfache überschritten - und es reichte immer noch nicht: Die restlichen Millionen werden unter anderem durch Spenden Hamburger Mäzene wie dem Ehepaar Grewe und Klaus-Michael Kühne dazugekommen.

Ein öffentlicher Platz in 37 Metern Höhe

An diesem Freitag wird nun der erste Teil der Elbphilharmonie eröffnet. Die Plaza - das Zwischendeck zwischen altem Kaispeicher und neuem Gebäude mit den Konzertsälen, dem Hotel, den Wohnungen und den Restaurants. Ein öffentlich zugänglicher Platz soll es werden, eben nur in 37 Metern Höhe.

Eine 80 Meter lange, konkav gewölbte Rolltreppe führt in den sechsten Stock. Dort blickt der Besucher durch ein Panoramafenster auf den Hafen. Zwei Stockwerke höher befindet sich der Platz, der mit einer Zulassungsbeschränkung leben muss. 1200 Besucher darf er stündlich maximal beherbergen. Am Einlass muss man ein Ticket besorgen. Es soll vor Ort kostenlos sein, wer im Internet einen Zeitpunkt bucht, muss allerdings mit einer Gebühr rechnen.

Zugang beschränkt - auf maximal 1200 Besucher

Tatsächlich kommt der geschlossene Raum, von dem aus die Treppenhäuser zu den Konzertsälen führen, aber auch das Hotel und die Gastronomie ihre Türen öffnen, wenig spektakulär daher. Geschwungene Glaswände untergliedern den Platz in verschiedene Sektionen und lassen die Plaza eher kleinteilig wirken. Wie einladend das einmal sein wird, muss sich erst noch zeigen.

Mit Sicherheit eröffnet sich hier aber ein wunderbarer Ausblick auf Hamburg. "Und das", so sagt ein Mitglied des Pressestabs des Hamburger Senats, "ist das Highlight der Plaza". Der Quasi-Laubengang in circa 37 Metern Höhe, der den Blick auf Hamburgs Hafen, Speicherstadt und Hafencity frei macht. Wer jedoch nicht nach draußen geht, entdeckt, dass die Glasfassade zum Teil mit Chrom beschichtet ist. Das soll als Sonnenschutz dienen, heißt es. Ein Trugschluss also, wer sich beim Blick durchs Fenster an eine extreme Schlechtwetterphase erinnert meint.

Die Plaza allein mag sicherlich noch nicht begeistern. Doch das Gebäude verbirgt mehr. Den großen und den kleinen Konzertsaal, das Klangmuseum und die Studios. Ab Januar geht es los und mit Spannung kann man die Eröffnung der Orchestersaison in Hamburgs Elbphilharmonie erwarten.

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