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26.09.2011
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Stil für Business-Frauen
"Die Frau soll attraktiv auftreten"

Von Ursula Schwarzer

Stilkunde für Business-Frauen: Entdecke die Möglichkeiten
Fotos
corbis

Männer in Führungsetagen brauchen morgens vorm Kleiderschrank nicht lange zu überlegen: Hemd, Schlips, Anzug, fertig. Frauen dagegen haben deutlich mehr Möglichkeiten. Stilberaterin Katharina Starlay erklärt im Interview, welche das sind und wie man weiblich und seriös zugleich auftreten kann.

mm: Frau Starlay, die Kleiderordnung für den Mann im Management ist seit 150 Jahren nahezu unverändert: Anzug, helles Hemd und Schlips - da kann nicht viel schief gehen. Was aber trägt die Frau, die oben angekommen ist?

Starlay: Frauen sollten sich der etwas eintönigen Formalität der Männer nicht zu sehr anpassen. Leider aber tun sie das in der Praxis: Fast alle tragen schwarze Anzüge. Dabei sollten Frauen gerade jetzt, wo sie noch vereinzelt in den Top-Etagen vertreten sind, ihren Exotenstatus nutzen und eine modisch-weibliche, gleichzeitig seriöse Erscheinung wagen.

mm: Also im roten Kleid zum Vorstandsmeeting?

Starlay: So extrem würde ich es nicht formulieren. Ich rate, für die großflächigen Teile im Neutralfarbenbereich - weiß, grau, marine, braun oder schwarz - zu bleiben und dabei Hell-Dunkel-Kontraste zu kombinieren, dazu wenig und gezielt Akzentfarben. Die Frau soll attraktiv auftreten, ruhig auch mal im Kostüm, das die Figur zur Geltung bringt, aber nicht bunt. Wichtig sind ein typgerechter Stil, gute Materialien und ein passgenauer Schnitt. Und da hapert es oftmals.

mm: Wie kommt es, dass Managerinnen schlecht geschnittene Kleidung tragen? Gerade sie könnten sich doch Designergarderobe leisten.

Starlay: Da ist viel Unwissenheit und Unsicherheit. Zudem auch Desinteresse. Viele Frauen kümmern sich nur um ihre Karriere und vernachlässigen darüber ihr Äußeres. Manche können sich nicht einmal mit einem Rock richtig hinsetzten, geschweige denn in ein Auto einsteigen. Sie nehmen sich einfach nicht genügend Zeit für die Details des stilvollen Auftritts.

mm: Kann es sein, dass sich manche Businesslady bewusst nicht herausputzt, damit sie als gleichberechtigte Geschäftspartnerin wahrgenommen wird und nicht in erster Linie als attraktive Frau?

Starlay: Ich kann sehr wohl verstehen, dass Frauen keine Angriffsfläche bieten wollen, dass sie sich auch ein bisschen verstecken in ihrer Kleidung. Das ist dann so eine Art Down-Dressing, das verhindern soll, dass man anzügliche Blicke und Bemerkungen erntet. Aber es lässt sich mit Sicherheit ein Stil finden, der zwar auf ein tiefes Dekolleté und einen knappen Rock verzichtet und trotzdem Eleganz ausstrahlt.

mm: Ein schmaler Grat.

Starlay: Man muss sich einfach damit auseinandersetzen, was geht, und was nicht. Ich rate zum Beispiel von zu hohen und spitzen Absätzen ab, sofern sie nicht zur Abendgarderobe gehören, weil sie die Souveränität kosten können. Wer ständig an seine Balance denken muss, hat kein gutes Standing in geschäftlichen Verhandlungen. Und auch Schuhe, die vorne offen sind, gehören nicht ins Büro.

mm: Was schadet es, wenn man die Zehenspitzen sieht?

Starlay: Solche Schuhe, man nennt sie auch Peeptoes, setzen die falschen Signale. Gleiches gilt für dünne und transparente Stoffe.

mm: Was ist mit freien Schultern im Hochsommer?

Starlay: Wir sind nicht in der Kirche! Wer gepflegte Arme hat, kann im Daily Business durchaus mal die Jacke ausziehen. Anders in Vorstandssitzungen oder wichtigen Präsentationen. Wenn die Haut schon müde geworden ist, behält man den Blazer ohnehin besser an. Weshalb sollte eine Frau mit Reizen spielen, die keine mehr sind?

mm: Ist denn die Strickjacke erlaubt?

