Montag, 27. Juni 2016

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Yachten-Netzwerk für Hilfsgüter Ein Schiff wird kommen

Yacht Aid Global: Hilfslieferungen vom Luxusschiff
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Mark Drewelow hat ein Netzwerk aus Yachten geknüpft, mit dem er Bedürftige in aller Welt versorgt. Die Zeitschrift "boote exclusiv" traf den amerikanischen Kapitän in Fort Lauderdale.

Am Abend zuvor hatte er seinen großen Auftritt. Bei der Verleihung der Awards der International Superyacht Society wurde er - indirekt - gleich doppelt ausgezeichnet. Die Mannschaften der 73 Meter langen "Dragonfly" und des 51 Meter langen Supporters "Umbra" bekamen den Crew-Award für ihre Katastrophen-Hilfe auf der Inselgruppe Vanuatu verliehen. Das Auditorium applaudierte minutenlang. Initiator der Hilfsaktion: Mark Drewelow.

"Die Ehre gebührt den Crews", sagt er bescheiden, als wir uns in einem Hotel in Fort Lauderdale gegenübersitzen. Drewelow spricht leise. Er ist nicht etwa erschöpft, er hat einen eher zurückhaltenden Charakter. Nicht so typisch amerikanisch laut.

Boote Exclusiv

Heft 1/2016

Die Welt der Superyachten

www.boote-exclusiv.com

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Yacht Aid Global heißt die Organisation, die Drewelow gegründet hat und die unter anderem an der prämierten Vanuatu-Hilfsaktion beteiligt war. "Wir sammeln und verteilen Informationen in unserem Netzwerk", sagt er.

Was sich etwas theoretisch anhört, sind praktisch über 100 Eigner, die Drewelow unterstützen. Korrespondiert eine Naturkatastrophe mit ihrem Reiseplan oder liegt eine bedürftige Gemeinde auf ihrer Route, transportieren sie Hilfsgüter auf ihrer Yacht dorthin und liefern sie ab. Es ist eine sehr direkte Art zu helfen.

Frage: Zwei Yachten aus Ihrem Netzwerk haben gestern Abend den Crew-Award der International Superyacht Society bekommen. Macht Sie das stolz? Ist Ihre Organisation damit endgültig etabliert?

Mark Drewelow: Stolz natürlich. Die Crews von "Dragonfly" und "Umbra" haben den Menschen auf Vanuatu unschätzbare Dienste geleistet, nachdem ein Zyklon über das Archipel gefegt war. Ich war Gast auf der Verleihung und habe eine Gänsehaut bekommen, als es Standing Ovations für diese Leistung gab. Da war die gesamte Industrie-Elite versammelt. Endgültig etabliert waren wir, so glaube ich, schon vorher. Ich habe Yacht Aid Global ja bereits 2006 gegründet.

Frage: Wie entsteht solch eine Idee, Yachten und ihre Eigner als Transportmittel für Hilfsgüter anzuwerben?

Mark Drewelow: Jetzt, mit etwas Abstand zur Gründung, kann ich sagen, dass es eine sehr lange Vorbereitungszeit brauchte, quasi meine komplette Karriere. Ich habe praktisch die Essenz zweier Tätigkeiten zusammengeführt.

Frage: Erzählen Sie uns davon.

Mark Drewelow: Ich habe, bis ich wieder einen Job an Land begann, mein Arbeitsleben auf Yachten verbracht. Ich begann als Ingenieur auf einer Yacht und wurde schon als Endzwanziger ihr Kapitän. Der Eigner war ein sehr netter Mensch, der seine 33-Meter-Yacht hier in Florida liegen hatte. Ich wollte allerdings die Welt sehen und nicht nur den Intracoastal Waterway oder die Bahamas und schlug ihm einfach eine zehnjährige Weltreise vor.

Frage: Zehn Jahre?

Mark Drewelow: Exakt. Ich hatte zur Präsentation die Route grob ausgearbeitet, er konnte dann ja immer einfliegen. Die Idee fand mein Boss jedenfalls sensationell.

Frage: Wie lief das ab?

Mark Drewelow: Die Planungsphase war zunächst recht lang, da etliche Parameter berücksichtigt werden mussten. Wann können wir wetterbedingt wo sein, welche Ziele würden wir wann fast für uns haben, was möchte der Boss unbedingt sehen?

Der Eigner nutzte die Yacht dann zu Beginn der Reise für etwa zehn bis zwölf Tage pro Monat. Wir steuerten wirklich verschwiegene und exotische Ziele an und blieben manchmal für drei Monate, aber nie länger. Auf diesen Reisen lernte ich viele, viele Menschen kennen, da ich nicht der Typ war, der in Bars und Discotheken ging. Ich besuchte die Einheimischen, sah ihre Krankenhäuser, Schulen und Kindergärten und begriff diese ganz unterschiedlichen Lebensumstände, die es auf diesem Planeten gibt. In meinem Kopf speicherte ich die Probleme ab, die diese Menschen hatten. Wir besuchten mehr als 60 Länder während unserer Reise.

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