Von Marika Bent
Auch Magdalena Schaffrin gilt als Pionierin. "Dabei haben die eigentlichen Pioniere doch in den 70iger Jahren angefangen. Wir sind die zweite Generation", sagt sie. Bereits 1976 gründete der mittelfränkische Unternehmer Heinz Hess einen Versand für Naturwaren. "Hess Natur" ist heute eines der größten Öko-Bekleidungsunternehmen und hat viel für Verbreitung chemisch unbehandelter Stoffe geleistet. Designer begannen in den neunziger Jahren, diese Stoffe für sich zu entdecken.
Die Textil-Unternehmertochter Britta Steilmann brachte 1993 ihre erste Öko-Kollektion heraus. "Die Steilmann-Kollektion kam zu einer Zeit auf den Markt, als es noch zu früh war für ökologische Mode. Jetzt hingegen sind die Leute reif dafür. Sie wissen, dass wir in ganz vielen Bereichen anders produzieren müssen und es auch können", sagt Magdalena Schaffrin.
Ihr Verständnis von Luxus definiert sich über Wohlbefinden und Achtsamkeit. "Luxus hängt mit Qualität und Zeit zusammen. Gute Qualität ist die Basis von Luxus. Zeit zu haben ist Luxus. Zeit wird benötigt, um nachhaltige Produkte zu entwickeln und diese zu genießen." Ein fast formelhafter Satz, der eben auch für die Prêt-à-Porter-Mode gelten kann. Sie wird auf der "Ethical Fashion Show" gezeigt, die Schaffrin ebenfalls betreut. Rund 30 Hersteller von Streetfashion und Casualwear sind hier vertreten. Sie arbeiten mit zertifizierten Biomaterialien, mit recycelten Stoffen, sind fairem Handel und anerkannten Sozialstandards verpflichtet. Unter ihnen ist auch eine schwäbische Textilfirma, die eher für konservative, bodenständige Bekleidung steht: Trigema.
Die Designerin Mona Ohlendorf ist seit kurzem für die Öko-Linie in der Firma von Wolfgang Grupp verantwortlich. Im Herbst hat sie die erste Kollektion für Trigema "Change" herausgebracht. Noch ist diese nur über den Online-Handel erhältlich, die Kooperation mit dem Einzelhandel soll "so schnell wie möglich" beginnen. Klickt man sich im Internet durch den Katalog, fällt auf, dass die Basics nicht klassisch gestaltet sind: Hier ein überlanger Ausschnitt, dort ein verwaschener Grau oder Rot-Ton. Das könnte einer jüngeren Generation gefallen, die außerdem auf das Stichwort "cradle to cradle" (C2C) anspringt.
Das Produktions-Prinzip von "der Wiege bis zur Wiege", bei der jeder benutzte Stoff in einen unendlichen Kreislauf der Wiederverwertung eintritt, kann Mona Ohlendorf leidenschaftlich und wortreich erzählen. Sie hat Design in Berlin und Amsterdam studiert, Schwerpunkt grüne Mode. Nach dem Studium suchte sie nach Firmen, die mit sauber produzierten Stoffen nach C2C arbeiten. "Da gab es eigentlich nur Trigema", sagt sie. Bereits seit acht Jahren stellt Trigema einen Teil seiner Stoffe in einem C2C-Prozess her: Nichts wird sinnlos weggeworfen, jede Faser, jeder Werkstoff kann unendlich weiter verwendet werden. So entstehen etwa kompostierbare Baumwollstoffe.
Ohlendorf schrieb Firmenchef Wolfgang Grupp an. Sie wollte als Designerin von Öko-Mode für ihn arbeiten. Zweimal trafen sie sich und haben sich "nett unterhalten". Dann zog Mona Ohlendorf von Berlin nach Burladingen um. Ihr Ziel ist es, grüne Mode für jeden Geldbeutel zu produzieren. Die Werbekampagne dafür ist in Arbeit - diesmal ohne den sprechenden Schimpansen aus der Fernsehwerbung, die das Image der Firma nachhaltig prägte.
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