Sonntag, 23. Juli 2017

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Möbel aus Turngeräten Die Rache der Sofakartoffeln

Edel-Recycling: Möbel aus alten Turngeräten
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Geräteturnen ist nicht jedermanns Sache, gemütlich sitzen schon. Ein Möbeldesigner aus Karlsruhe macht aus altem Turnhalleninventar originelle Wohnzimmermöbel. Das Pauschenpferd wird tiefergelegt, der Barren wird zur Bar, und aus dem Kasten wird eine Kommode mit Turnhallen-Patina.

Hamburg - Was war der Kasten hoch, früher, im Sportunterricht, wenn man hinten in der Schlange stand und wusste: Gleich muss ich da rüber. "Ich bin nie Freund geworden mit diesen Geräten", gibt der 46jährige Andreas Gröbel zu. Jedenfalls nicht in der Schulzeit. Heute hat er, wie er sagt, mit ihnen seinen Frieden gemacht. Und mehr als das - sie bringen ihm sogar Geld.

Denn Gröbel baut mit einem Sattler, einem Schreiner und einem Schlosser zusammen altes Turnhalleninventar zu Möbeln im gehobenen Preissegment um. "Es geht nicht mehr ums Darüberspringen, sondern ums entspannte Sitzen", erklärt er. So wird aus dem Kasten eine Kommode, aus dem Barren eine Bar, aus der Turnmatte ein Sitzwürfel.

Vor zwei Jahren hat der gelernte Dekorateur und Schlosser, der zuletzt als Eventmanager gearbeitet hat, mit einem Freund und Investor die Möbelfirma "Zur schönen Linde" gegründet. Der romantische Name war ein Überbleibsel aus einem anderen Projekt: Gröbel hatte einen Gastbetrieb übernehmen wollen, aber der Plan zerschlug sich, und übrig blieb vom Wirtshaus nur der Name. In der "Schönen Linde", die außer ihrem Internetauftritt zwei Showrooms in Karlsruhe und in Köln hat (Besuche sind dort nur nach telefonischer Anmeldung möglich) stehen jetzt Objekte, die eine oft radikale Umwidmung erfahren haben.

Dem Pferd werden die Beine abgesägt

Und das sind nicht nur Turngeräte. Begonnen hat Gröbels Edel-Recycling mit verzinkten Stahlkörben, die er in großer Zahl von einem Industrieverwerter aufkaufte. Die robusten Körbe waren Überbleibsel eines geänderten Produktionsprozesses. Man hätte einfach das Metall recyceln können, aber Gröbel entschloss sich, den Körben ein zweites, besseres Leben zu geben. Er macht aus aus ihnen schicke Schubkästen-Regale, deren robust industrieller Charme gut in Loftwohnungen und Kreativen-Ateliers passt. Auch Lampen fertigt er aus den Stahlquadern. Die gestanzten Löcher geben interessante Lichteffekte, nach vorne wird der Korb durch eine farbig durchscheinende Kunststoffplatte verschlossen.

Auch die Turnobjekte sieht Gröbel als "Kontrastmöbel" für den eher ausgefallenen Geschmack. Er kauft bundesweit ausrangiertes Gerät, im Kreis Karlsruhe sitzt er als zuständiger Entsorger für das Schulamt sogar direkt an der Quelle. Für die alten Kästen und Matten entwickelt er immer neue Ideen. Den Pauschenpferd werden kurzerhand die Beine abgesägt - so wird die sportliche Herausforderung zum einladend niedrigen Sitzmöbel. Aus einem kleinen Turnkasten wird die Turnkiste, ein freundliches, rollbares Möbel mit Aufbewahrungsfunktion. Und die typischen blauen Turnmatten werden in neuen Formen vernäht - Lederecken, Innenleben, Bezüge, alles wird dabei komplett recycelt. Patina ist erwünscht, der Wiedererkennungswert bleibt so trotz neuer Konturen erhalten.

In Bremen stattet Gröbel derzeit eine Bar mit Turnmöbeln aus, auch ein Schuhgeschäft interessiert sich für das Sport-Ambiente. Und ganz kann Gröbel sich noch nicht vom Eventmanagen verabschieden. Derzeit arbeitet er an einem 15 mal acht Meter großen "temporären Turnraum", in dem Veranstalter Speisen und Getränke anbieten können.

Eine Zielgruppe allerdings kann er für seine originellen Recycling-Objekte wohl ausschließen: Turner, Trainer und Sportlehrer. Leute, die von Berufs wegen täglich mit Turngeräten zu tun hätten, sagt Gröbel, verstünden oft gar nicht, warum man so etwas auch noch zu Hause im Wohnbereich haben wolle.

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