Freitag, 20. Juli 2018

Namibia mit dem Rooftop-Camper Roadtrip zu Geparden und Pavianen

Namibia: Mit dem Rooftop-Camper durch Mondlandschaften
Fotos
Christian Selz/dpa-tmn

Mit Zelt und Geländewagen lässt sich Namibia auf eigene Faust erkunden. So kommen die Weite und Abgeschiedenheit des Landes im Südwesten Afrikas erst richtig zur Geltung: Ein Roadtrip zu Großkatzen, ausgetrockneten Flüssen und frechen Pavianen. Die Entschleunigung beginnt schon beim Abholen des Mietwagens. Vertrag unterschreiben, schnell nach Dellen und Kratzern suchen und dann auf ins Abenteuer? Nichts da! Erst als nach gut zwei Stunden jedes der beiden Reserveräder einmal ein- und ausgebaut ist, dreht sich der Schlüssel im Zündschloss.

Es ist allerdings auch kein ganz gewöhnlicher Wagen, der sich nun auf die linke Seite der meist schnurgeraden Straße zwischen der Hauptstadt Windhuk und dem Norden des Landes schiebt. Denn auf dem Dach des Allrad-Gefährts steht ein Zelt. "Rooftop Tent" heißt diese ausklappbare Unterkunft, aufbauen lässt sie sich - nach ausgiebiger Instruktion - innerhalb weniger Minuten. Die Vorteile liegen auf der Hand: Mit dem Dachzelt lässt sich das Land relativ günstig auf eigene Faust erkunden, während die erhöhte Lage Schlangen und Skorpione aus dem Schlafdomizil fernhält.

Der erste Stopp folgt nach einer knappen Stunde: Kurz vor Okahandja, dem historischen Hauptort der Volksgruppe der Herero, halten ein paar kleine Jungs riesige weiße Schirmpilze in die Höhe. Diese Omajova, deren Fleisch so fest wie Hühnchen ist und wie Schnitzel gebraten wird, wachsen nach starken Regenfällen auf Termitenhügeln und gelten als ausgesprochene Delikatesse. Da zur Camping-Ausrüstung des Dachzelt-Mobils auch eine Gasflasche und ein Kochset mit gusseiserner Pfanne gehören, ist die Frage nach dem Abendessen damit geklärt.

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Vorher steht aber noch eine Pirsch durch den Busch an - zu den Geparden. Sechs der Raubkatzen dürfen im privaten Okonjima Nature Reserve südlich von Otjiwarongo wieder ein naturnahes Leben führen. Einst wurden sie als Jungtiere gerettet, nachdem die Muttetiere auf Farmen getötet worden waren. Aufgezogen in der Pflegestation der AfriCat Foundation, die zum Reservat gehört, wurden die Geparden schließlich wieder in dessen 20.000 Hektar umfassende Wildnis entlassen. Sie jagen dort selbst, bedürfen aber täglicher Überwachung, erklärt Gästeführer Gert van Wyk. Denn auch wenn der Instinkt die Tiere wieder zum Jagen gebracht hat, so richtig gelernt haben sie es eben doch nie, und auch die Furcht vor natürlichen Feinden wie Leoparden ist nicht voll ausgebildet. Zudem sind sie an den Menschen noch immer gewöhnt, wenn auch nicht immer auf Besuch erpicht.

Dash, die elfjährige Geparden-Dame, die van Wyk und sein Tracker Nzwane Kanyeva inzwischen mittels Peilsender ausfindig gemacht haben, lässt das zumindest erahnen. Denn das Tier bewegt sich offensichtlich im gleichen Tempo wie seine mit Kameras gerüsteten Besucher. Letztere sind inzwischen vom offenen Safari-Jeep hinabgestiegen und nun zu Fuß in der Dornbuschlandschaft unterwegs. Flüsternd erzählt van Wyk dabei, das ausgerechnet jene Dash das erste Tier war, das auch schon einmal auf ihn losgegangen sei. "Die Tiere haben aber einen Fluchtinstinkt, weil sie ja vor größeren Raubkatzen wegrennen müssen. Also habe ich den Spieß umgedreht und bin auf sie los - zum Glück hat es funktioniert", erzählt er.

An jenem warmem Märznachmittag ist Dash allerdings zu weniger Nervenkitzel aufgelegt. Letztendlich lässt die Geparden-Dame sich doch noch vor einem Busch auf dem steinigen Boden nieder und wartet geduldig ab, bis die Besucher ihre Aufnahmen gemacht haben. "Der ganze Traum war der Schutz von Raubtieren, und gäbe es den Tourismus nicht, wäre es nicht möglich, das zu bezahlen", sagt Tristan Boehme. Als AfriCat 1993 gegründet wurde, arbeitete er noch auf einer benachbarten Farm, die vor allem auf den Jagd-Tourismus ausgerichtet war. "Aber das war nicht mein Ding, also habe ich meine Tasche über den Zaun geworfen", erzählt der deutschstämmige Namibier.

Heute arbeiten 220 Angestellte in dem Reservat, Reisende können zwischen drei verschiedenen Lodges und dem Campingplatz wählen, auf dem jeder der vier Stellplätze seine eigene Freiluftdusche und Toilette hat.

Namibias bekanntester Nationalpark liegt etwa 250 Kilometer oder drei Autostunden nördlich von Okonjima: der Etosha-Nationalpark. Inzwischen auf über 22.000 Quadratkilometer ausgeweitet - und damit etwas größer als Hessen - ist der Nationalpark rund um die riesige Etosha-Salzpfanne heute nicht nur von elementarer Bedeutung für den Tierschutz, sondern auch der wichtigste Tourismusfaktor des Landes. Das hat spürbare Folgen: In den drei Haupt-Camps herrscht ein Trubel, der es mit einem mittelgroßen Ostsee-Zeltplatz zur Hochsaison aufnehmen kann. Und einen Löwen erkennt man in den Weiten des Parks am einfachsten an den fünf bis zehn Geländewagen, die bereits neben dem Tier stehen.

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