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20.12.2012
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Neue Nutzung für Kirchen
Andächtiges Speisen

Von Gudrun Weitzenbürger

Kirchen: Wie Gotteshäuser weltlich werden
Fotos
Hugo Thomassen

In den Kirchen erstrahlen nicht mehr nur Monstranzen und goldene Lüster. Angesichts zurückgehender Einnahmen und sinkenderBesucherzahlen werden Gotteshäuser neu genutzt: Wo Gläubige die Kirche verlassen, ziehen Museen, Einkaufszentren oder Kletterhallen ein.

München - Die Kirche St. Maximilian in der Isarvorstadt in München ist ein imposantes Gebäude. Der neoromanische Bau ist mit seiner Ausrichtung nach Südwesten auch im Stadtbild vorherrschend. Es lässt die Kirche noch größer erscheinen. Zu groß für die nicht vorhandene Anzahl von Gläubigen. Das Gotteshaus soll umgebaut und für andere Zwecke geöffnet werden. Ein Restaurant soll entstehen, Kultur wird stattfinden, der Pfarrer als Seelsorger wird Kaufmann, Gastwirt und Galerist.

Rainer Schiessler ist ein unkonventioneller Pfarrer. Er fährt gerne Motorrad, bedient auf dem Oktoberfest, um die zusätzlichen Einnahmen wohltätigen Zwecken zu spenden und lässt sich auf dem Münchener Viktualienmarkt mit "Euer Hochwürden" von vielen Marktfrauen begrüßen. Er hat keine Schwierigkeiten, Menschenmengen in seine Kirche zu locken, die seinen teils amüsanten, teils lehr- und anekdotenreichen Predigten lauschen.

Aber trotz der Besucherscharen ist die Kirche zu groß. "Die hohen Kosten brechen uns einfach das Genick", sagt der Pfarrer. "Wir müssen uns überlegen, was hier in zwanzig Jahren noch stattfinden soll." Nach seinen Vorstellungen soll das große Gebäude mehrere Funktionen erfüllen: religiöse, kulturelle, wissenschaftliche und gesellschaftliche.

In der Korbinianskapelle, die außerhalb des sakralen Bereichs liegt, ist ein Restaurant mit traditionellen, regionalen Gerichten geplant. Um Gebäudekosten zu sparen, werden die Kirche, der Pfarrsaal und die Verwaltung unter ein Dach gefasst. Im Seitenschiff der Kirche, - so die Pläne- , wird eine zweite Decke eingezogen für eine Pilgerherberge etwa oder einen Kindergarten, Büroräume oder Räume für Chorproben.

Beten, Heulen, Lachen zu jeder Tages- und Nachtzeit

Auch ein Raum der Stille und des Gebets könnte entstehen. "Die Leute sollen immer kommen können", ist Schiesslers Geschäftsmodell. 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, das ganze Jahr zum "Beten, zum Heulen und zum Lachen". Eine Art Wal-Mart für alle täglichen Belange. "Das Ordinariat hat zugestimmt, es wird einen Architektenwettbewerb geben, Ende 2013 fällt eine Entscheidung", sagt der Pfarrer.

Vom Konzept etwas abschauen könnte sich das Ordinariat in München von der nordrhein-westfälischen Martinikirche in Bielefeld. Vor sieben Jahren ist hier das Restaurant "GlückundSeligkeit" eingezogen und hat in diesem Herbst mit zwei neuen Chefköchen das Gourmetrestaurant "Glückskind" auf der Empore eröffnet.

Immer öfter werden auch unter Denkmalschutz stehende, alte Kirchengemäuer einer Umnutzung überlassen. So hat der Investor und Geschäftsführer der Living Event in Werther, Achim Fiolka, die Bielefelder Kirche nach zähen Verhandlungen für einen symbolischen Preis von einem Euro der Kirche abgekauft, mit mehr als drei Millionen Euro aus dem Sakralbau ein Restaurant geschaffen, in dem bis zu 500 Personen Platz finden können.

"Ich musste das einfach machen", sagt Fiolka über seine eher irrationale Entscheidung. In den Spitzbögen haben Architekten mit Glasplatten das Hauptschiff nach oben von der Empore getrennt, wo eine Clublounge untergebracht ist. Die Orgelempore aus Holz hat man kurzerhand durch eine Stahlbetonkonstruktion ersetzt und eine Bar eingebaut. Zur Eröffnung des Gourmetrestaurants gibt es Lamm aus der Altmark oder Gänsestopfleber aus Ungarn.

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