Montag, 17. Dezember 2018

Namibia mit dem Rooftop-Camper Roadtrip zu Geparden und Pavianen

Namibia: Mit dem Rooftop-Camper durch Mondlandschaften
Christian Selz/dpa-tmn

2. Teil: Den Tieren ist die lange Dürre anzusehen

Wer Ruhe und Einsamkeit sucht, muss weiterfahren, am besten in den trockenen Westen des Landes. In der Region Damaraland führen nun nicht mehr Asphaltstraßen sondern nur noch Schotterpisten durch die weitgehend flache Landschaft. Und auch die Verkehrsschilder sind hier andere, sie warnen vor einem besonderen Wildwechsel: Wüstenelefanten. Weil der Regen in diesem Jahr noch nicht eingesetzt hat, winkt die Rezeptionistin im Madisa Camp aber gleich ab. Nein, die Elefanten seien schon lange nicht mehr hier entlanggezogen, erklärt die Frau, es sei schlicht zu trocken. Dem sandigen Flussbett, das einer langgezogenen Kiesgrube ähnelt, ist das auch deutlich anzusehen. Selbst feuchte Stellen gibt es schon lange keine mehr.

Doch der Regen ist nicht mehr weit. Über dem Namib-Naukluft-Park ziehen nur zwei Tage und einen Zwischenstopp in der Küstenstadt Swakopmund später die ersten dunklen Wolken über dem Dachzelt auf. Es ist ein surreales Bild in einer Region, in der Landzüge nicht ganz zu Unrecht Namen wie "Mondlandschaft" tragen. Abseits der trockenen Flussbetten, wo noch ein paar Bäume und Sträucher gedeihen, wächst fast nichts.

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Die Campingplätze bestehen hier aus kaum mehr als einem Hinweis-Schild, Grillstand, Plumpsklo und einem Stück ebener Fläche. Andere Menschen sind in der Regel nicht anzutreffen. Auch einen Platzwart sucht man vergebens, die Gebühr wird vorab in einem Büro des Umweltministeriums entrichtet. In der Hitze der Wüste herrscht Stille, so sehr, dass der Kugelschreiber auf dem Papier zu hören ist. Namibia, das bedeutet auch, diese Leere und Einsamkeit als Luxus zu verstehen. Zeit spielt kaum noch eine Rolle, den Wecker übernimmt - immerhin mal ein Geräusch - ein Vogel, der beharrlich auf den Außenspiegel einhackt, den imaginären Kontrahenten aber nicht besiegen kann.

Nachts sind aus der Ferne die Rufe der Schakale zu hören, tagsüber trotten ausgemergelte Spießböcke und eine deplatziert wirkende Giraffe durch die Ebene. Den Tieren ist die lange Dürre anzusehen, doch die Rettung kommt. Ausgerechnet am Rande des Dünenmeers um den Sossusvlei und Deadvlei, Namibias zweitem großen Wahrzeichen neben dem Etosha-Nationalpark, wo verknöcherte Baumleichen inmitten riesiger roter Sandberge von längst vergangenem Leben zeugen, entladen sich schließlich die Wolken. Mit Macht prasselt der Regen auf das Zeltdach, vom Boden steigt frischer erdiger Duft auf. Ein paar Wochen noch, und das Gras wird wieder sprießen.

Wer so lange nicht warten kann, fährt wieder weiter. Letzte Station dieser Dachzelt-Rundreise sind nun die Naukluftberge, selbst auf der Straße kaum 100 Kilometer nordöstlich und doch eine andere Welt. Wanderrouten führen hier an fröhlich dahinplätschernden Bächen entlang zu natürlichen Pools. In den Tälern laben sich große Gruppen von Pavianen an den Früchten der Bäume und ziehen ihre Jungen auf. "Wenn sie etwas zu fressen sehen, werden sie alles versuchen, um es zu bekommen", hatte die Rezeptionistin noch vor den frechen Tieren gewarnt. Doch an die letzten Vorräte im eingebauten Kühlschrank des Wagens versuchen die Paviane dann doch nicht zu gelangen.

Christian Selz, dpa

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