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30.11.2012
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Parfummanufaktur Lubin
Die Duft-Renaissance

Von Maren Hoffmann

Parfum von Lubin: Die Duft-Manufaktur
Fotos
Lubin Paris

Im 19. Jahrhundert belieferte der französische Parfumeur Pierre-François Lubin Königshäuser und Kaiserhöfe. Vor einigen Jahren kaufte der ehemalige Guerlain-Kreativdirektor Gilles Thévenin die Manufaktur - und lässt Düfte kreieren, die sich wohltuend vom Massenmarkt abheben.

Hamburg - "Das hier, das ist ein Mann, der frühmorgens durch die Berge reitet. Der Tau. Die Bergkräuter. Ein Ledersattel. " Gilles Thévenin, ein Mann in legerem weißen Hemd und dezent graukariertem Sakko, schwenkt einen kleinen Papierstreifen vor seiner Nase und hängt dem Duft nach. Der ist eigenwillig: Myrrhe mischt sich mit frischem Leder, Kardamom, Rosmarin, Zypresse schwingen mit. Es riecht orientalisch, aber nicht üppig schwül und schwer. Eher nach wilden Schluchten als nach prächtigen Palästen.

"Galaad" ist eines von drei neuen Unisex-Parfums, die die kleine Manufaktur Lubin diesen Herbst auf den Markt gebracht hat - Akkad und Korrigan heißen die anderen beiden. In der großen, weiten Welt der Duftkonzerne ist Lubin ein vergleichsweise kleines Licht. Gerade mal eine Million Euro Umsatz erzielte das Unternehmen in diesem Jahr. Mit den drei neuen führt Lubin jetzt überschaubare 15 Parfums, von denen ein Drittel sich an frühere Erfolge oder historische Vorbilder des Traditionshauses anlehnt.

"Wir bewegen uns in einem Nischenmarkt", erklärt Thévenin, der früher Kreativdirektor von Guerlain war. Nachdem Guerlain Teil des Luxuskonzerns LVHM geworden war, suchte Thévenin Ende der 90er Jahre nach einer eigenen Firma, fern der Technokratie eines großen Konzerns. Er fand Lubin. Die 1798 gegründete Firma brachte ihre eigenen Legenden mit. Dazu gehörten Düfte wie das 1937 kreierte "Nuit de Longchamp", "Gin Fizz" von 1955, aber auch ältere Kreationen, die der Parfumeur Lubin im 18. und 19. Jahrhundert an das französische Königshaus lieferte. Um 1900 hatte die Firma die größte Parfumproduktion Frankreichs und exportierte in großem Stil nach Amerika.

Mit einem Parfum erzählt man seine eigene Geschichte

Dann kamen allerdings schwere Jahre. Der amerikanische Markt brach weg, und auch in Europa wurde die Konkurrenz übermächtig. Schließlich gaben sich die Käufer die Klinke in die Hand: Lubin gehörte Ende der 70er Jahre eine Weile zu Henkel, dann zum 4711-Hersteller Mülhens, der seinerseits an Wella verkauft wurde - und damit schließlich bei Procter & Gamble landete.

Thévenin investierte viel eigenes Geld und verhandelte jahrelang mit den früheren Eignern, bis die Firma endlich seine war. Das war vor acht Jahren. "Um Lubin kaufen zu können, habe ich meine Wohnung verkauft, meine Autos. Weg mit dem ganzen Zeug. Meine Großmutter hat geweint. Mit 45 war ich dann allein in einem Zimmer, einem ehemaligen Dienstbotenquartier. Aber ich war glücklich. Es war fast wie Heiraten. Ich wusste: Ich werde mich dieser Firma widmen. Ich will die Qualitätsparfumerie am Leben halten."

Das heißt für Thévenin zunächst mal: Überschaubare Strukturen. Zwanzig Mitarbeiter hat Lubin, die Düfte werden vorrangig von zwei "Nasen" komponiert: Thomas Fontaine und Delphine Thierry. Die Ideen liefert Thévenin selbst. "Jean Paul Guerlain hat mir gesagt: Wenn man ein Parfum macht, erzählt man erstmal seine eigene Geschichte. Das ist nicht das Ende des Prozesses, aber es muss der Anfang sein."

Abnehmer für die markanten Kreationen finden sich außer in Frankreich vor allem in den deutschsprachigen Ländern, Amerika, Großbritannien und Russland. "Die Engländer sind Exzentriker, die besondere Dinge lieben", erklärt Thévenin, "und Deutsche sind rationell, die wollen Qualität und sind bereit, dafür auch Geld in die Hand zu nehmen." Marktforschung betreibt Lubin nicht. "Wir sind ein Dufthaus des Angebots, nicht der Nachfrage. Wir testen nicht. Was soll ich damit anfangen, wenn ich erfahre, dass ein Duft 55 Prozent der Befragten gefällt? Was soll ich daraus schließen? Wir produzieren ja nicht für die Masse."

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