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24.10.2012
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Artotheken
Rent a Warhol

Von Sarah J. Tschernigow

Artotheken: Die Kunst des Ausleihens
Fotos
Eva Mueller Kunstberatung / Objekt: Ben

Die Malerei über dem Schreibtisch, die Skulpur im Empfangsbereich - Kunst kann Mitarbeiter inspirieren und ist gut fürs Image. Aber nicht jede Firma mag eine teure Sammlung anlegen. Artotheken bieten eine gute Alternative. Die Erfahrung zeigt: Wer einmal leiht, kommt meist wieder.

Berlin - Es hat etwas von Ausstellung oder Galerie, aber es sieht auch ein wenig nach Umzug aus: In der Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins lehnen zwei mal zwei Meter große Malereien unterschiedlichster Stilrichtungen an der Wand, auf Tischen stehen afrikanische Skulpturen, in einer Vitrine liegt die "Buchaxt" des ungarischen Künstlers Lásló Lakner. All das gibt es zum Mitnehmen - und zwar leihweise.

Egal, für welches Kunstwerk sich ein Kunde entscheidet, jedes darf sechs Monate behalten werden und kostet eine Versicherungsgebühr von drei Euro. Artothekenleiterin Bärbel Kirchhoff erklärt: "Das ist wie in einer Bibliothek. Durch den politischen Auftrag wird es gefördert und ist preiswert." Aber drei Euro? Auch für einen Andy Warhol? "Ja, aber wenn Sie einen Warhol haben möchten, müssen Sie sich mehrere Jahre auf eine Warteliste setzen lassen", erklärt sie lächelnd. "Bei den langen Ausleihzeiten dauert es nun mal."

Insgesamt hat die größte Artothek Deutschlands 4000 Kunstwerke im Angebot. Bundesweit gibt es schätzungsweise 140 Artotheken. Eine Übersicht gibt es auf der Homepage des Artothekenverbands. Die Artothek im Kassler Rathaus zeigte vor einem halben Jahr "Aus den Anfängen der Documenta". Die Artothek in der Kölner Innenstadt hat kürzlich in einem denkmalgeschützten Ausstellungsraum wiedereröffnet. Hinter den Kunstverleihern stehen immer Träger wie Kulturämter, Museen oder Bibliotheken. Die Leihe ist oft kostenlos oder läuft gegen eine geringe Gebühr.

Günstig an Originalkunst zu gelangen, das ist nicht nur für Privatleute interessant. Auch Unternehmen haben das Prinzip Kunstleihe für sich entdeckt. Artothekleiterin Kirchhoff sagt: "Wenn Unternehmer einmal hier waren, kommen sie erfahrungsgemäß auch wieder. Ich habe im Übrigen den Eindruck, dass sie die Kunst gar nicht für ihre Kunden leihen, sondern für ihre Mitarbeiter."

Wenn die Kunst öfter mal wechselt, kommt man neu ins Gespräch

Offenbar stimmt das. Marcus Weber aus Nürtingen, Raum Stuttgart, glaubt fest daran, dass Kunst ein angenehmeres Arbeitsklima schaffen kann. Der 44-Jährige ist bei der Volksbank Nürtingen-Kirchheim für Marketing und Vertriebsmanagement verantwortlich und erläutert: "Kunst war für uns immer ein Thema. Das gibt dem Raum einfach eine andere Atmosphäre."

Viele Jahre gab es in den Büros der Volksbank wechselnde Kunstausstellungen, mal Aquarelle, mal Fotografien, alles Werke aus einer örtlichen Sammlung. Etwas willkürlich zusammengestellt, aber der Vorteil des Leihens lag auf der Hand: Weil die Kunst regelmäßig wechselte, kam man immer wieder neu darüber ins Gespräch. Mit Geld habe das weniger zu tun gehabt, sagt Weber.

Auch Uhto Creusen, Eigentümer des Beratungsunternehmens "Positive Leadership" in Ingolstadt sagt, dass es beim Leihen weniger um Finanzen geht als um das Experimentieren. Denn "Kunst zu kaufen ist eine Frage des Mutes. Deshalb sollte man sich mit den Werken länger auseinandersetzen, um herauszufinden, ob sie zum Unternehmen wirklich passen."

Damit spielt der 56-Jährige nicht nur auf die Ästhetik eines Werkes an, sondern auf dessen Botschaft. Vor Jahren, als Creusen noch Geschäftsführer der Media Saturn Holding war, lieh er beispielsweise eine gemalte Portraitreihe aus. "Die Bilder stellten einfach die Gesichter von Menschen in ihrer Individualität dar." Die Individualität, das "Auf-den-Einzelnen-Eingehen", das sollte auch als Firmenphilosophie nach außen getragen werden.

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