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13.12.2012
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Britische Herrendüfte
Distinktion in Flaschen

Von Alexander Grau

Herrenparfum aus England: So duften Gentlemen
Fotos
D. R. Harris & Co.

2. Teil: Duften wie Winston Churchill oder Andy Warhol

Als ältester noch existierenden Perfumer den Inselreiches gilt "Floris". Gegründet wurde das Geschäft 1730 in der Jermyn Street 89 von dem Menorquiner Juan Famenias Floris. Inzwischen wird es in der achten Generation geführt. Floris' Klassiker stammt aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert: "Limes". Als dieser Duft entwickelt wurde, standen Zitrusdüfte noch nicht für Spülmittel und Allzweckreiniger, sondern für Exotik und Weltläufigkeit - ein frisches Arrangement aus Zitrusfrüchten und Zitronenblüten, dezent basiert auf Moschus.

Der bekannteste Duft von "Floris" ist jedoch das "No. 89". Er stammt von 1951, kommt also vergleichsweise jugendlich daher, und ist vor allem deshalb berühmt, weil James Bond ihn getragen haben soll. Bond-Fans versichern allerdings, dass sich diese These nicht bestätigen lässt. Als gesichert darf indes gelten, dass der Schöpfer des Geheimagenten, Ian Fleming, ein Bewunderer dieses sehr klassischen Herrenduftes war: Kopfnoten aus Zitrus und Bergamotte, florale Herznoten und als Basis Moos und Sandelholz.

Ein besonders ehrwürdiges Haus unter den alten Perfumern ist "Geo F. Trumper", gegründet 1875 in der Curzon Street 9. Der Hoflieferant Queen Victorias zeichnet sich nicht nur durch eine bestechende Kollektion klassischer Düfte aus. Schon die Flakons mit der berühmten Trumper-Krone sind ein ästhetischer Genuss und ideal zum Dosieren. "Trumpers" vielleicht elegantester Duft ist das 1877 lancierte "Marlborough", mit einer Kopfnote aus Lavendel und Rosmarin, einer Herznote aus Geranie, Zeder und Sandelholz auf einer Basis aus Vetiver - ein ausgewogenes und elegantes Arrangement, dabei zurückhaltend aber dennoch markant.

Der prominenteste aller britischen Düften ist jedoch "Penhaligon's Blenheim Bouquet". Das liegt schon an seinen Trägern: Winston Churchill hat ihn benutzt, ebenso wie Andy Warhol. Komponiert wurde er von William Penhaligon für Churchills Cousin, Charles Spencer-Churchill, dem 9. Duke of Marlborough. Das war 1902, ein Jahr nach dem Tod Queen Victorias. In seinem Ausdruck ist es jedoch noch ganz dem Viktorianismus verpflichtet: klar, streng, sauber, rein. Zitrone und Limette mit einem Hauch von Pinie. Das ist vollkommen unspektakulär und will es auch sein. "Blenheim" ist in einen Flakon gefüllte Distinktion, etwas reserviert, etwas unnahbar und sehr "straightaway".

Die Renaissance der alten Düfte

Doch auch die wunderbarsten Traditionshäuser kann das Schicksal alles Endlichen ereilen. Exemplarisch dafür steht die "Crown Perfumery". Begonnen hatte alles 1840, als Korsettmanufaktur. Um die unangenehmen Folgen dieses beengenden Kleidungsstücks zu mildren, kam der Sohn des Gründers - der Chemiker William Thomson jr. - auf die Idee, ein Duftsalz auf Lavendelbasis zu entwickeln.

Doch es blieb nicht beim Duftsalz, und so entstand 1872 die "Crown Perfumery", deren Flakons eine mächtige Krone zierte - eine Referenz an die prominenteste Kundin: Queen Victoria. Der Niedergang von "Crown" begann mit dem 1. Weltkrieg, die Firma wurde an "Lever Brothers" verkauft, heute als "Unilever" bekannt. Der 2. Weltkrieg gab dann dem Unternehmen den Rest. 1939 wurde es geschlossen. Doch manchmal geschehen Wunder: 1993 wurde "Crown" wieder gegründet und viele der alten Düfte neu aufgelegt.

Doch erneut nahte Unheil, diesmal in Gestalt des Designers und Innenarchitekten Clive Christian. Christian kaufte "Crown" im Jahr 2000, schloss alle Ladengeschäfte und reduzierte das Angebot auf acht Düfte, je vier für den Herrn und die Dame. Nur ein Jahr später lancierte Christian drei eigene Düfte, darunter das "No. 1" - das mit 680 Euro für 50 ml (im Kristallflakon für läppische 3400 Euro) als das teuerste Parfüm der Welt gilt - und stellte die Produktion der verbliebenen "Crown"-Düfte ein.

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