Freitag, 14. Dezember 2018

Architekturexperimente in der Lübecker Bucht Fernostseeblicke

Timmendorfer Strand: Buddhas an der Promenade
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2. Teil: Weiß, Rot, Schwarz

Das strenge Farbkonzept, das sogar Hunkes Kleidung seit vielen Jahren prägt, ist im Haus stringent durchgehalten: Weiß, Rot, Schwarz. Die Treppen sind gläsern, der Boden aus weißem Marmor und schwarzem Granit, die meisten Durchgänge offen. Auf großzügigen Sofas finden sich jede Menge Kissen mit schwarz-weißen Zebrastreifen.

"Die Grundidee ist es, das Prinzip der balinesischen Innenhöfe aufzugreifen", erläutert Hunke, "man kann alles öffnen. Es gibt keine Türen im Haus." Oder doch nur sehr wenige - etwa im Untergeschoss, wo das Heimkino und verschiedene Fitnessräume untergebracht sind. Auch Schalter gibt es nicht. Licht und Wasserspiele werden zentral computergesteuert und per Fernbedienung aktiviert.

Freie Wandflächen, von denen es der offenen Architektur halber nur wenige gibt, sind mit Spiegeln verkleidet, die der Hausherr als pflegeleichte Verkleidung preist. Wer sich durch das ungewöhnliche Hausensemble bewegt, begegnet vor allem immer wieder sich selbst, manchmal überraschend - das kann irritierend sein. Und nie ist ein Buddha fern, der jede Bewegung im Haus mit demonstrativ kontemplativer Ruhe kontrastiert. "Ein Haus bedeutet Freiheit und Unabhängigkeit", erläutert Jürgen Hunke sein Wohnkonzept, "mein wichtigstes Ziel im Leben ist es, unabhängig zu sein. Das muss sich in allen Dingen und im Denken widerspiegeln."

Im kommenden Sommer werden die Spaziergänger auf der Strandpromenade über ein weiteres asiatisch inspiriertes Gebäude staunen können. Die alte Seebrücke im Ortsteil Timmendorf wird erneuert, und Hunke spendet der Gemeinde auf dem 2,3 Millionen Euro schweren Bauprojekt einen Teepavillon, der Mitte 2012 fertiggestellt sein soll - weiß, nach allen Seiten verglast, mit einem weißen Pagodendach. "Wie eine Schaumkrone auf dem Meer", schwärmt Architekt Andreas Schuberth.

Allerdings formierte sich gegen diese Schaumkrone zunächst einiger Widerstand. An dem gläsernen Bau und dessen Nutzungskonzept wurde fehlende Transparenz bemängelt, Hunkes Einfluss auf die Gemeinde als zu groß kritisiert. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand dagegen sein konnte - das war in erster Linie ein Kommunikationsproblem", behauptet Hunke, "die Leute haben sich da so eine Art kitschiges China-Restaurant vorgestellt. Dabei war es von Anfang an als offener Bau in Weiß geplant, wie es in Asien so in dieser Form gar nicht üblich ist. Es ging darum, die Harmonie der Ostsee mit diesem Haus zu vereinen und den Leuten eine Möglichkeit zu geben, den Ort auch von der Seeseite zu erleben."

Ein Bürgerentscheid brachte schließlich das Votum für das Projekt, von dem die Befürworter sich touristisch einiges versprechen - und wenn man sieht, wie die Promenadenläufer sich in dem asiatischen Garten der reetdachgedeckten Mikado-Galerie tummeln, könnten sie recht behalten.

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