Montag, 23. Oktober 2017

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Taschen für Männer Angler, Goldgräber, Büromenschen

Stilvoll bepackt: Taschen für Männer
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Brooks England

Wohin nur mit allem? Frauen stecken Stifte, Geldbörse, Handy und Schlüssel einfach in die Handtasche. Männer müssen sich aber ganz schön umschauen, wenn sie ein Transportgefäß finden wollen, das weder nach Student noch nach Schickimicki aussieht. mmo-Autor Alexander Grau hat das getan.

München - Der Mann von Welt hat ein Problem: er ist keine Dame. Wäre er eine, so hätte er die Lizenz zum Tragen einer Handtasche. Hat er aber nicht. Und so blähen sich dicke Brieftaschen unter Jacketts, Portemonnaies tragen unvorteilhaft am Gesäß auf, Stifte hinterlassen unschöne Farbflecken an Hemden und Innentaschen und Schlüssel sind immer gerade in der falschen Jacketttasche - wenn sie nicht gleich im Innenfutter verschwunden sind.

Das alles ist ziemlich lästig. Dass man seit vielleicht fünfzehn Jahren auch noch sein Telefon mit herumschleppen muss, das früher brav auf dem Schreibtisch stand, macht die Sache nicht einfacher. Immerhin, zumindest Zigarettenpäcken haben nur noch die Wenigsten dabei.

Doch egal ob Smartphone oder Zigarettenpackung, Tablet-Computer oder Filofax, E-Book oder dickleibiger Foliant - untergebracht werden müssen diese schönen Dinge nun einmal auf dem Weg wohin auch immer. Nun ist das Problem nicht neu. Die Inhalte mögen sich geändert haben, nicht aber die Verlegenheit, irgendwelchen Krimskrams mit sich zu führen.

Und so kann man die Geschichte des Mannes auch als eine Geschichte der Tasche lesen: angefangen von Beuteln jeder Art, über Rucksäcke und andere Tragekonstruktionen, bis hin zur Schultertasche oder dem feschen Handgelenktäschchen von Onkel Ernst. Wirklich befriedigend waren die wenigsten Lösungen, was nicht verhindert hat, dass sich der eine oder andere Unsinn als erstaunlich resistent erweist.

Das größte denkbare Übel in der Beutelgeschichte

Das größte denkbare Übel in der Kulturgeschichte des Beutels ist dabei nicht einmal die berüchtigte Handgelenktasche, sondern - der Rucksack. Dabei spricht zunächst gar nichts dagegen, Lasten auf dem Rücken und den Schultern zu transportieren. Das ist sogar ausgesprochen praktisch - für Soldaten, Bergsteiger, Expeditionsteilnehmer und Nomaden.

Für den zivilisierten Großstadtbürger, der sich auf den Weg in die Universität, das Büro oder an den Badesee befindet, ist diese archaische Form des Transportes, insbesondere wenn sie in buntem Polyamid daher kommt, nicht nur ein Zeugnis der Abwesenheit jeder ästhetischer Kultur, sondern vor allem Ausdruck brachialer Rücksichtslosigkeit - wie jeder weiß, der in einer Supermarktschlange oder der U-Bahn schon einmal ein solches Ungetüm aufgrund einer plötzlichen Eingebung seines Trägers ("Schau mal, dort hinten ...!") in die Seite gerammt bekommen hat. Dass davon abgesehen der klassische Mormonen-Look (Rucksack zum Anzug) ohnehin ein absolutes No-go ist, bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Doch welche Tasche trägt nun der von Akten, Unterlagen und Notebooks geplagte Büromensch, wenn er die Hände frei haben will oder muss? Auch wenn Orthopäden fluchen werden: an einer Schultertasche führt aus ästhetischen Gründen kein Weg vorbei. Und dass diese Tasche nicht aus Kunststoff gefertigt sein sollte, versteht sich ohnehin. Zudem muss sie Regenschauern standhalten, damit die gehüteten Papiere sich nicht beim nächsten Gewitter in einen Brei aus Cellulose verwandeln.

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