Samstag, 23. März 2019

Hersteller putschen gegen Luxusuhrenmesse Baselworld Mit Arroganz in die Krise

Baselworld 2019: Die Neuheiten der Luxusuhren-Messe
Hublot

Die Swatch Group boykottiert, Online-Händlern wird gekündigt, die Leitmesse Baselworld verliert massenhaft Aussteller - die Uhrenbranche ist aus dem Takt geraten. Neue Modelle und neue Ideen sollen jetzt helfen.

Am 21. März startet die Baselworld. 2019 scheint jedoch die letzte Bewährungsprobe der einst weltweit größten Uhrenmesse zu sein. Von einst 1500 Ausstellern treten dieses Mal weniger als 500 an. Höchstens 30 relevante Uhrenmarken sind vor Ort. Ein Desaster.

"Diese Zahl ist geringer als im Jahr 2018 und sicherlich niedriger als erwartet", räumt Michel Loris-Melikoff ein. Wegen der Krise trat er im Sommer als neuer Messedirektor an und räumt seitdem kräftig auf: Mitarbeiter-Entlassungen, günstigere Preise und komplette Hallen werden geschlossen, dafür plant er, anderenorts welche zu öffnen.

"Die größten Wachstumsraten sowohl der Uhren- wie auch der Schmuckindustrie sind nicht in Europa, sondern im asiatischen Raum. Daher macht es Sinn, dass auch wir in diesen Raum vorstoßen", kündigte Loris-Melikoff kürzlich im Schweizer Radio SRF an. Shanghai und Hongkong sind im Gespräch, man liebäugelt zudem mit Miami, möchte sich aber noch nicht festlegen. Asien soll es mal wieder richten, wie schon oft bei der Luxusuhrenbranche in den letzten Jahren.

Fest steht, dass im kommenden Jahr die Genfer Konkurrenzmesse SIHH und die Baselworld fast zeitgleich im April stattfinden. Maßnahmen, die sich gut vermarkten lassen, da Händler und Medien nur noch ein Mal in die Schweiz reisen brauchen. Ob die neuen Ideen jedoch die relevantesten und hausgemachten Probleme beheben, ist fraglich: Arroganz und Gier.

Rebellen versus treue Begleiter

"Die Baselworld ist nicht mit der Zeit gegangen, und die Verantwortlichen haben eine enorme Arroganz an den Tag gelegt", so der Mitbesitzer der Uhrenmarke Mondaine, André Bernheim, der nach 50-jähriger Treue die Teilnahme absagte. Nick Hayek, Tycoon der Swatch Group und größter Schweizer Uhrenhersteller, wurde noch deutlicher. Er kritisierte die Preise und den geringen Service der Messe, aber auch den Wucher bei Hotels und Gastronomie. Rebellierend zog er die Reißleine. 14 Marken inklusive Omega, Breguet, Blancpain, Longines, Tissot und Glashütte Original verabschiedete er aus Basel. Über 150 Hersteller sprangen dieses Jahr auf den abfahrenden Zug, darunter Raymond Weil, Maurice Lacroix, Swarovski und Corum.

Baselworld 2016 (Archiv): Die Zahl der Aussteller sinkt rapide

Schweizerisch diplomatisch beschreibt Oris CEO Rolf Studer die Situation: "Um die Bedürfnisse kleinerer Firmen habe sich die Messeleitung kaum gekümmert". Ähnlich erlebt es Roland Schwertner, Gesellschafter von Nomos Glashütte. Beide halten der Baselworld die Stange. Noch. Treu bleiben ihr auch die Anker-Marken Rolex, Patek Philippe, Breitling, Chopard sowie Carl F. Bucherer, Seiko und Casio. Unerwarteter Nebeneffekt: der Luxusgüterkonzern LVMH mit seinen vier Uhrenmarken Hublot, Zenith, Bulgari und Tag Heuer steht jetzt als Biggest Player vor Ort da. Somit besitzt der französische Konzern eine gewisse Kommandogewalt für die künftige Messe-Entwicklung. Der Schweizer Uhrenindustrie gefällt das nur bedingt.

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