Mittwoch, 23. August 2017

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Segelyacht A in der Kritik Luxusyacht mit illegalem Teakholz ausgebaut?

Probefahrt der "Sailing Yacht A": Futuristischer Mega-Dreimaster auf der Kieler Förde
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DPA

Die in Kiel gebaute Luxusyacht "A" ist die größte der Welt - besonders nachhaltig ist sie offenbar aber nicht. Die Megajacht soll mit illegal geschlagenem Teakholz aus Burma ausgebaut worden sein.

143 Meter lang, 3700 Quadratmeter Segelfläche, teilweise verglaster Rumpf: Die in Kiel gefertigte Luxusjacht "A" soll ihren Eigner Andrej Melnitschenko mindestens 200 Millionen Euro gekostet haben. Die "A" gilt als größte Segeljacht der Welt - die nachhaltigste ist sie wohl nicht. An Bord des von Philippe Starck entworfenen Seglers, der jüngst Testfahrten auf der Ostsee absolvierte, soll illegal geschlagenes Holz aus Burma verbaut worden sein. Das legen Recherchen der Environmental Investigation Agency (EIA) nahe, einer Umweltschutzorganisation aus London.

Um illegale Lieferungen aufzuspüren, hätten sie sich als Holzhändler getarnt, berichtet Peter Cooper von der EIA. Kontaktiert habe man auch die Firma Teak Solutions aus dem spanischen Valencia. Die unterhielt offenbar schon seit Jahrzehnten enge Beziehungen zu dem lange von der Militärregierung in Burma kontrollierten staatlichen Holzhandelsunternehmen MTE. "Teak-Solutions-Inhaber Mike Kimble nannte die Yacht 'A' sogar als Beispiel für ein Projekt, an dem seine Firma gerade arbeite", sagt Cooper.

Der EIA verfügt über Dokumente, die eine Ladung von 1278 Stück Teakholz für rund 174.000 Euro belegen, die offenbar auf der Yacht verbaut wurden. Teak Solutions bezog das Holz demnach aus Burma und lieferte es an die Nobiskrug GmbH, eine Rendsburger Traditionswerft, die inzwischen auf den Bau von Superyachten spezialisiert ist und einer libanesischen Holding gehört.

Sorgfaltspflichten verletzt?

Teak Solutions, so Cooper, habe "die grundlegenden Sorgfaltspflichten mißachtet, die die europäische Holzhandelsverordnung EUTR vorsieht". Dazu gehörten etwa die genaue Identifizierung der Holzquelle, die Untersuchung der Fällgenehmigungen und Bestätigungen dafür, dass Areale nicht zu stark gerodet wurden.

Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE sagt Teak-Solutions-Chef Kimble, seine Importe aus Burma seien legal und erfolgten im Rahmen der EUTR. Beziehe man seine Ware direkt vom staatlichen Holzhandelsunternehmen MTE, dann reichten Unterlagen zur öffentlichen Ausschreibung, eine entsprechende Annahme und die Exportgenehmigung, so Kimble. Es sei der "sicherste" und "ehrenhafteste" Weg, Holz direkt über die MTE zu beziehen. Ein saubereres "Geburtszertifikat" von Holz gebe es nicht.

Johannes Zahnen kann darüber nur schmunzeln. In den vergangenen Jahren hat der Holzexperte des WWF immer wieder Fälle von illegalen Holzlieferungen aus Burma aufgedeckt. Von 2008 bis 2011 gab es sogar ein europäisches Einfuhrverbot. "Wenn das Holz aus Ländern mit hohem illegalem Holzanteil und großem Korruptionsproblem kommt, was auf Burma zutrifft, dann sieht die EUTR ein Bündel von zusätzlichen Herkunftsnachweisen und Kontrollmaßnahmen vor", so Zahnen.

Yachteigner weist Anschuldigungen zurück

Der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) liegt der Fall zur Prüfung vor. Eine BLE-Sprecherin verweist darauf, dass staatliche Dokumente aus Burma nicht ausreichten, um die legale Herkunft des Holzes zu belegen. Erbringe der Importeur keine zusätzlichen Nachweise wie etwa externe Zertifikate, sei dies ein Verstoß gegen die Sorgfaltspflichten der Holzhandelsverordnung.

Während die Nobiskrug-Werft alle Fragen unbeantwortet ließ, äußerte sich ein Sprecher des Yachteigners Melnitschenko. Die Anschuldigungen seien "komplett falsch, unwahr und haltlos". Alle Materialen kämen nur von besten, weltweit anerkannten Spezialisten und genügten allen gesetzlichen Anforderungen. Teak Solutions habe ein striktes "Compliance"-Programm und handele nur mit legalem und ethisch einwandfreiem Teak. Anderslautende Behauptungen seien diffamierend und führten zu heftigen juristischen Konsequenzen.

 

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