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19.01.2012
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Stefan Thiels Papierkunst
Guter Schnitt

Mit Skalpellen fertigt der Künstler Stefan Thiel seine Papierkunstwerke. Frauen in Netzstrümpfen sowie Handtaschen und Architektur stellt Thiel als hauchfeine Gebilde von verblüffender Ästhetik dar. Seine Arbeiten, die eine fast vergessene Kunstform neu beleben, sind jetzt in Neubrandenburg zu sehen. 

Neubrandenburg - Seine Kunstwerke hängen vor allem in den USA, Australien und der Schweiz, seine neuesten Kreationen zeigt er aber jetzt in Norddeutschland. Dem Papierkünstler Stefan Thiel widmet die Kunstsammlung Neubrandenburg bis zum 18. März die Sonderausstellung "Papierschnitte". Zu sehen sind rund 30 Papierkunstarbeiten und Fotografien des 46-Jährigen Berliners, der sich dieser fast vergessenen Kunstrichtung seit zehn Jahren widmet und sie noch lange nicht für ausgeschöpft hält.

Vor allem geometrische Formen, Landschaften am Wasser, aber inzwischen auch Handtaschen und Frauenformen - besonders in löchrigen Netzstrümpfen - begeistern Thiel. "Ich suche mir die Motive in Filmen im Stil des 'Film noir' oder in Modezeitschriften", erzählt er. Er spaziert mit dem Fotoapparat durch Städte oder geht auch einfach nur am Berliner Kurfürstendamm entlang, wo er wohnt, und wo Handtaschen unterschiedlichster Spielarten in den Schaufenstern zu sehen sind.

Die Fotografien wandelt Thiel in Dias um, die er auf Papier projiziert. Dann kommt das Skalpell zum Einsatz. "Alles andere wäre zu stumpf", sagt der Künstler. Zwischen zwei Stunden und zwei Monaten arbeitet er an seinen Werken, je nach Feinheit, Motiv und Größe. Zu den größten Formaten, die in Neubrandenburg zu sehen sind, gehören das Berliner Springer-Hochhaus unweit des Checkpoint Charlie und ein vollkommen tätowierter Mann auf einem Liegestuhl - "Logan McCree auf dem Bird Chair".

Thiel gibt der eher altmodischen und biedermeierlich wirkenden Technik des Scherenschnitts mit dem Skalpell einen ganz neuen Look. Dabei hat das Spiel mit dem Kontrast von Papier und Hintergrund schon viele Künstler fasziniert. "Schon der Romantiker Philipp Otto Runge, ein Zeitgenosse Caspar David Friedrichs, und der Franzose Henri Matisse widmeten sich dieser Technik, setzten damit ihren künstlerischen Ansatz um", erklärt die Kunsthistorikerin der Sammlung, Elke Pretzel.

Winfried Wagner, dpa

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