Sonntag, 26. April 2015

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Upcycling Aus Alt mach Hip

Upcycling: Must-Haves aus Müll
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Sie bauen Lampenschirme aus CD-Splittern, machen Fahrradschläuche zu schicken Gürteln, und aus abgerissenen Plakatschichten von der Litfasssäule entstehen bunte Leuchten: Das Leipziger Designer-Duo YeaYea hat sich dem Upcycling verschrieben. Damit steht es in der Gestalterszene nicht allein.

Leipzig - Gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut gemacht. Das gilt auch für viele Recycling-Produkte, die nur das schlechte Gewissen besonders sensibler Konsumenten beruhigen, statt ansprechende Ästhetik und hohe Produktqualität zu bieten. Von Hipness ganz zu schweigen.

Nun wird eine Strömung in der deutschen Design-Szene immer breiter, die das ändern will und einen Schritt weiter geht als die klassischen Wiederverwerter: Upcycling. Lustvoll werden Alltagsmaterialien und Müll, den die meisten Menschen achtlos entsorgen würden, einer neuen Nutzung zugeführt. So entstehen stylische Designgegenstände, hippe Mode und sogar Kunst.

Auch die Leipziger Designer Franz Gabel und Johannes Heinzmann setzen mit ihrem "YeaYea Büro für Gestaltung" konsequent auf Upcycling. "Wir sehen uns als Teil eines Zeitgeistes, der bestehende Produktions- und Konsumverhältnisse hinterfragt", so das Duo, "Wir überdenken und modernisieren veraltete Systeme." So entstehen sinnliche Objekte wie die Pendelleuchte "Data", die aus CD-Splittern besteht, oder Gürtelunikate namens "Profil" aus abgefahrenen Fahrradreifen.

Aus Plakatschichten von der Litfaßsäule bauen die Designer farbenfrohe Lampen und Leuchten. Bei der Lampe "Make it & take it" wird der kreative Ball sogar wieder an den Käufer zurückgespielt: mit einem wasserlöslichen Stift können die Besitzer die Flächen der Lampe immer wieder neu beschreiben und bemalen. Beliebt sind auch die Linienlampe aus Silikon, ein Sessel aus Wellengitter mit Wickelpolster und "Delight", die Leuchte im Sack.

"Wir modernisieren veraltete Systeme"

Heinzmann und Gabel haben beide 2007 ihr Industriedesign-Studium an der Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle abschlossen und gründeten ihr Büro noch im selben Jahr. Sofort war beiden klar, dass sie ihre Karriere als Selbständige beginnen wollten: "Die Entscheidung, direkt nach dem Studium ein eigenes Büro zu gründen, ist uns sehr leicht gefallen. Wir waren beide optimistisch genug, uns mit Zuversicht in das Abenteuer Selbständigkeit zu stürzen", erzählen die beiden Upcycling-Spezialisten, "Den Masterplan gab es dabei nicht, vielmehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und eine große Neugier auf das, was wir daraus machen können."

Leipzig als Standort empfanden beide als optimal: "Das schöne an Leipzig ist das Gefühl, dass hier ist noch viel möglich ist", so Gabel, "dazu gehört auch Raum für kreative Arbeit, zu erschwinglichen Konditionen." Und Heinzmann ergänzt: "Leipzig bietet ein lebendiges, vielfältiges, kulturelles Angebot und eine interessante kreative Szene. Mit der Designers' Open ist hier auch eine schöne Designmesse beheimatet, die das Thema Design sehr gut präsentiert und kommuniziert."

Die beiden Designer betrachten die Umwelt als Mitgestalter ihrer Produkte. Bekanntes wird in neue Zusammenhänge gestellt. Die Designer nutzen die Ästhetik gebrauchter Materialien und fragen sich: Wie viele Leben hat ein Produkt? Ihre Inspirationen und Ideen finden sie angesichts "verlebter" Materialien, die eine Geschichte erzählen oder ihre eigentliche Bestimmung überlebt haben.

"Wir entdecken die ästhetische Qualität dieser Materialien, lösen sie aus ihrem ursprünglichen Kontext und transformieren sie in hochwertige Designobjekte." Und die sind mittlerweile in verschiedenen Design-Shops landesweit zu finden: ein Laden in Leipzig, drei in Berlin und zehn weitere Läden landesweit haben Yeayea's Designprodukte schon im Sortiment. Auch in Österreich, im MAK - Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, und in den Niederlanden sind die Upcycling-Gegenstände zu haben.

Derzeit entwickeln die beiden ein Beratungsangebot für Unternehmen, die "Design Thinking" in ihrem Team kultivieren möchten oder an YeaYeas Meinung und Gestaltungskompetenz bei ihrer Produktentwicklung interessiert sind. Außerdem planen YeaYea einen Design-Workshop, in dem sie ihre Methoden, Prozesse und den Spaß an Gestaltung spielerisch vermitteln wollen. Und Spaß wird offensichtlich groß geschrieben bei Yeayea. Auf die Frage, ob die beiden das Design der Apple-Produkte auch so bewundern, antworten sie nur lakonisch. "Auf religiöse Fragen geben wir keine Antwort."

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