Montag, 19. Februar 2018

Brillenmanufakturen Neue Durchblicke

Brillen: Neue Modelle aus deutschen Manufakturen
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In Berlin hat sich eine kleine Szene von Brillenmanufakturen etabliert, die solides Handwerk und modernes Design mit Hollywood-Glamour verbinden. Firmen wie ic! berlin, Mykita und Whiteout & Glare produzieren vor Ort, sind stolz auf technische Innovationen und finden Kunden von New York bis Tokio.

Berlin - Wie so viele Berliner Erfolgsgeschichten begann auch diese außerhalb von Berlin. In diesem Fall in Oldenburg. Von dort brachen Mitte der 1990er Jahre vier Freunde auf, den Berliner Markt für Designerbrillen zu reanimieren und neu zu erfinden, und zwar mit ausgestanzten Blechrahmen, schraubenlosen Scharnieren und später mit neuartigen Azetatrahmen.

Harald Gottschling und Philipp Haffmans hatten eine schraubenlose Brille aus dünnem Blech entworfen, Daniel Haffmanns und Moritz Krueger unterstützten die beiden auf der unternehmerischen Seite. Für eine Kundenpräsentation band man einen weiteren Freund aus Oldenburg mit ein: Ralph Anderl. Er sollte mit seinem markanten Glatzkopf den Brillenmodellen ein Gesicht geben.

Was danach geschah, das ist bis heute ein ungeklärtes Reizthema. Fakt ist, dass es mittlerweile drei hippe Brillenmarken rund um den Prenzlauer Berg mit internationaler Ausstrahlung gibt: ic! berlin, Mykita und Whiteout & Glare. ic! Berlin startete 1999, Mykita 2003 und Whiteout & Glare 2006. Und alle drei agieren mittlerweile auf internationalem Parkett.

Chorgesang bei ic! Berlin

So stellt man sich das neue Berlin vor, das rund um den Globus immer noch und zunehmend eine ungeahnte Magnetwirkung auf die Hipster dieser Welt ausübt: Eine Handvoll junger, flippiger Menschen aus aller Welt zwischen 20 und 40, mehrere Loftetagen in einer alten Backfabrik in der Saarbrücker Strasse am Prenzlauer Berg, viel Kunst und Design an den Wänden, viel kreatives Spielzeug wie Boxhandschuhe zur Förderung der Kreativität und des Betriebsfriedens. Und am Montag singt man sich bei ic! berlin in der Chorgruppe frei für die Woche.

Kreatives Kraftzentrum dieser 70-köpfigen Truppe ist der Kulturpädagoge und selbsternannte "Blechenbrillenverkäufer (ohne Schrauben)" Ralph Anderl. Er war seinerzeit der fünfte Beatle in dem Team, das heute Mykita führt. 1999 kam er unter dem Namen "ic! berlin" mit seiner eigenen Blechbrillenkollektion auf den Markt. Der Markenname wird "I see" ausgesprochen und soll das Erstaunen abbilden, das viele Optiker angesichts der schraubenlosen Montage äußerten.

Seitdem haben die Designer von ic! Berlin rund 700 Modelle entworfen, von denen sich noch zirka 600 im Verkauf befinden. 120 neue Modelle kommen jährlich hinzu. 170.000 Brillen werden jährlich weltweit verkauft, der Hauptanteil davon in den USA, Deutschland, Taiwan, Frankreich oder Thailand. Madonna soll vier Modelle besitzen, König Mohammed von Marokko sogar derer 42. Die beliebtesten Modelle sind derzeit arne, black body, faris, greg, hamilton principle und power law.

Eigentlich ist ic! berlin eine Kulturfirma. Die zahlreichen Nebenaktivitäten wie die Herausgabe eines Reiseführers, einer Lieder-CD von Ralph Anderl oder eines Hörbuchs mit Corinna Harfouch sind laut Anderl kein Marketing-Gag, sondern entsprächen seinem Grundbedürfnis nach Kultur.

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