Sonntag, 23. Juli 2017

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Designmesse Miami/Basel "Wer nicht schnell kauft, geht leer aus"

Sammlerstücke: Designermesse als Möbelmarkt
Fotos
D&A Lab, Brüssel

Parallel zur Art Basel lockt die Messe Design Miami/Basel derzeit Kunstsammler in die Schweiz. Im Gespräch mit dem manager magazin sagt die neue Messechefin Marianne Goebl, warum dort täglich ein Haus für Flüchtlinge auf- und abgebaut wird - und es sich lohnt, in Design zu investieren.

mm: Seit vier Monaten sind Sie nun die neue Direktorin des Messe Design Miami - nun gibt es mit der Eröffnung der Design Miami/Basel den ersten Höhepunkt in Ihrer neuen Funktion. Wie lautet Ihr Auftrag?

Goebl: Diese Messe ist recht jung, es ist die zwölfte Messe insgesamt, die sechste Messe in Basel. Im Vergleich dazu - die Art Basel findet zum 42. Mal statt. Die Frage, die mich beschäftigt, lautet: Wie muss Design für Sammler positioniert werden? Wir als Design Miami sind eine Schwestermesse der Art Basel. Deswegen ist es gerade wichtig zu sagen: Hier geht es nicht um Kunst, sondern um das funktionale Design, das viele verschiedene Ausformungen haben kann.

mm: Was umfasst Ihr Designbegriff?

Goebl: Es ist eine eigenständige Disziplin, die uns umgibt und die unsere Welt in Form bringt. Design reicht sowohl von der Einzelstücken, die in Handarbeit hergestellt werden bis hin zu Objekten, die Maschinen in Massen produzieren. Design Miami repräsentiert all die Gegenstände, die zu der Sammlerwelt gehören. Daher haben wir hier einen edukativen Auftrag, weil diese Ausrichtung noch nicht bei einem breiteren Publikum angekommen ist.

mm: Welche Bedeutung hat diese Messe für den Markt?

Goebl: Es gibt hier unglaubliche kommunikative Kraft, denn hier kommen wirklich alle zusammen: Vom Sammler, den Galeristen über die Journalisten, die Designer, die Kritiker und die Kuratoren aus den Museen sowie Menschen, die sich einfach nur für Design begeistern. Es ist natürlich auch ein Datum, auf das alle hinarbeiten: Sowohl im zeitgenössischen Bereich, wo Ausstellungen nur extra zu diesem Event fertig gestellt werden als auch im historischen Bereich, bei dem es darum geht, die Geschichte zu erzählen, die man im Laufe der Jahre zusammen getragen hat. Die Messe ist also immer ein Höhepunkt - und zugleich ein Multiplikator wie auch ein Markplatz. Der willige Käufer muss der erste sein, sonst sind die Stücke weg. Es herrscht eine Konkurrenzsituation - sowohl für die Aussteller als auch für die Sammler.

mm: Wo liegt im Vergleich zu einer Möbelmesse wie der imm cologne oder der Salone Internazionale del Mobile bei der Design Miami/ Basel der Fokus?

Goebl: Die beiden genannten Messen sind "Trade Shows", an denen die Möbelindustrie ihre Neuheiten zeigt. Bei der Design Miami hingegen richten sich Galerien an private und institutionelle Sammler. Hier geht es darum, ein Programm zu präsentieren und damit zu überlegen, wo welcher Teil des Programms am besten gezeigt werden kann.

mm: Und welche Formen bieten sich an?

Goebl: Ein Beispiel: Die Pariser Galerie Patrick Sequin hat letztes Jahr in Miami eine Installation von Jean Royére gezeigt. Die gesamte Präsentation glich einem Period Room, also einem spezieller Ausstellungsraum, in dem verschiedene Werke in einem Ambiente präsentiert werden. Der Raum war mit Tapete ausdekoriert. Es gab ein Bett, Sofas, Wandapliquen. Es war ein Blick in die Vergangenheit - perfekt gemacht.Jetzt stellt Patrick Sequin ein Architekturprojekt vor, das er in Miami vielleicht nicht gezeigt hätte. Es ist ein Haus von Jean Prouvé, das dieser im Jahr 1944 für Kriegsflüchtlinge in der Lorraine entworfen hat. Das Haus wird täglich vor den Besuchern auf- und wieder abgebaut, um die Intelligenz und Schönheit des Projekts zu demonstrieren.

mm: Wer stellt aus?

Goebl: Die Aussteller sind alle Galeristen. Nur die "Designer of the Future", in diesem Jahr Asif Khan Mischer'Traxler und Studio Juju, sind während der ganzen Zeit vor Ort. Aber zur Eröffnung kommen auch die Designer, deren Objekte ausgestellt werden - oder aber die Erben von bereits verstorbenen Gestaltern. Ich sah Frau Panton flanieren…

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