Freitag, 14. Dezember 2018

Lichtdesign Die Arbeit mit dem schönen Schein

Lichtdesign: Die Kniffe der Könner
Licht 01

Beim eleganten Ausleuchten der eigenen vier Wände sind nicht nur viele Hauseigentümer überfordert. Auch Architekten fehlt oft das Know-how für den richtigen Umgang mit Kunstlicht. Diesen Job übernehmen Lichtdesigner. Sie komponieren für jede Tageszeit und Lebenslage die richtige Beleuchtung.

Hamburg - "Hier kann man doch nicht Omas alte Lampen aufhängen." Sichtbeton, Glas - Susanne Krögers* Architektenhaus ist zwar ultra-modern, aber gemütlich wollte sie es dennoch haben. "Wo brauchen wir welches Licht, damit es wohnlich wird?", war die Frage, die sich Kröger und ihr Mann beim Bau ihres Eigenheims vor zwei Jahren stellten.

Die Architekten der Villa im vornehmen Hamburger Stadtteil Blankenese konnten den Bauherren damals nicht recht weiterhelfen. "Beim Bau waren sie toll, aber bei der Beleuchtung sind sie schnell an ihre Grenzen gestoßen." Dennoch wollten die Unternehmerin und ihr Mann schon vor dem Baustart entscheiden, wo sie welche Leuchten platzieren. Auf die Empfehlung einer Freundin hin engagierte Kröger deshalb einen Lichtdesigner. Die Planer der Firma Licht 01 entwarfen ein Konzept, dem nur zwei Dinge zugrunde lagen: der Bauplan und der Wunsch der Bauherren, spannungsvolles Licht zu schaffen, das trotzdem wohnlich sein soll.

Das spröde Ergebnis: Eine Zeichnung mit jeder Menge Kreuzen, Kreisen und Sternchen, daneben computergenerierte Bilder von Leuchten und Sätze wie "Strahler in einem Wandschlitz in der Brüstung versteckt beleuchten die Sichtbeton-Wandflächen oder gegebenenfalls Bilder auf den Wänden."

Die Bauherren waren verwirrt. "Auf dem Papier war nur schwer vorstellbar, wie es einmal aussehen soll." Erst ein Computerprogramm, das Räume und Leuchten auf Grundlage der Zeichnung dreidimensional darstellte, sorgte für mehr Klarheit. "Wir hatten zwar eine ungefähre Vorstellung, wie das Haus samt Beleuchtung aussehen soll. Allein hätten wir das aber nicht umsetzen können", sagt Kröger. "Für uns hat es sich auf jeden Fall gelohnt, mit einem Lichtdesigner zu arbeiten."

Lichtplanung ist Luxus

Die Experten rücken private und gewerbliche Häuser und Wohnungen in das vom Kunden gewünschte Licht. Sie zeigen ihnen, welche Leuchtmittel sie wo einsetzen, um bestimmte Stimmungen zu erzeugen und planen die zugehörigen Schaltkreise. Für das Design der Leuchten sind sie aber nicht zuständig - anders als viele Kunden annehmen. Denn wie die Lichtquelle aussieht, ist zweitrangig: "Die Lichtwirkung sollte im Vordergrund stehen, nicht das Design der Leuchte", sagt Katja Winkelmann, Mitinhaberin von Licht 01. Auf Wunsch würden sie zwar Modelle vorschlagen, grundsätzlich arbeiten Lichtplaner aber unabhängig von Herstellern.

"In den USA sind bei vielen Bauprojekten Lichtplaner mit im Spiel", sagt Winkelmann. In Deutschland werde diese Dienstleistung dagegen noch vergleichsweise selten nachgefragt, die Branche habe sich erst in den vergangenen 10 bis 15 Jahren entwickelt. Noch immer gilt es als Luxus, Lichtplaner zu Rate zu ziehen, zumal ihre Arbeit nicht günstig ist: Das Beleuchtungskonzept eines Einfamilienhauses kostet mindestens einen Betrag im unteren vierstelligen Bereich. Für Umsetzung, Lampen und Leuchten zahlt man extra. "Die Kosten sind stark vom Aufwand abhängig und davon, wie lange wir ein Projekt begleiten", so Winkelmann.

Ein weiterer Grund, warum viele Bauherren sich schwertun, Lichtdesigner zu engagieren: Man weiß erst einmal nicht, was man bekommt. Denn die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Damit könnte ihn theoretisch jeder Elektriker führen.

Winkelmann selbst ist studierte Architektin und lernte Lichtdesign in der Praxis. Ihr Onkel hatte sie auf die Idee gebracht, Architektur mit Lichtplanung zu verbinden - in der Hoffnung, sie würde eines Tages den Elektroinstallationsbetrieb ihres Vaters übernehmen. "Das mit dem Betrieb hat nicht geklappt. Das mit dem Licht schon." 2001 gründete Winkelmann Licht 01.

Heute berät sie gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner und sechs Mitarbeitern ihre Kunden bei der Ausleuchtung von gewerblichen Gebäuden, Arbeitsplätzen und Wohnbereichen. Dabei gibt es durchaus einige Tricks, die universal anwendbar sind. "Im Privatbereich ist es besser, nicht nur eine Lichtquelle in der Raummitte zu haben, sondern mehrere Leuchten im Raum verteilt", sagt Winkelmann. "Die verschiedenen Leuchten wirken als Lichtinseln. Je mehr sich davon im Raum befinden, desto besser lässt sich mit Stimmungen spielen."

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