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23.01.2012
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Paris zeigt Haute Couture
Laufsteg in den Irrsinn

Von Maren Hoffmann

Haute Couture: Der Mann, das äußerst rätselhafte Wesen
Fotos
Getty Images

In der Herrenmode tun sich beunruhigende Dinge. Bei den derzeit laufenden Haute-Couture-Schauen in Paris zeigt sich: Der Mann von heute will der Mann von übermorgen sein - und entweder zeigen, was er nicht hat, oder nicht zeigen, was er hat. Der Mann, er ist ein rätselhaftes Wesen.

Hamburg - Die gute Nachricht aus Paris lautet: Um Ringe unter den Augen oder vergessene Bartstoppeln in der Doppelkinnfalte muss sich der Mann von Welt künftig keine Sorgen mehr machen. Er kauft sich eine schicke Kopfbedeckung von Thom Browne Menswear - und der Traumbody ergibt sich dann von selbst, weil die Dinger zwar eine Atemöffnung an der Nase, aber keinen Mundschlitz für die Nahrungsaufnahme haben.

Dafür jede Menge Stacheln. Klarer Vorteil: Wenn man sich in so einem Teil danebenbenimmt, kann einen auch das schärfste YouTube-Video nicht kompromittieren. Der Mann, er ist eben doch ein harter Kerl. Und seinen weichen Kern zeigt er nur im dezent angebrachten Hundemuster auf der zum Kopfschmuck passenden Jacke. Alternativ kann man in der kommenden Saison auch Rugby-Panzer unter schriller Strickmode tragen. Man kann sich die Backstage-Dialoge vorstellen: "Wetten, ich zeige dieses Jahr ein Strickkleid mit blauweißen Blockstreifen und unförmigen Schwellkörpern drunter?" "Das traust du dich nicht." "Doch." Wahlweise gibt es auch schwarzweiße Anzüge mit Entchen drauf.

Junge, das ist schon okay - lass es raus

Gut, das ist Paris. Okay, das ist Mode. Ja, Haute Couture ist nix fürs Büro. Aber es steckt doch etwas dahinter, oder? Wenn ein Modemacher einen armen Kerl in so eine Montur steckt und ihn dann da raus schickt, dann ist das eine Botschaft. Eine Botschaft an uns alle: So ist er, der Mann. So soll er sein. Das ist die neue Idee vom Mann-Sein.

Und nach dem, was da am Sonntag in Paris zum Auftakt der Haute-Couture-Schauen zu sehen war, kann man nur sagen: Vielleicht möchte man gar nicht so genau wissen, wie er tickt, dieser neue Mann, den die Modeelite hier visualisiert. Vielleicht möchte man ihm nur eine Tasse Kräutertee bringen, ihn in den Arm nehmen und sagen: "Junge. Das ist schon okay. Lass es raus. Und dann geh wieder an die Arbeit."

Natürlich gibt es, wie immer, auch Röcke für Männer, die sich in diesem Jahrtausend wohl genauso wenig durchsetzen werden wie im vergangenen. Zum Glück, muss man sagen. Die Provokation in diesem Bereich ist zur routinierten Geste erstarrt. Innovativer da schon ein Entwurf von Qasimi, ein kariertes, in weiten Teilen transparentes Ensemble. Immerhin eine Botschaft. Oder auch Agnes B.: Blauer Strickpullover, Fledermauscape mit enger Kapuze, schnell noch einen Zylinder drauf, fertig ist das Outfit für einen Abend, den so schnell leider niemand vergessen wird. Oder man schlüpft in die goldglitzernden Reiterhosen mit passendem Sakko.

Ansonsten werden die Hosen kürzer, die Sakkos bleiben schmal, aber Schmerbäuche und Hängebäckchen bleiben, tut uns leid, Jungs, leider immer noch out. Eine echte Plauze - das wäre an Provokation selbst für die abgebrühtesten Fashion Victims in Paris zuviel.

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