Mittwoch, 2. September 2015

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Wohnen im Frachtcontainer Die Luxus-Quader

Architektur: Wohncontainer nach Maß
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Containerbauten assoziiert man gemeinhin mit Notunterkünften oder Baubaracken. Aber aus den Metallboxen lassen sich auch schicke Luxusbleiben konstruieren. Weltweit arbeiten findige Architekten daran, aus Frachtcontainern ansprechenden Wohnraum zu gestalten.

Nürnberg - Vor einigen Wochen hat Peter Dussl ein Grundstück bei Nürnberg gepachtet. Bis Weihnachten soll dort das Haus stehen, in dem er in den nächsten Jahren leben will. "Aber ob ich dort ewig bleiben will, weiß ich noch nicht", sagt er. "Wenn es mir nicht mehr gefällt, dann nehme ich mir mein Häuschen und ziehe mit ihm um."

Es ist ein Teil von Dussls Beruf, solche Dinge zu sagen. Der Kaufmann leitet gemeinsam mit dem slowenischen Architekten Jure Kotnik die Firma "Conhouse", die auf die Errichtung von Containerbauten spezialisiert ist. Derzeit errichtet das Unternehmen vier Einfamilienhäuser, einen Kindergarten und ein Bürogebäude.

Wenn es schnell gehen muss, dann lässt sich mit Container-Modulen in weniger als zwei Monaten ein Haus - mit Wasserleitungen, Stromversorgung und Anschlüssen für Telefon und Internet - schlüsselfertig aufstellen. Büros, Einfamilienhäuser, Cafés und temporäre Unterkünfte können so errichtet werden. Bei Bedarf werden die Gebäude aus Metall wieder abgebaut, an einen anderen Ort geschafft, neu hochgezogen und bei Bedarf mit anderen Containerelementen kombiniert. Ab 800 Euro pro Quadratmeter kostet der Wohnraum in einem ausgebauten Container - inklusive LED-Technik, Fußboden, Küchenanschluss, Bad, Balkon.

15 gestapelte Hochseecontainer

Eins der bekanntesten Projekte des Unternehmens ist "Gerolds Atelier" das zu der Anlage "Gerolds Garten" in Zürich gehört. Dort geben sich auf einem Parkplatz Geschäfte, Künstlerateliers, Restaurants und ein Stadtgarten ein modernes, urbanes Stelldichein. Der Hingucker von Gerolds Garten ist der "Freitag-Turm", ein Gebilde aus 15 gestapelten Hochseecontainern. Die Anlage bietet genau die Mischung aus Industriearchitektur und kreativem Freiraum, der derzeit in europäischen Großstädten wie Berlin, Helsinki oder Warschau so gut ankommt.

In Deutschland assoziiert man mit Containerbauten bislang wenig Gutes. Spontan denken die meisten eher an provisorische Büros, Baubaracken und die Darsteller der Dokusoap "Big Brother", die monatelang in einem tristen Interieur ein tristes Leben fristeten. Entdeckt man die kastenförmigen Gebäude in den Innenstadt oder auf dem Land, dann ist ihre Außenhülle oft in einem faden Hellgrau gehalten. Das Interieur wird von PVC-Böden und billigen Möbeln dominiert. Lust, in solch einer Metallbox zu leben, kommt beim Anblick nur selten auf.

"Wir kennen in Deutschland Containeranlagen meist als Wohnheime oder Notunterkünfte. Viele dieser Gebäude wurden ohne oder mit ungeeigneten Architekten realisiert, was erheblich zum Negativimage der Containerbauweise beigetragen hat", bestätigt Han Slawik, Architekturprofessor in Hannover.

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