Mittwoch, 15. August 2018

Schmuckauktionen Eine Kamelienblüte für 1,5 Millionen Euro

Schmuckauktionen: Geschmeide unterm Hammer
Fotos
Denis Hayoun / Diode

Diamanten sind nicht nur "a girl's best friends". Seltene Steine und hochkarätige Juwelen locken auch Sammler und Investoren. François Curiel, Juwelen-Direktor bei Christie's, sagt, worauf es bei Schmuckauktionen ankommt - und welche Stücke sich auch ohne Prominentenbonus gut verkaufen.

Hamburg - "Mehr ist mehr" könnte das Motto von Lily Safra lauten. Sie sammelte wohlhabende Ehemänner (vier), Villen und Wohnungen (unter anderem in Monaco und Genf, London und New York), sowie hochkarätige Juwelen. Doch die gebürtige Brasilianerin, die in ihrer letzten Ehe mit dem 1999 verstorbenen Milliardär und Bankier Edmond Safra verheiratet war, ist auch eine großzügige Frau, die wohltätige Organisationen mit Millionen-Beträgen unterstützt.

Auch der Erlös der am 14. Mai in Genf stattfindenden Auktion, bei der Christie's 70 Schmuckstücke aus ihrem Besitz versteigert, soll karitativen Zwecken dienen und rund 20 unterschiedlichen Institutionen zufließen. Die Elton John Aids Foundation, die New York University, das Ballet de l'Opera National de Paris oder das Agahozo-Shalom Youth Village in Ruanda dürfen sich auf hübsche Summen freuen, denn die geschätzten 20 Millionen US-Dollar, die Christie's als Resultat erwartet, werden vermutlich übertroffen.

Wie schnell das gehen kann, zeigte die spektakuläre Auktion, die das Haus im vergangenen Dezember in New York veranstaltete: Versteigert wurden 270 Schmuckstücke aus dem Besitz von Elizabeth Taylor, und anstelle der geschätzten 30 Millionen Dollar wurden rund 137 Millionen dafür bezahlt.

Schon nach zwei Stunden hatten die Taylor-Juwelen jene 50 Millionen Dollar übertroffen, die 1987 für den Schmuck der Herzogin von Windsor eingenommen wurden, und die seitdem als Rekord für die Schmucksammlung einer Einzelperson galten. "Natürlich spielt die Herkunft der Schmuckstücke eine wichtige Rolle", sagt François Curiel, Christie's weltweiter Juwelen-Direktor und Präsident von Christie's in Asien, "doch ein einzigartiges Schmuckstück wie beispielsweise ein Tutti-Frutti-Armband von Cartier wird sich auch ohne Prominenten-Bonus gut verkaufen".

Schmuck-Auktionshäuser auf Rekordkurs

Lily Safra ist keine Hollywood-Diva und auch keine Windsor. Bei aller Großzügigkeit hat sie nicht das Zeug zur Legende und erfreut sich zudem bester Gesundheit. Dafür bietet ihre Schmucksammlung seltene Highlights, unter anderem 18 Stücke des Pariser Kult-Juweliers JAR (Joel Arthur Rosenthal), die mehrheitlich eigens für sie gearbeitet wurden.

Auf bis 1,5 Millionen Dollar wird allein eine Brosche aus Rubinen und Diamanten in Kamelienblütenform geschätzt, die 2003 für Safra kreiert wurde. "Nur" 250.000 bis 500.000 Dollar werden für ein paar 22 Jahre alte, tulpenförmige und mit Saphiren, Rubinen und Diamanten besetzte Ohrclips erwartet.

"Schmuckstücke bekannter Juweliere wie Cartier, Boucheron, Van Cleef & Arpels, Bulgari, Harry Winston, Tiffany, Graff und David Webb behalten oder steigern in der Regel ihren Wert", erklärt François Curiel, "doch JAR ist noch einmal etwas anderes. Jedes seiner Stücke ist einzigartig, und weil er nicht für jeden arbeitet, sind Auktionen die vielleicht einzige Möglichkeit für JAR-Fans, etwas aus der berühmtesten Schmuckmanufaktur unserer Zeit zu erwerben."

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten scheint das Interesse an Schmuckstücken und die Kauflust jener, die sie sich leisten können, ungebrochen. 2010 war ein Rekordjahr für Christie's und Sotheby's, die zusammen fast 90 Prozent der hochwertigen Schmuck-Auktionen bestreiten. Bei Christie's wurde der vorherige Rekord von 395 Millionen Dollar im Jahr 2007 locker mit 429 Millionen getoppt, Sotheby's meldete mit 405 Millionen ebenfalls den bislang höchsten Erlös.

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