Donnerstag, 24. August 2017

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Neue Kumpelhaftigkeit im Business Seit wann duzen wir uns denn?

Ein Duz-Freund: VW-Digitalchef Johann Jungwirth möchte gern für alle "JJ" sein
Katharina Starlay
  • Copyright: Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Wala Heilmittel / Stephanie Schweigert
    Katharina Starlay ist Modedesignerin, Imageberaterin und Mitglied im Deutschen Knigge-Rat. In Vorträgen, Seminaren und individuellen Beratungen coacht sie rund um Kleiderstil und Businessknigge. Seit 2002 berät sie auch Unternehmen für deren Außenauftritt und entwickelt Firmenkleidung. Sie schreibt Bücher und publiziert auf ihrer eigenen Seite über Stilthemen: Starlay.de.

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Lassen sich Kundenorientierung und die Augenhöhe mit der nachwachsenden Generation tatsächlich am Duz-Faktor messen? Jedenfalls drängt sich diese Annahme auf, wenn man so manche Unternehmensentscheidung betrachtet.

Repräsentanten in betont lässiger Kleidung statt Azubis im steifen Anzug, Duz-Verordnung von oben statt feinfühliger Anrede-Kultur: Die Jagd auf Kunden und geeigneten Nachwuchs ist in die nächste Runde gegangen.

Jüngste Beispiele: Der Hamburger Versandhändler Otto, dessen Vorstände der Belegschaft unlängst geschlossen das Du anboten. Beim Versandhändler Baur bot Geschäftsführer Albert Klein kürzlich sogar Praktikanten das Du an. Auch VW-Digitalchef Johann Jungwirth gibt nicht viel auf grammatische Distanz: "Ich bin J.J. Mich muss man nicht siezen", sagte der Manager kürzlich auf einem Automobilforum in München.

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Firmen, die sich dem nicht anschließen möchten, Menschen, welche das Sie in der Geschäftssprache schätzen gelernt haben und jungen Leuten, die auf eine Karriere bei mehr als einem einzigen Arbeitgeber zielen, stellt sich aber bis heute die Frage, wie die Anrede im Business elegant funktioniert.

Der Blick über den Kanal nämlich ist trügerisch; zu groß die Versuchung, das britische You mit einem Du zu übersetzen. Das aber haben Briten nicht im Sinn, wenn Sie einen Geschäftspartner mit dem Vornamen ansprechen. Außerhalb der kumpelhaften Pub-Kultur wird das englische Wort nämlich noch immer als Höflichkeitsanrede verstanden. Etwas leichter haben es die Franzosen mit dem Vous oder die Spanier mit Usted - da ist der Tenor auch beim Gebrauch des Vornamens unmissverständlich. Internationalität vom Feinsten.

Nun kommen aber auch neue Jahrgänge in den Unternehmen an, deren Eltern Chauffeur-Dienste von der Schule zum Musikunterricht und von dort zu Fußball oder Ballett geleistet haben. Laura, Jan, Lukas, Sarah und Tim - die beliebtesten Namen ihres Jahrgangs - können selbst kaum etwas dafür, dass sie große Aufmerksamkeit für ihre Person für etwas ganz Natürliches halten.

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Im Geschäftsleben aber treffen sie nun auf die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge, in denen der einzelne nicht so wichtig war. Jene, die noch zu Fuß, mit dem Bus oder der U-Bahn zur Schule kamen, auch bei schlechtestem Wetter. Sabine, Thomas, Michael und Claudia - ihrerseits beliebteste Namen eines Jahrgangs dreißig Jahre früher - empören sich oft über das Selbstverständnis, mit dem sich junge Erwachsene Rechte herausnehmen und Meinungen äußern. Generationengemisch vom Feinsten.

Wie läuft es nun mit dem Du und dem Sie? Und was passt in der eigenen Firma?

Folgendes will überlegt werden:

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