Starlay: Strickwaren, auch wenn sie elegant sind, haben nie die gleiche professionelle Ausstrahlung wie eine Jacke oder ein Blazer. Ich sage immer: Je Blazer, desto Chef. Eine Frau in Strick wird rein optisch nie als Chef wahrgenommen werden. Viele Frauen, die nach oben wollen, begehen den Fehler, dass sie sich durch ihre Kleidung zu Sekretärinnen machen, also den Dresscode zu entspannt definieren.

mm: Viel Kreativität für einen individuellen Kleidungsstil lassen Sie den Frauen im Geschäftsleben nicht.

Starlay: Die Frau muss den Spielraum, der ihr bleibt, nur zu nutzen wissen. Die Stellschrauben sind: Mehr Farbigkeit - mehr Kleidungsstücke - mehr Kombinationsmöglichkeiten - mehr Schnitte und mehr mögliche Accessoires, alles bitte typgerecht. Lassen Sie mich ein Beispiel aus meinem eigenen Erleben erzählen: Ich hatte einen Termin auf der Topetage einer großen Bank, zog ein dunkelblaues Maßkostüm an und dazu geschlossene Schuhe, obwohl ich viel lieber meine schicken Stiefel getragen hätte, weil sie zu diesem Ensemble modischer gewesen wären. Ich war korrekt gekleidet und fühlte mich trotzdem nicht gut. Irgendwie uninspiriert.

mm: Sie hatten unterschätzt, wie wichtig die Kleidung für Ihr eigenes Selbstwertgefühl ist?

Starlay: Ich hatte meine Freude am Schönaussehen nicht genug bedient. Eine Frau - und eigentlich auch ein Mann - darf dieses Gefühl nicht unterdrücken. Die Kleidung wirkt sich nicht nur auf die Wahrnehmung der anderen aus, sondern auch auf das Selbstbewusstsein, und damit ist sie ein ganz wesentlicher Faktor für den persönlichen und geschäftlichen Erfolg.

mm: Im Knigge steht, dass der Gentleman der Dame die Tür aufhält, ihr den Mantel abnimmt und ihr den Stuhl zurechtrückt, wenn sie vom Nasepudern zurückkommt. Sind das Verhaltensweisen, die eine Frau auch von ihren männlichen Geschäftspartnern erwartet?

Starlay: Für den Umgang mit der Spezies 'unabhängige Frau' gilt der alte Grundsatz, den schon Aldoph Freiherr Knigge propagierte: Menschen sollen sich miteinander wohlfühlen. Daher habe ich keine Schwierigkeit damit, wenn sich ein Mann im Alltagsleben höflich verhält und mir in den Mantel hilft. Das ist eine Geste, die mich nicht klein macht. Im Gegenteil, ich finde es angenehm, wenn ich mich beim Mantelanziehen nicht verrenken muss.

mm: Ab wann vermittelt ein besonders zuvorkommender Mann das Gefühl, dass er die Frau nicht ernst nimmt?

Starlay: Jede Frau hat den Wunsch, ab und zu ein bisschen verwöhnt zu werden. Aber keine will sich alles aus der Hand nehmen lassen....

mm: ... das heißt für den Mann?

Starlay: Wer seine Geschäftspartnerin oder Kollegin als eigenständige handelnde Persönlichkeit respektiert, braucht darüber eigentlich nicht nachzudenken. Natürlich ist eine Frau selber in der Lage, den Fahrstuhlknopf zu drücken oder eine Beifahrertür zu öffnen. Und sie darf sich auch erlauben, dem Geschäftspartner zu sagen, dass sie das Restaurant ausgewählt hat und sie damit die Einladende ist. Da sollte sich kein Mann aus falsch verstandener Konvention mit einer Frau streiten.

mm: Darf ich als Frau auch einem Mann in den Mantel helfen?

Starlay: Warum nicht? Das Problem ist nur, dass es den Mann sehr wahrscheinlich irritiert. Und wenn ich ihn in Verlegenheit bringe, dann sollte ich es besser lassen.

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Zur Person

Katharina Starlay ist seit 2002 Unternehmensberaterin für Corporate Image und Designerin von Firmenkleidung. Sie hält Vorträge und gibt Seminare über Stil und Benehmen. Frauen im Management sind ihr ein besonderes Anliegen. Ihr Motto: Mode ist vergänglich - Stil niemals (Coco Chanel).
Die studierte Modedesignerin arbeitete neun Jahre in Führungsaufgaben großer Einzelhandelsunternehmen (Peek & Cloppenburg, Otto-Versand, Globus, Douglas). Zwei Jahre lang war sie als Personalvermittlerin tätig.

Mehr zum Thema in

manager magazin
Heft 10/2011

Dresscode
Wie kommt es eigentlich, dass alle Business-Männer wie uniform wirken? Lesen Sie mehr dazu im aktuellen manager magazin 10/2011, ab Seite 134.










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