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03.11.2012
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Möbel aus den 50ern
Gegen die Krise anwohnen

Möbel aus den 50ern: Bunt, bauchig und irgendwie optimistisch
Fotos
TMN

Nierentisch, Tütenlampe und Polstersessel sind Inbegriff des Designs der 50er-Jahre. Nach dem Krieg sehnten sich die Menschen nach Sicherheit, Geborgenheit und Glück - fast wie heute. Vielleicht liegt es daran, dass Neofunktionalismus und Modernismus ein Comeback feiern.

Stuttgart/Mailand - Es war das erste Jahrzehnt nach dem Krieg und der Zerstörung. In den 50er-Jahren sehnten sich die Menschen nach Sicherheit, Glück und Zufriedenheit. Ein Gefühl, das heute viele nachvollziehen können. Die Möbel von damals und Neuinterpretation des 50er-Jahre-Designs sind daher wieder sehr gefragt. Denn die bauchigen, runden Formen vermitteln ein Gefühl von Heimeligkeit und Geborgenheit.

Im Möbelhandel sieht man vor allem zierliche Polstersessel auf Metall- oder Holzbeinchen sowie Nieren- oder Dreieckstische in verschiedenen Größen und Höhen. Die Leuchten haben geschwungene Schirme wie bei Axo Light oder bewegliche Leuchtenarme mit Lampenschirmen in Tütenform wie von Foscarini. Die Formen erwecken etwas Vertrautes, Bekanntes, irgendwie Bodenständiges - auch bei Verbrauchern, die die 50er selbst nicht erlebt haben.

Dazu passen die aktuellen Einrichtungsfarben: Curry, Dunkelrot, Orange oder Petrol waren in den 50ern schon beliebt. Häufig werden sie in geometrischen Mustern verwendet, wie in der Kollektion "Osmose" von Camengo.

"Diese nostalgische, vertraute Seite ist sehr stark Teil des Heute. Der Konsument schaut zurück in seinem Versuch, sich wohlzufühlen", erläutert Richard Lampert, Verleger und Produzent von Designmöbeln aus Stuttgart. "Avantgarde ist out. Der Klassiklook im Neuen ist gefragt."

"Die Welt ist etwas durcheinander"

Der Mailänder Designer Rodolfo Dordoni nennt den Grund für die Suche nach Heimeligem: "Die Welt ist etwas durcheinander in diesem Moment. Noch immer ist die Krise nicht überwunden." Auch er bedient sich den Elementen der 50er-Jahre: Sein zierlicher Stuhl "Flavin" für die Minotti-Kollektion hat schräg gestellte Holzbeine, sanft gerundete Formen, und der Bezug ist schlicht.

In den 50er-Jahren dominierten vor allem zwei Stilrichtungen: Zum einen der von Dieter Rams perfektionierte, in der Bauhaus-Tradition stehende Neofunktionalismus, der vor allem Elektrogeräte als Einrichtungsgegenstände inszenierte und Systemmöbel populär machte. Zum anderen war ein organischer Modernismus beliebt, der auf den Traditionen des minimalistischen skandinavischen Designs beruht. Als dessen bekannteste Vertreter gelten der Finne Alvar Aalto, der Däne Arne Jacobsen sowie die Amerikaner Ray und Charles Eames.

Es gibt Möbel, die seit ihrer Premiere ununterbrochen in Produktion sind. Beispiele sind Arne Jabobsens Stuhl "Ameise" oder die Modelle seiner "7er Serie" sowie der "CH24 Wishbone Stuhl" von Hans J. Wegner und der "Lounge Chair" des Ehepaars Eames. Der Sessel ist auch ein Beispiel dafür, wie viele Klassiker nach und nach etwas der Zeit angepasst wurden: Der Hersteller Vitra schaffte eine Version des "Lounge Chair", in der auch große Menschen bequem sitzen.

Außerdem entstand in Zusammenarbeit mit dem Eames Office und der niederländischen Designerin Hella Jongerius eine helle, leichtere Neuinterpretation: Die weißen Lederpolster sind in lasierte Furnierschalen aus hellem Nussbaum eingebettet, der Aluminiumfuß ist poliert. So passt der ursprünglich schwarze und braune Klassiker in helle Einrichtungen.

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