Freitag, 14. Dezember 2018

Wood & Canvas-Kanus von Thomas Braun Ein Boot fürs Leben

Ein Boot fürs Leben: Wood & Canvas-Kanus von Thomas Braun
Marc Wittenborn für mm

Nicht nur für Trapper: Die Wood & Canvas-Kanus von Thomas Braun folgen Vorbildern aus Amerika.

An den Buchtitel erinnert er sich noch genau: "In den Wäldern am kalten Fluss". Der Jugendroman, in dem zwei Teenager sich mit einem Kanu durch die Wildnis Nordamerikas schlagen müssen, weckte Anfang der 80er Jahre in Thomas Braun den Wunsch, selbst ein solches Boot zu besitzen.

Heute ist er 45 und baut "die wohl besten Kanus überhaupt", wie ihm Jörg Wagner attestiert, einer der anerkanntesten Experten für diesen Bootstyp. In einer kleinen Werkstatt in Friedberg bei Frankfurt entstehen in mehr als 250-stündiger Handarbeit Kanus nach dem Vorbild jener Boote, mit denen Nordamerika einst besiedelt wurde.

Gefunden in
Splendid
Oktober 2015

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Wood & Canvas nennt sich die Bauweise, die Mitte des 19. Jahrhunderts Birkenrinden- und Einbaum-Kanus ablöste: Holzbalken werden in dünne Bretter geschnitten und über ein Gerippe aus Spanten in Form gebracht. Danach wird der Rumpf in eine Baumwollhülle eingenäht und mit einer Leinölmischung wasserdicht versiegelt.

"Das hält gut und gerne 100 Jahre", sagt Braun und streicht über die grüne Bordwand seiner "Liaison" - eines von zwei Modellen, die er entwickelt hat. Sein Handwerk lernte er bei Jerry Stelmok, dem Besitzer der unter Kennern berühmten Island Falls Canoe Company. Drei Monate lang durfte der Deutsche in Maine unter Anleitung ein eigenes Boot bauen. Als Gegenleistung reparierte er den Holzvorbau von Stelmoks Haus.

Die Maserung ist pingelig aufeinander abgestimmt

Form und Aufbau von Brauns Booten orientieren sich an denen seines Mentors. Bei der Verarbeitung versucht Braun ihn zu übertreffen: Die Maserung der geölten Planken aus Rotzedernholz ist pingelig aufeinander abgestimmt. Das Süllbord - die obere Kante der Bordwand - besteht aus einem durchgängigen Robinienbalken. Die handgeflochtenen Sitzflächen werden von Halterungen aus mehrfach verleimtem Eschenholz getragen, die markanten Befestigungsschrauben (Stückpreis: neun Euro) importiert der Bootsbauer eigens aus den USA.

Jedes Kanu aus Brauns Werkstatt ist auf den künftigen Besitzer individuell zugeschnitten. Die Wahl der Hölzer und der Farbe ist dabei das geringste Thema: Wie viele Personen sollen mitfahren? Wo sollen die Sitze eingebaut werden? Wird ein zusätzliches Querholz zum Knien benötigt? Wie viel Gepäck muss mit an Bord?

Bis zu 250 Kilo trägt die "Liaison", dabei wiegt das Kanu gerade einmal 30 Kilo. Wie zum Beweis greift Braun beherzt an Tragejoch und Süllbord. Ein Ruck, eine Drehung, schon hält er das Kanu über seinem Kopf - fertig für den Aufbruch in die Wildnis. Christian Baulig

Thomas Braun Wood & Canvas Canoes: www.thomas-braun-kanu.de

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