Montag, 23. Oktober 2017

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Bargeld stilvoll unterbringen Neues von der Börse

Bargeld stilvoll unterbringen: Neues von der Börse
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Selbst wenn man zig Kreditkarten hat - manchmal muss man Bargeld in die Hand nehmen. Deshalb braucht der Mann von Welt ein Portemonnaie. Ein gutes. Denn die gruseligen Modelle aus Nylon oder Billigstleder können stilvolle Auftritte grausam zerstören. Eine kleine Stilkunde.

München - Männer haben in Sachen Mode ja einiges gelernt in den letzten Jahrzehnten. Zumindest der eine oder andere. Etwa dass weiße Tennissocken ausschließlich auf den Tennisplatz gehören. Oder dass man mit einer sportlichen Schlüsselkette an der Gürtelschlaufe selbst im Maßanzug noch aussieht wie der Hausmeister. Oder auch dass die Handytasche am Gürtel nicht unbedingt weltmännisches Flair verströmt.

Und so stehen sie dann in der Schlange im Supermarkt, die schicken Jungs aus der Sparkassenfiliale: Anzug aus Metzingen, an den Füßen die Schuhe mit dem roten Balken an der Sohle, Krawatte, Hemd und Anzug Ton in Ton, Gel im Haar. Keine Frage: Im Grunde geht das gar nicht. Der Look sah schon vor zehn Jahren bei Jörg Pilawa beknackt aus.

Aber immerhin: Der Anzug sitzt halbwegs korrekt, die Ärmel sind nicht zu lang, und die gruselige Krawatte ist zumindest vernünftig gebunden. Doch dann kommt der zukünftige König des Investmentbankings an die Kasse, die Kassiererin nennt den zu zahlenden Betrag, der junge Herr greift mit einer Mischung aus Beflissenheit und Coolness in die Innentasche seines Jacketts, und heraus kommt - ein quietschrotes Etwas aus Nylon, das den stolzen Besitzer als Anhänger eines traditionsreichen Kölner Fußballvereins ausweist.

Aus, vorbei. Die mühsam aufrecht erhaltene Fassade des zivilisierten Jungmannes bricht in einer Zehntelsekunde in sich zusammen. Anzug, Krawatte, Manschettenknöpfe: es nützt alles nichts. Sollte der gegelte Haarschopf einen Rest an seriöser Ausstrahlung belassen haben, so ist jetzt auch diese dahin. Man könnte an diesem Punkt einwenden, dass man seinem Vordermann beim Zahlen eben nicht über die Schulter schaut. Geht ja schließlich keinem was an, was er bezahlt und wie viel.

Das Portemonnaie erlaubt einen tiefen Blick in die Seele

Stimmt ja auch. Doch manchmal lässt sich ein Blick auf die Geldbörse seiner Mitmenschen nicht vermeiden, nicht im Supermarkt und schon gar nicht im Restaurant oder in einer Bar, mit Kollegen, mit Freunden oder gar in weiblicher Begleitung. Letztere würde beim Anblick des knallroten Kleinods wahrscheinlich umgehend die Flucht ergreifen. Und das aus gutem Grund. Immerhin spiegelt die Geldbörse den Charakter ihres Trägers, seine Persönlichkeit.

Das liegt zum einen daran, dass der Umgang mit dem schnöden Mammon eine Menge über einen Menschen aussagt. Zum anderen birgt das Portemonnaie meist intimste Dinge: Visitenkarten, Mitgliedsausweise, alte Rechnungen, kleine Erinnerungen, Fotos, alte Theater- oder Kinokarten, vergessene Notizen - anhand des Inhaltes eines Portemonnaies kann man ganze Biographien erstellen. Und es lässt tief blicken, wie man diese Zeugnisse des eigenen Lebens verwahrt.

Das bunte Nylon signalisiert vulgären Pragmatismus in Reinform. Pragmatismus in der Wirtschaft und in der Politik ist eine gesunde Lebenshaltung. In Kleidungsfragen jedoch ist er ein Zeichen von Geistlosigkeit und das Gegenteil von Kultur. Wer ein Portemonnaie aus Nylon trägt, dem ist fast alles zuzutrauen, was hässlich, einfältig und durchschnittlich ist.

Mindestens genauso gruselig sind übrigens die Zwitterwesen, die in den Auslagetischen der Kaufhäuser zu finden sind: Portemonnaies aus billigem Leder, innen mit einem Nylonnetzchen oder einem Fensterfach aus Polyester versehen, damit man die Fotos von Oma, der werten Gattin oder der lieben Kleinen selbst bei der Suche nach Kleingeld am Parkscheinautomat nicht aus dem Auge verliert.

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