Donnerstag, 21. September 2017

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Gut aussehen Lässig, lässiger, Cordsakko

Cord: Der Stoff, aus dem die Lässigkeit ist
Fotos
Willy Bogner

Cord, das ist doch etwas für Lateinlehrer, die auch Salamander-Schuhe tragen. Oder für kauzige Mathematiker. Cord geht gar nicht. Oder etwa doch? Gute Nachrichten für lässige Männer: Wer ein klassisches Cordsakko sein eigen nennt, kann modisch einiges reißen. Nur allzu neu darf es nicht aussehen.

Berlin - Der mediale Prototyp des intellektuellen Cordträgers ist Woody Allen. Das ist, modisch gesehen, kein allzu gutes Zeichen: Wer möchte schon aussehen wie Woody Allen? Nein, Cord ist alles andere als sexy. Könnte man meinen.

Andererseits hat es seine Gründe, dass Cord zwar nie modisch, aber auch nie unmodern war. Cord ist im besten Sinne zeitlos. Nur in den 1980ern war Cord zeitweise richtig out. Aber das waren eben auch die 80er, und die möchte, zumindest was die Mode angeht, nun wirklich niemand zurück.

Ähnlich wie der ungleich ältere Tweed ist Cord dem Wandel der Mode enthoben. Und das ist bei Herrenbekleidung schon einmal ein ganz gutes Zeichen. Zudem lässt sich Cord selbst für den nicht ganz geschmackssicheren Zeitgenossen relativ einfach und unkompliziert kombinieren: zu Jeans und Chinos, zu Chucks ebenso wie zum klassischen Derby, mit Krawatte oder Rollkragen.

Nur bei Mänteln oder Überjacken gibt sich Cord etwas störrisch. Selbst unter einem Crombie Coat aus schwerer Wolle sieht ein Cordsakko etwas unpassend aus. Bleibt eigentlich nur der Griff zur Wachs- oder Huskyjacke. Weshalb haben die Dinger schließlich einen Cordkragen? Allerdings hat Cord auch seine Schattenseiten, was jedem einleuchtet, der sich noch an Edmund Stoiber im Cordanzug erinnern kann. Gruselig. Wenn man nicht gerade aussieht wie George Clooney, sollte man unbedingt die Finger von Cordanzügen lassen - und selbst wenn man so aussieht, sollte man sich die Sache doch lieber noch einmal überlegen.

Die Briten machen vor, wie schick Cord sein kann

Knifflig ist auch die Cordhose. Sie wissen schon: Die Sache mit dem Lateinlehrer. Vielleicht sollte man - Mode sollte niemals kompliziert sein - eine einfache Regel aufstellen: Wenn schon Cordhose, dann niemals beige oder braun. Und da Cord glücklicherweise eine englische Erfindung ist und die englische Herrenmode sehr viel farbenfroher, bunter und lustiger ist als die kontinentale, die deutsche zumal, gibt es eine ganze Reihe englischer Hersteller, die herrliche Cordhosen in altrosa, rot, giftgrün, lila und gelb herstellen. Zu einem Blazer sieht das großartig aus, vorausgesetzt, das gute Stück ist nicht aus zu feinem Tuch.

Apropos Gewebe. Die zweite Cordregel lautet: Wenn Cord, dann niemals Breitcord. Sie wissen schon: der Lateinlehrer. Unter Breitcord versteht man Cord mit weniger als 26 Rippen auf 10 Zentimeter Stoff. Feincord hat über 40 Rippen. Dazwischen liegt der - richtig - Mittelcord, auch Genuacord genannt oder einfach Manchester. "Manchester" war übrigens über lange Zeit der Ausdruck für Cord schlechthin, denn Cord wurde im 18. Jahrhundert in Manchester erfunden. Wer heute von Manchestercord spricht, meint damit meist die robuste Ware, aus der die Zunftkleidung der Zimmerleute gearbeitet ist.

Eine rote Cordhose ist also ein durchaus respektables Kleidungsstück, sofern sie etwa von Glengarnock oder Cordings stammt. Zur Not geht auch Hacketts. Der hat sich auf seine kontinentale Kundschaft eingestellt und montiert sogar Gürtelschlaufen an seine Hosen, anstelle der bei Traditionsfirmen üblichen Side Adjusters.

Seine eigentliche Bestimmung findet Cord jedoch im Cordsakko. So wie es heute die meisten großen Modelabels in ihrem Programm haben, ist es jüngeren Datums. Natürlich gab es seit der Erfindung des Cords Cordjacken in allen Arten und Schnitten, insbesondere als Arbeitskleidung für Arbeiter, Handwerker und Tierhirten. Doch klassisch geschnittene Sportjacketts aus diesem Material sind eine Erfindung des 20. Jahrhunderts.

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