Samstag, 16. Dezember 2017

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Business-Knigge für die Erkältungszeit Die Virenschleuder in meinem Büro

Erkältet? Es muss ja nicht gleich ein Antikontaminationsanzug sein. Aber ein bisschen Rücksicht können Sie schon nehmen auf Ihre Kollegen.

Es gibt keinen besseren Weg, um die Aufmerksamkeit einer ganzen Gruppe zu erlangen und gleichzeitig jeden Einzelnen in insgeheime Schockstarre zu versetzen: "Bitte nicht küssen - ich bin eine Virenschleuder!" Meist beginnt, wer sich so ankündigt, dann doch damit, den ganzen Kreis abzulaufen und mit Handschlag und angedeuteten Schattenküssen zu begrüßen, um die Virenpracht unter die Leute zu bringen.

In der Erkältungszeit zeigen sich der viel besungene Respekt und die Fürsorge für sich und andere so deutlich wie sonst selten. Was ist es, das wie eine Art Erkältungs-Knigge selbstverständlich sein sollte?

Natürlich reden wir hier nicht von Erkrankungen, die ansteckend sind, bevor derjenige selbst es weiß. Viren sind wir eigentlich immer überall ausgesetzt, und ohne sie wäre unser Immunsystem nicht nur arbeitslos, sondern nicht existent. Es heißt, dass gerade der virale Infekt ansteckend ist, bevor der Betroffene Symptome zeigt. Und während die Art der Ansteckung - fliegend durch die Luft oder als Tröpfcheninfektion im Kontakt mit den Schleimhäuten - sowie die Inkubationszeit für uns Viren-Endverbraucher eher nebulös ist und die ärztlichen Aussagen hierzu variieren, sollten ein paar Spielregeln im Umgang damit für alle verbindlich sein.

Ein triefender Schnupfen beispielsweise ruft nach einer bewussten Schadensbegrenzung. Umgekehrt ist ein leichter, trockener Schnupfen kein Grund, seinem Beruf nicht nachzugehen, da wäre auch das Kollegen-Team wenig begeistert, wenn es die Arbeit übernehmen muss. Nichts würde aber gegen Homeoffice sprechen, wenn der Schnupfen in der tröpfchensprühenden heißen Phase ist.

Eigenverantwortung einerseits - und Vertrauen andererseits sind hilfreich. Die Arztpraxen sind aber oft deshalb überfüllt, weil wir bei Fernbleiben zu einer Krankschreibung verpflichtet sind - weniger, weil wir mit einer Erkältung nicht klarkommen. Das aus dem Lateinischen kommende Wort "Patient" wird übrigens nicht umsonst mit "der Geduldige" übersetzt, denn Geduld brauchen wir für eine Erkältung in jedem Fall - nicht nur beim Warten in der Arztpraxis.

Wie können wir Vorgesetzten, Kollegen, unserem eigenen Bedürfnis nach Innehalten und der Rücksichtnahme auf unsere Umwelt gerecht werden?

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