Sonntag, 30. August 2015

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Britische Herrendüfte Distinktion in Flaschen

Herrenparfum aus England: So duften Gentlemen
Fotos
D. R. Harris & Co.

3. Teil: Wie ein Park nach einem Sommerregen

Damit hätte eine 130 Jahre alte Tradition am Ende sein können, gäbe es da nicht Lothar Ruff. Ruff, ursprünglich Dramaturg unter anderem beim Berliner Renaissance-Theater, beschloss 1994 sein Hobby zum Beruf zu machen und gründete in Berlin "The English Scent", den einzigen Fachhandel Deutschlands, der ausschließlich auf englische Parfüms und Badartikel spezialisiert ist.

Als 2001 "Crown" eingestellt wurde, empfand Ruff es "als eine Ungeheuerlichkeit, dass diese Düfte aussterben sollten". Zusammen mit einer englischen Freundin gründete "Anglia Perfumery" und ließ in England die Düfte von "Crown" nachbauen. Ursprünglich plante Ruff, nur zwei Parfüms wieder zum Leben zu erwecken, doch betriebswirtschaftliche Erwägungen führten in dazu, größere Mengen an Duftölen einzukaufen - mit dem schönen Nebeneffekt, dass er mehrere Duftkompositionen ins Angebot nehmen musste.

Inzwischen laufen unter dem Namen "Anglia" 20 Düfte, 7 für die Dame und 13 für den Herrn. Darunter sind alte Kreationen von "Crown", wie etwa das vornehme "Marquis" (ursprünglich von 1928), das herrlich zitronig-würzige "Spiced Limes" (erstmals 1921), das großartige "Park Royal" (1929), das aufgrund seiner Fougère-, Zedern- und dezenten Gewürznoten tatsächlich duftet, wie ein Park nach einem Sommerregen, oder das exzentrische "Royal Court" (um 1900), das einen zurückversetzt in das England der extravaganten Dandys.

Inzwischen hat Ruff auch eigene Kreationen entwickelt, etwa das frische "Somerset" für die Dame. Doch gleichgültig, ob neu kreiert oder nach alten Rezepten rekonstruiert: anders als die brachialen Kompositionen heutiger "Designerparfüms" sind die Düfte von "Anglia", wie im Prinzip alle britischen Parfüms, natürlich, klar und dabei dennoch komplex: selbst von einem Laien lassen sich die Bestandteile auch vielschichtigerer Kompositionen meist gut voneinander unterscheiden.

Und auch optisch setzen die Schachteln und Flakons, die an das Design der klassischen Moderne irgendwo zwischen Art déco und Bauhaus erinnern, einen befreienden Kontrapunkt zu dem Kreativ-Overkill, den man normalerweise in Parfümerien bewundern darf.

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