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23.09.2011
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Energiespar-Villa
Vernunft trifft Schönheit

Energiespar-Villa: So schön kann sparen sein
Fotos
Zooey Braun / Häuser

Die Villa in Stuttgart ist eine Collage aus vertikalen und horizontalen Linien, vorspringenden Flächen, Fensterbändern, Brüstungen und Vordächern. Hinter der modernen Fassade verbirgt sich ein äußerst sparsames Doppelhaus mit Luftwärmepumpe, Solarkollektoren und kräftigen Ziegelmauern.

Stuttgart - Die Technik ist zweitrangig. Wer dieses Niedrigenergiehaus im Stuttgarter Osten erkundet und studiert, braucht sich nicht mit komplizierten Belüftungssystemen, Verschattungstechniken und der gleichen auseinanderzusetzen. Sicher, geringe Verbrauchswerte kommen nicht von ungefähr. Die Heizung spielt eine Rolle. Und erst recht die Dämmung. Aber auch die kommt ohne supersmarte Materialkombinationen aus.

Das Geheimnis liegt anderswo. "Nachhaltigkeit", sagt der Architekt Alexander Brenner, "ist für mich in erster Linie ein konstruktives Thema." Dabei geht es ihm nie ausschließlich um energetische Fragen. Vernunft ist das eine, Schönheit das andere.

Alexander Brenner hat immer beides im Blick. Das 2009 errichtete Dreigenerationenhaus steht in der Mitte eines rund 1000 Quadratmeter großen, sanft ansteigenden Grundstücks; von der separaten, direkt an der Straße gelegenen Garage sieht man nicht viel mehr als das mit sägerauem Holz verschalte Tor, der Bauteil selbst verbirgt sich größtenteils unter einer Rasenfläche. Daneben befindet sich ein breites Gartentor, von dem aus ein asphaltierter Weg zum Haus hinaufführt.

Dessen Südteil wird von der vierköpfigen Bauherrenfamilie bewohnt, im kleineren, nördlichen Trakt lebt die Mutter der Bauherrin. Beide Eingangstüren sind, nahezu unsichtbar, in ein mit Holzlatten verkleidetes Wandsegment integriert. Auch sonst deutet nichts auf den Doppelhaus-Charakter hin. Das Volumen präsentiert sich als Collage aus vertikalen und horizontalen Linien, vorspringenden Flächen, Fensterbändern, Brüstungen, Vordächern.

Sparen als ästhetisches Konstruktionsprinzip

Insgesamt erinnert das weiß verputzte Gebäude an eine prächtige, klassisch moderne Villa. "Solch ein Fassaden-Bild", sagt Alexander Brenner, "darf nicht platt sein, es bedarf einer gewissen Tiefe, damit es uns immer wieder aufs Neue berührt." Die nachhaltige skulpturale Wirkung kann durchaus mal Selbstzweck sein, meistens steckt bei Brenner jedoch noch ein funktionaler Gedanke hinter dieser oder jener Entwurfsidee.

Das abgewinkelte Vordach über dem Balkon der Nordwohnung etwa fügt sich nicht nur harmonisch in das Gesamtbild ein, der senkrechte Teil schirmt den Freisitz zudem effektiv von der Nachbarwohnung ab. Überhaupt die Auskragungen: Indem sie die Innenräume im Sommer vor direkter Sonneneinstrahlung schützen, erübrigen sich Jalousien und Markisen, ganz zu schweigen von technisch aufwendigen - und Strom fressenden - Beschattungssystemen.

Das Raumprogramm ist bei beiden Wohnungen ähnlich: Im Obergeschoss liegen Schlafzimmer und Bäder, im Erdgeschoss sind Küche, Essplatz und Sitzecke jeweils in einem offenen Kontinuum untergebracht. Die Wohnetage geht nach Westen auf einen von Mauern eingefassten Familiengarten mit Pool, Spielflächen, Loggia und Kamin. Große Fenster und Glasschiebetüren sorgen für eine lichte Atmosphäre in den Wohnräumen.

Aber da ist noch etwas anderes. Ein angenehmes Gefühl der Geborgenheit. Alexander Brenner lacht. "Das machen die dicken Mauern", sagt er. "Sie dämmen nicht nur hervorragend, sondern befördern auch ein gesundes Raumklima." Tatsächlich bestehen die Außenwände aus 50 Zentimeter starkem Ziegelmauerwerk. Für aufgeklebte Dämmstoffe hat der Architekt nichts übrig. "Ein Haus ist doch keine Plastiktüte", sagt er.

Gegen die Übertechnisierung

Vehement wendet er sich gegen die gegenwärtige Tendenz zur "Übertechnisierung" im Bauwesen: "Viele der heute propagierten Maßnahmen und Mittelchen braucht man nur, weil die Häuser zu schnell hochgezogen werden. Wir lassen eine Betondecke vier bis fünf Monate austrocknen und können daher ausschließlich mit natürlichen Mineralputzen arbeiten und auf technische Systeme etwa zur Raumklimatisierung verzichten."

Moderne Technik wird nur dort eingesetzt, wo sie Nutzen bringt - bei der Heizung zum Beispiel. Der Heizenergiebedarf des Stuttgarter Hauses wird über eine Luftwärmepumpe gedeckt, das Brauchwasser über Hochleistungs-Solarkollektoren erwärmt. Hinzu kommt eine Gas-Brennwerttherme, die bei niedrigen Außentemperaturen zugeschaltet wird. Es ginge auch ohne, aber um welchen Preis? "Bei minus 20 Grad ist ein Luft-Wärme-Tauscher praktisch nichts anderes als eine Elektroheizung", sagt Brenner. Mit dem Dreigenerationenhaus ist es ihm einmal mehr gelungen, Vernunft und Schönheit in Einklang zu bringen. Der Primärenergiebedarfswert von 28 kWh/m2 pro Jahr spricht für sich. Aber nicht nur das Energiekonzept kann sich sehen lassen, sondern eben auch das Haus.

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