Freitag, 22. September 2017

Der DEnglische Patient Are you finished? No, we are from Germany ...

picture alliance / dpa

Das Leben ist eine Prüfung - und unser Englisch ist es auch! Besonders, wenn uns in alltäglichen Situationen die passenden englischen Redensarten fehlen. Zum Beispiel im Bordrestaurant der Bahn. Englischversteher und Bestsellerautor Peter Littger erklärt eine typische Stolperfalle.

Peter Littger
  • Copyright:
    Neben Rückenproblemen und Übergewicht schleppen wir oft auch eine andere Zivilisationskrankheit mit uns herum: holpriges Englisch. Falls Sie auch darunter leiden, hilft Ihnen diese Kolumne von Peter Littger. Er berichtet als Denglischer Patient aus allen möglichen Lebenslagen über deutsch-englische Sprachverwirrungen und nicht zuletzt über seine eigenen sprachlichen Unzulänglichkeiten. Sein Buch "The devil lies in the detail: Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings- fremdsprache" ist ein Bestseller.
    Auf Twitter unter @FluentEnglish.

Neulich im Speisewagen. Irgendwo zwischen Berlin und Hamburg. Der Kellner tritt an den Tisch englischsprachiger Gäste. Kurz zuvor hat er ihnen Rostbratwürste mit Sauerkraut serviert. Jetzt fragte er sie:

"And? Are you ready?"

Die Fahrgäste schauen den Kellner ratlos an: "Are we ready? To do what?"

Für mich war es wieder einer dieser Momente, die das Bordrestaurant der Bahn so einladend machen. Oder glauben Sie, dass ich wegen der Rostbratwürste oder der "Fitnesssalate" komme? Vielmehr lockt mich die Aussicht auf immer neue deutsch-englische Sprachverwirrungen: lustige und lehrreiche Situationen, von denen ich anschließend in meinen Kolumnen und Büchern berichten kann.

Wie der Dunst von hundert Würsten hing auf einmal ein Rätsel im Bordrestaurant. Die Preisfrage lautete: Was will der Kellner wissen?

Ob die Gäste vielleicht schon bereit sind ihm ihre Teller zu geben?

Ob sie bereit sind für eine weitere Bestellung?

Oder gar, ob sie schon bereit sind zu bezahlen und zu gehen?

Sie ahnen es: die erste Antwort war die richtige - was schon alleine deshalb verblüffte, weil doch jeder sehen konnte, dass die Gäste noch aßen! Doch mal abgesehen von allen Manieren - all manners aside: Es war genau nicht die Frage, die man in der englischen Sprache stellt, um herauszufinden, ob jemand mit einer Sache fertig ist. Ganz offenkundig stimmten die denglischen Worte des Kellners nicht mit seinen deutschen Gedanken überein! Vielmehr litt er unter demselben Defekt wie ein Roboter, dessen Sprachzentrum von Google Translate gesteuert wird und dem jedes Verständnis für die verschiedenen Bedeutungen fehlt, die im deutschen Ausdruck "fertig sein" stecken können:

Deutsch Englisch
Sind Sie fertig? (bereit für etwas) Are you ready | all set?
Sind Sie fertig? (am Ende mit etwas) Are you finished | done?
Sie sind fertig. (fix und fertig) They are finished | dead | exhausted | knackered (gesprochen: näkkit).

Ohne die Abläufe im Bordrestaurant stören zu wollen, möchte ich anregen, dass sich die Deutsche Bahn eine ähnliche kleine Übersicht in ihre Bordküchen hängt. Irgendwo zwischen die Auftauanleitung für die "prebake Schrippen" und das Fach für die "Hit Fun Tasty Happy Kekse" von Bahlsen. So könnten die Kellnerinnen und Kellner immer nachsehen, was man fragen muss, um eine Bestellung aufzunehmen:

"Are you ready (to order)?"

Und was man fragt, wenn man (wirklich) wissen will, ob alles aufgegessen ist:

"Have you | are you finished?"

Buchtipp

Peter Littger
The devil lies in the detail - Folge 2: Noch mehr Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblings-fremdsprache

KiWi-Taschenbuch, 320 Seiten, August 2017, 9,99 Euro

Jetzt kaufen

Dass es unter deutschsprachigen Menschen auch immer wieder zu Schwierigkeiten kommt, die letzte Frage richtig zu verstehen, bemerkte ich vor Jahren in einer anderen Situation mit speisenden Reisenden. Ein amerikanischer Fahrgast wollte Platz im Speisewagen nehmen und fragte eine Gruppe, die nur noch leere Teller und Tassen vor sich stehen hatten: "Are you finished?" Jetzt raten Sie mal, was die Leute antworteten?

"No, we are from Germany...!"

In den USA und in Großbritannien gibt es schon seit längerem keine Speisewagen mehr. Und auch von Mitarbeitern der Bahn höre ich, dass sich das Geschäft mit dem Bordrestaurant kaum noch rechne. Als Stammkunde sehe ich das völlig anders - from the viewpoint of a regular, I completely disagree! Fast jeder Besuch lohnt sich. Ich kann gar nicht sagen, wie viele Vorstellungen mir in unserer Lieblingsfremdsprache schon zur Tasse Tee geboten worden sind. So viele, dass die Bahn vielleicht Eintritt dafür verlangen sollte!

Der Text ist eine stark gekürzte Fassung des ersten Kapitels in Peter Littgers neuem Buch "The Devil lies in the Detail, Folge 2 - Noch mehr Lustiges und Lehrreiches über unsere Lieblingsfremdsprache". Band 1 der Reihe führte 2015 mehr als 20 Wochen die Bestsellerliste an. Beide Bände sind auch als Hörbücher erhältlich.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH