Montag, 17. Dezember 2018

Ostsee-Resort Weissenhaus 75 Hektar Luxus

Weissenhaus: Neuer Luxus an der Ostseeküste
Weissenhaus

2. Teil: Crowd Financing für das Luxusdorf

In der Küche nimmt Executive-Chef Alexander Dehn die Installationen in Augenschein. Das Gourmetrestaurant Coutier mit wandfüllenden Schlachtengemälden aus der Romantik steht ebenfalls vor der Vollendung. Es soll im Schloss für die gehobene Gästeklientel auch Kochkurse in einer eigenen Küche geben.

Und auch sonst alles, was wirklich reiche Leute wirklich gerne mögen. Bei der Einfahrt sollen registrierte Gäste freie Fahrt haben - eine Autonummernerkennung macht es möglich. Eingecheckt werden kann auch in der Suite. Viele Zimmer haben offene Kamine, es gibt freistehende Badewannen, auf dem weitläufigen autofreien Gelände sind Elektrofahrzeuge unterwegs, um alle Wünsche prompt zu erfüllen.

Und weil Wohlhabende auch etwas zurückgeben wollen, soll die Energie, die auf den Geräten im Fitnessbereich erzeugt wird, wieder in die Stromversorgung eingespeist werden. "Ich bin gar nicht mit dem Anspruch angetreten, es unter die Top 50-Hoteldestinationen der Welt zu schaffen. Aber das, was daraus geworden ist, ist es wert, auf diesen Listen zu sein", befindet Buettner selbstbewusst.

Viele Hotelärgernisse will er ausmerzen: "Sie können noch so viele Millionen auf dem Konto haben - wenn Sie nachts Durst haben, wollen Sie sich nicht fragen, ob Sie eine Flasche Wasser für acht Euro aufmachen sollen. Deshalb sind die Getränke bei mir im Zimmerpreis enthalten. Alles andere auch. Sonst ist es ja oft so: Man bucht ein Zimmer für einen bestimmten Preis, und dann kommt nachher noch alles Mögliche drauf, Kurtaxe, Parkplatz… Wenn ich im Urlaub bin, will ich nicht immer die Uhr ticken haben. Und dann liegt man im Bett, und irgendwo blinkt ständig etwas, oder die Lüftung geht nicht aus. Ich habe dafür gesorgt, dass das hier anders ist. Wenn Sie wollen, können Sie es in Weissenhaus absolut ruhig haben."

Vier weitere Neubauten in Planung

Buettner hat viel eigenes Kapital in die Anlage gesteckt, ist aber nicht alleiniger Investor. Einige andere Privatleute sind mit im Boot. Auch die EU war mit etlichen Millionen Strukturfördermitteln dabei. Er rechnet vor: "Zehn Millionen Kaufpreis mit allem Drum und Dran, dann verbuddeln Sie zehn Millionen unterirdisch - Kanalisation, Abwasser, Glasfaserkabel, Heizung und so weiter, Parkplätze. Dann nochmal zehn Millionen, um die verrottete Gebäudesubstanz wieder vernünftig herzustellen. Weitere zehn Millionen, um eine Winterdestination zu erschaffen - das Spa braucht eine sehr ausgefeilte Wassertechnik. Wir bauen hier seit neun Jahren. In den ersten sieben hatten wir keine Einnahmen, da fallen dann vielleicht nochmal zehn Millionen an Kosten an. Das sind insgesamt 50 Millionen, und dann hat man noch keine Hotelzimmer. Im Schnitt liegen bei uns in der alten Bausubstanz die Kosten für ein Zimmer bei 300.000 Euro. Wir haben 60 Zimmer gebaut - damit sind wir bei rund 70 Millionen, die hier schon verbaut oder fest verplant sind." 100 Mitarbeiter hat das Hotel derzeit, im Laufe des Jahres sollen es 150 werden - Handwerker natürlich nicht mitgerechnet.

Als nächstes sind vier weitere Neubauten für rund 12,5 Millionen Euro geplant. "Wir haben natürlich eine viel bessere wirtschaftliche Situation, wenn es 110 statt 60 Zimmer gibt", sagt Buettner. "Für einen Teil der Finanzierung wollen wir jetzt Crowd Financing ausprobieren. Das ist für uns ein Testballon. Wir werden wahrscheinlich das größte Crowd Financing in Europa machen - wir bieten 4 Prozent feste Verzinsung, performancebasiert bis zirka 8 Prozent Rendite pro Jahr und eine doppelte Absicherung über mich privat und eine Grundschuld. Sowas sucht nach meiner Kenntnis nach seinesgleichen." Und was ihn selbst angehe, habe er sein Geld lieber "hier im Gelände vergraben als in irgendwelchen Fonds".

Auf der Plattform Companisto, auf der Buettner seit neuestem persönlich wirbt, fühlen sich allerdings einige der potentiellen Investoren an die Geschichte des Grand Hotel Heiligendamm erinnert - ebenfalls ein Luxusresort an der Ostsee, bei dessen Insolvenz vor zwei Jahren viele Anleger viel Geld verloren. Die Frage danach kontert Buettner routiniert: Zwar lägen beide Anlagen an der Ostsee, sonst aber hätten sie nicht viel gemein. Weissenhaus sei an Hamburg und das Umland gut angebunden, das komplette historische Dorf so wiederbelebt, dass es für Jedermann zugänglich bleibe.

"Weissenhaus ist keine abgeschirmte, isolierte Hotelwelt", meint Büttner, "wir ziehen keine Zäune. Dennoch liegen die einzelnen Logiseinheiten durch die historische Guts-Struktur ideal von den öffentlichen Wegen entfernt und ermöglichen den Hotelgästen auch viele großzügige Rückzugsbereiche." Also kein Millionärs-Watching, von dem in Heiligendamm viele Gäste genervt waren - Region und Gemeinde seien von Anfang an in das Projekt eingebunden gewesen.

Mit den bisherigen Buchungen zeigt Buettner sich zufrieden: "Am Wochenende bekommt man hier kein Zimmer mehr. Wir sind ausgebucht. Ich habe auch keines mehr bekommen." Er sei dann für die Übernachtung wieder nach Hamburg in seine Mietwohnung gefahren.

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