Donnerstag, 24. August 2017

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Wohnen wie in Frankreich Wo alte auf neue Möbel treffen

Wohnstil: So lebt man in Frankreich
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TMN

In Frankreich sind moderne Einrichtung nicht nur puristisch. Und nicht Designer allein geben vor, was geht. In den Wohnungen stehen oft Stücke vom Antikmarkt. Und auch beim zeitgenössischen Design zeigen die Franzosen wenig formale Strenge.

Paris/Berlin - Zum berühmten "Savoir vivre" gehören in Frankreich nicht nur gutes Essen und elegante Kleidung, sondern auch die Wohnungseinrichtung. "In Frankreich ist es üblich, dass man sich spontan zum Essen mit Freunden auch zu Hause trifft", erklärt Dorothée Fouan-Huber, Innenarchitektin und Inhaberin des Einrichtungsgeschäfts Maison DFH in Berlin. "Deshalb legen die Menschen viel Wert auf eine gastliche und gemütliche Einrichtung."

Wenn die Franzosen sich schön einrichten, muss nicht unbedingt alles neu sein. "Möbel werden in Frankreich vererbt", sagt Fouan-Huber. "Auch wenn die Einrichtungsstücke alt sind, sortiert man sie nicht einfach aus, sondern sie bleiben in Gebrauch." Der französische Stil ist deshalb oft durchsetzt von Antiquitäten aus dem Barock, Klassizismus oder Jugendstil.

Die elegante, französische Wohnungseinrichtung ist aber nicht nur mit teuren Sammlerstücken ausgestattet. "Wer weniger Geld hat, der kauft sich seinen Stuhl oder Tisch auf dem Antikmarkt", sagt Dorothée Fouan-Huber. Viele Franzosen besorgen nicht nur ihre Lebensmittel, sondern auch Dinge für die Wohnung gerne auf den vielen stimmungsvollen Märkten des Landes.

In Frankreich lieben die Menschen beim Einrichten einen warmen, wohnlichen Stil. Deshalb spielen Vorhänge, Kissen und Teppiche eine wichtige Rolle. Das Qualitätsbewusstsein bei den Textilien ist ausgesprochen hoch. "Oft glauben meine Kunden in Deutschland, nur Stoffe mit aufwendigen Stickereien seien teuer", sagt die Innenarchitektin Fouan-Huber. "In Frankreich macht auch der Druck auf dem Stoff den Qualitätsunterschied."

Jugendstil und Moderne treffen sich in Frankreichs Wohnungen

Auch die französischen Hersteller setzen auf die Verbindung von Alt und Neu. Eine der populärsten Marken für hochwertiges Einrichten in Frankreich ist Roche Bobois. Das Unternehmen produziert eine Klassiklinie mit Stilmöbeln sowie eine moderne Kollektion. Nicolas Roche betreut das zeitgenössische Design bei Roche Bobois. Sein Verständnis vom modernen Wohnen zeigt sich in einer Aussage zu Italien: "Italien ist natürlich immer noch weltweit führend beim Design. Nur manchmal verlieren sich die Italiener in einem risikolosen Minimalismus."

Der Minimalismus, wie ihn viele italienische Nobelmarken zelebrieren, wirkt für die Franzosen oft zu unbestimmt. In einem Pariser Loft darf auch eine Jugendstil-Tischleuchte oder ein Stuhl des Einrichtungsstils Louis-quinze aus dem 18. Jahrhundert stehen - und sei es wenigstens in der Plastikversion von Philippe Starck für Kartell.

Aber die Franzosen setzen auf Qualität. "Die Verwendung von hochwertigen Materialien und die Aufwertung traditioneller Handwerkskunst gehören zu der DNA des französischen Stils", sagt Nicolas Roche. Wie beim Kochen lieben die Franzosen im Möbelbau die Kunst der manuellen Fertigung. Ausdruck der hohen Wertschätzung des Handwerks ist der Titel "Meilleur Ouvrier de France" für den besten Handwerker Frankreichs, der jedes Jahr vergeben wird.

International ist die französische Einrichtungsindustrie traditionell nicht ganz so präsent wie die der Italiener oder der wiedererstarkten Skandinavier. Der bekannteste Hersteller moderner Möbel ist Lignet Roset. Daneben sind es vor allem die Designer wie Ronan und Erwan Bouroullec, Jean-Marie Massaud, Christophe Pillet oder Patrick Jouin, die im Ausland viel Aufmerksamkeit erfahren. Zur einer interessanten neuen Generation von ambitionierten Produzenten gehören die Pariser Unternehmen Moustache, Super-Ette und Petite Friture.

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