Sonntag, 31. Juli 2016

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Unterwegs auf dem Ngaro Sea Trail in Australien Grüße von den Postkarteninseln

Der Weg der See-Aborigines: Unterwegs auf den australischen Whitsunday Islands
Fotos
TMN; Tourism and Events Queensland

Vor 2000 Jahren lebten die Ngaro auf den Whitsunday Islands in Australien. Ein neuer Wanderweg führt zu den wichtigsten Stätten des längst verschwundenen Volkes. Und zu fantastischen Aussichtspunkten.

Stünden nicht ein Zaun und Schilder vor der Höhle, könnte man die roten Zeichnungen an der Felswand für Graffiti mäßig begabter Jugendlicher halten. Manche sehen aus wie karierte Ballone, andere wie Wellenlinien. Aber sie sind uralte Kulturschätze.

Vor wahrscheinlich 2000 Jahren kauerte ein Aborigine vom Volk der Ngaro in der Höhle, er tauchte seine Finger in das Ockerpulver und zog Striche über den Fels. Was seine langsam verblassende Kunst ausdrückt, kann keiner mehr sagen. Die Ngaro mussten die Whitsunday Islands vor Jahrhunderten verlassen. Ein neuer Weg folgt nun ihren Spuren.

Die Whitsundays sind spätestens seit der viralen Kampagne berühmt, mit der das Tourismusministerium des australischen Bundesstaats Queensland 2009 weltweit nach Bewerbern für den "best job in the world" suchte. Ein Jahr als Ranger auf den 74 Inseln gab es zu gewinnen, 35.000 Menschen bewarben sich. Die Fotos der weißen Strände, grünen Hügel und türkisen Buchten strahlten auf unzähligen Online-Nachrichtenseiten.

Lärmender Partyort, verwunschene Höhlen

Heute sind die Whitsundays ein Pflichtstopp auf jeder Tour entlang der Ostküste. Eine Flotte von Segelbooten schippert die Rucksackreisenden und andere Urlauber für ein paar Tage durch die Inseln. Der Startpunkt Airlie Beach ist längst ein lärmender Partyort mit zweifelhaftem Ruf. Von den ersten Bewohnern des Archipels hat allerdings wohl noch kaum ein Tourist gehört.

Ngaro Sea Trail
Anreise
Mehrere Airlines fliegen aus Deutschland nach Brisbane. Von dort gibt es Inlandsflüge nach Proserpine (Whitsunday Coast Airport), das nahe bei Airlie Beach liegt. Alternativ kann man auch nach Hamilton Island fliegen. Zwischen den Inseln pendeln mehrmals täglich Fähren. Von Shute Harbour, einem Vorort von Airlie Beach, fahren Wassertaxis nach South Molle Island. Passagiere müssen das Taxi vorher bestellen und vereinbaren, wann und wo sie wieder abgeholt werden möchten.
Reisezeit
Die beste Zeit zum Wandern ist der australische Winter, also die Monate April und September. Dann liegen die Temperaturen tagsüber zwischen 21 und 26 Grad. Im Sommer kann es sehr heiß werden, außerdem fegen dann regelmäßig Zyklone über die Inseln. Die Regenzeit dauert von Januar bis April. Zum Kajaken bietet sich vor allem der September an, wenn es selten windig ist.
Unterkunft
In Airlie Beach gibt es alles vom Backpacker-Hostel bis zum Fünf-Sterne-Hotel. Die Ferienwohnungen und Hotels auf den Inseln sind grundsätzlich teurer. Auf vielen Inseln gibt es aber auch Campingplätze. Einige bieten Tische, Toiletten und Wasser, andere nur eine abgeholzte Fläche. Wer zelten will, braucht eine Genehmigung. Diese kann man im Besucherzentrum, in Nationalparkbüros oder online (www.qld.gov.au/camping) beantragen.
Ausrüstung
Kajaks, Zelte, Taucherbrille, Schnorchel und Neoprenanzüge (gegen schmerzhafte und lebensgefährliche Quallenstiche) kann man vor Ort ausleihen, zum Beispiel bei Salty Dog Kayaking (www.saltydog.com.au) oder bei Scamper (www.whitsundaycamping.com.au).
Informationen
Tourism and Events Queensland
c/o Global Spot
Oberbrunnerstraße 4
81475 München
Tel.: 089/759 69 88 69

Whitsunday Visitor Information Centre
Bruce Highway, Proserpine QLD 4800
Tel.: 0061/7 49 45 37 11
E-Mail: info@tourismwhitsundays.com.au

http://nprsr.qld.gov.au/parks/whitsunday-ngaro-sea-trail
Der Ngaro Sea Trail soll das ändern. "Der Weg führt auf die Gipfel der Inseln und zu wichtigen kulturellen und historischen Stätten", sagt Damien Head, der Direktor der Nationalparks in der Great Barrier Reef Region. Er ist kein durchgehender Fernwanderweg, sondern ein Netzwerk aus Kajakrouten und Wanderwegen. Manche Pfade sind nur wenige Hundert Meter lang, andere sind steile Anstiege wie jener auf den 437 Meter hohen Whitsunday Peak, für den Ranger 990 Stufen gebaut haben.

Einer der kürzesten, aber interessantesten Wege beginnt am Nara Inlet, einer tief eingeschnittenen Bucht auf Hook Island. Durch trockenen Busch führt er vom Ufer bergauf bis zu der Höhle mit den Felsmalereien. Am Wegesrand erklären Stelen die Lebensweise und die Geschichte des außergewöhnlichen Aborigine-Volks, das einst in Kanus aus Baumrinde von Insel zu Insel paddelte.

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