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28.09.2012
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Wolfgang Joop
"Geld macht dich nur zum Freak"

Von Kerstin Walker

Wolfgang Joop: Das ewige Wunderkind
Fotos
Wunderkind / Christoph Mack

Auf der Pariser Fashion Week zeigt Wolfgang Joop an diesem Wochenende seine zweite neue Kollektion für Wunderkind. Im Interview mit mmo-Autorin Kerstin Walker spricht der Modeschöpfer von seiner Aversion gegen maßlosen Konsum, glatte Architektur und die kommerzielle Pseudo-Avantgarde.

Potsdam - Auf dem Heiligen See in Potsdam kräuseln sich kleine Wellen. Die Terrassentüren der weißen Joop-Villa sind weit geöffnet. Wolfgang Joop ist noch am Morgen mit dem Fahrrad auf den Markt geradelt, um Schokoladentarte zum Tee zu kaufen.

mm: Herr Joop, noch vor gut einem Jahr schien Wunderkind am Ende. Jetzt stellen Sie Ihre zweite, neue Kollektion vor?

Joop: Wunderkind war ja nie tot, das habe ich immer klar gesagt. Es musste nur eine Zeit lang einen Schritt zurückgehen, um sich wieder auf seinen Ursprung zu besinnen.

mm: Sie trennten sich von ehemaligen Geschäftspartnern und erweckten dann ihre Modemarke mit mehreren Millionen Euro aus der eigenen Tasche wieder zum Leben.

Joop: Dieser Akt des Unternehmers, sich seine Marke zurückzuholen, ist für mich eine zentrale, wichtige Botschaft. Es war ein wahnsinnig emotionaler Kraftakt. Aber manchmal ist es doch so: man riskiert etwas, schaut sich anschließend um - und sieht, es ist absolut nichts passiert.

mm: Wie man's nimmt. Schließlich entwerfen und produzieren Sie heute unabhängig, und nicht mehr unter dem Einfluss von Partnern oder Teilhabern. Ein gutes Gefühl?

Joop: Es ist fantastisch. Ich glaube einfach, ich habe Talent und bin mit Wunderkind am Pulsschlag unserer sich verändernden Welt. Ich beobachte dieses Bild einer sich überschlagenden Gesellschaft, die doch eigentlich bloß konsumiert, in sich rein frisst und verdaut. Wir sind süchtig nach Konsum. Als Folge davon werden wir zugeschmissen mit Produkten, die alle irgendwie austauschbar sind. Ich weigere mich, dieses Konsumverhalten, das uns einsaugt wie eine Sucht, zu bedienen. Wer sexsüchtig ist, hat Sex ja auch nicht begriffen. Mit Wunderkind will ich diesem Wahnsinn etwas entgegensetzen.

mm: Verraten Sie uns auch was?

Joop: Wenn ich entwerfe, verschwimmen die Begriffe von Kunst und von Mode. Das ist gewollt. Ich will die Leute berühren. Wunderkind ist eine tragbare Idee von Individualität. Für jeden von uns wird es doch immer unmöglicher, seine Einzigartigkeit auszudrücken. Wir stehen alle unter diesem Zwang, individuell wirken zu müssen. Das bedingt eine Form von Konformismus.

mm: ... der in dem Phänomen sichtbar wird, dass alle irgendwie ähnlich gestylt aussehen. Selbst Frauen und Männer, die vom finanziellen Hintergrund offensichtlich die Möglichkeit hätten, sich durch einen ganz eigen-willigen Stil abzugrenzen?

Joop: Ja, genau. Ich glaube aber man will, ja, man muss über diese Gleichförmigkeit zeigen, eine Art Verabredung getroffen zu haben. Gesellschaftlich ist das enorm wichtig. Zu wichtig, meiner Meinung nach. Mir fehlt dabei ein Gegenentwurf, ein Bruch. Wenn ich mir zum Beispiel Hamburg als Stadt ansehe, geht mir das genauso.

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