Montag, 25. September 2017

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Zwischen Performance und Bequemlichkeit Was Frauen von Männerkleidung lernen können (und umgekehrt)

Der perfekte Anzug: 30 Stiltipps von Giorgio Armani persönlich
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Giorgio Armani

Männer haben es leichter als Frauen. Zumindest in Kleiderfragen. Das würden die meisten wohl ungefragt unterschreiben.

Welcher Mann würde freiwillig auf hohen Schuhen, deren Form so ganz anders als die des Fußes ist, in eine Sitzung, auf die Bühne oder zu einem privaten Date gehen? Die eigentliche Frage, die dahinter steht, ist: Was können Männer aus der Inspiration der Frauenkleidung lernen und umgekehrt Frauen aus der textilen Gentleman-Kultur?

Erst im Februar dieses Jahres schrieb die britische Autorin Lucy Rycroft-Smith über die Erfahrung, als fashion-müde Frau inzwischen überwiegend Herrenkleidung, also konsequent nur noch bequeme Kleidung, zu tragen und damit endlich sich selbst Rechnung zu tragen, nicht der Modeindustrie. Ihr Blogartikel "Switching to men's clothing taught me that the world doesn't want women to get too comfortable" ("Auf Männerkleidung umzusteigen lehrte mich, dass die Welt nicht möchte, dass Frauen sich zu sehr wohlfühlen") ist nicht nur lesenswert, sondern lohnt auch das Nachdenken darüber, was sich Damen im Zuge der Mode gelegentlich antun. Wenn etwas zwickt, denkt es sich schlecht.

Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher und publiziert auf ihrer eigenen Seite über Stilthemen: Starlay.de.

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Schon als angehende Designerin im Studium hatte ich das Gefühl, dass die extremen Entwürfe mancher Superstarts der damaligen Designer-Szene in den 80ern wenig Sympathie für Frauen und deren Freiheit zeigten.

Die hautengen, taillierten Kostüme mit androgynem Styling von damals zwangen zu ultra-hohen Ansätzen und distanzierter Attitüde. Nicht, dass ich unvermutet in das Turnschuh-Lager gewechselt hätte: Aber die Körperhaltung und die Ausstrahlung freuen sich über Schuhwerk, in dem die Zehen und damit symbolisch auch die Persönlichkeit sich nicht verbiegen müssen und der Fuß abrollen kann - übrigens ein offenes Geheimnis für schönen Gang. Ein Minimum an Anatomie steht jedem Schuh.

Was ist also das Learning aus der Betrachtung der Kleiderkultur des anderen Geschlechts, was das Schönste aus beiden Welten?

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