Mittwoch, 29. Juli 2015

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Wohnen im Frachtcontainer Die Luxus-Quader

Architektur: Wohncontainer nach Maß
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create your cubes

2. Teil: Der Frachtcontainer ist überall gleich groß

Slawik war einer der ersten in Deutschland, der versuchte, Containerbauten mit anspruchsvoller Architektur zu verbinden. Eins der bekanntesten Entwürfe seines Büros Architech ist die "Homebox": ein Holzcontainer, der hochkant steht und so zu einem kleinen Wohnturm wird.

Der Architekt erzählt, dass der bereits während seiner Studienzeit ein Schlüsselerlebnis hatte. Zeit und Material wurden damals, zu Beginn der 1970er Jahre, in großem Stil verschwendet. Bauschutt landete massenhaft in Baugruben, kaum etwas wurde unweltgerecht entsorgt. Zudem gab es lange Arbeitsunterbrechungen bei Schnee oder Regen "Diese Erfahrungen haben in mir die Überzeugung reifen lassen, dass so wenig wie möglich auf der Baustelle gearbeitet werden sollte. Viel sinnvoller ist es, wenn so viel wie möglich in der Werkstatt vorgefertigt und in kurzer Zeit vor Ort montiert werden kann", sagt der Architekt, der sich intensiv mit der modularen Bauweise beschäftigt hat.

In den letzten Jahrzehnten gab es zwar immer wieder modulare Baukastensysteme, doch keins von ihnen konnte sich langfristig durchsetzen. Das lag unter anderem daran, dass die Systeme permanent weiterentwickelt werden mussten, wenn neue Bestimmungen aus dem Bereich Wärmeschutz oder Brandschutz in Kraft traten. "Das einzige Modul, dass es in Massen weltweit in gleichen Abmessungen gibt, ist der Frachtcontainer", konstatiert Han Slawik. Sie sind stabil und billig und deshalb ein ideales Element für schnelle, preisgünstige Bauten.

Gegen Vorurteile kämpfen

Auf dem Markt sind Frachtcontainer mit einer Länge von sechs oder zwölf Metern. Die Breite beträgt jeweils 2,4 Meter, die Höhe 2,6 Meter. Da in der Containerwelt amerikanische Maßeinheiten gelten, werden die Normcontainer als 20- und 40-Fuß-Container bezeichnet. Auf dieses Format sind weltweit LKWs, Frachtzüge, Schiffe, und Hebeeinrichtungen eingestellt. Konstruiert werden die Behälter aus ebenfalls genormten Stahlprofilen.

So praktisch und funktional das Bauen mit den Container-Modulen auch ist - noch gibt es viele Vorurteile, die überwunden werden müssen. Bei den Baubehörden muss Mathias Salinger, der in Oldenburg das Architekturbüro "Create your Cubes" betreibt, immer wieder Überzeugungsarbeit leisten. Von der Antragstellung bis zur Baugenehmigung vergeht mitunter mehr Zeit als nötig.

Innengestaltung kaum Grenzen gesetzt

"Meine Güte, so eine Metallbüchse heizt sich durch fürchterlich auf!", würden Unwissende oftmals beim Anblick seiner Büro- und Wohnhäuser sagen, berichtet Mathias Salinger. Nach landläufiger Meinung würde man im Sommer in den Wohnboxen schwitzen und im Winter mit den Zähnen klappern. "Dabei ist es heute problemlos möglich, Container so auszubauen und zu isolieren, dass sie ein vorbildliches Energieverhalten aufweisen", sagt Salinger.

Der kreativen Gestaltung des Inneren seien ebenfalls kaum Grenzen gesetzt: Egal ob Laminat, Parkett, Linoleum oder Teppich - praktisch jeder Bodenbelag sei für die Containerbauweise geeignet, erklärt Architekt Salinger. Das Gleiche gilt für Wandverschalungen und Tapeten. Eckige oder runde Fenster? Eine Wand als Fensterfront oder ein kleiner Balkon? Der Container-Bauherr hat die Wahl.

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