Montag, 20. August 2018

Amerikas rostiges Herz Ein Roadtrip durch den Rust Belt der USA

US-Roadtrip: Was der Rust Belt zu bieten hat
Fotos
Visit Indiana/dpa-tmn

Der Rust Belt rund um die Großen Seen ist kein klassisches Ziel für Rundreisen in den USA. Doch nach dem Niedergang der Industrie hat sich in der Region einiges getan. Hier erfährt der Besucher viel über Amerika

Die einst wichtigste und größte Industrieregion der USA liegt an den Großen Seen. Vom Mittleren Westen durch die Staaten Michigan, Indiana und Ohio geht es über Pennsylvania bis in den Staat New York. Und, je nach Zeit und Lust, südlich nach Kentucky und West Virginia oder im Westen nach Wisconsin und Iowa. Spannende Metropolen wie Chicago, Toronto, Boston, New York und Washington lassen sich am Anfang oder Ende der Tour gut ergänzen.

Das Land im Rust Belt ist abwechslungsreich: Im Osten, in West Virginia also, liegen die von John Denver besungenen Blue Ridge Mountains und die Bergkette der Appalachen. In Pennsylvania wird das Land dann flach. Platt wie ein Pfannkuchen, sagen die Einheimischen. Dann sind meilenweit nur Felder zu sehen, die Äcker schnurgerade, von Highways durchzogen. Mais, Soja und Getreide bauen sie hier an. Seit Generationen und wahrscheinlich noch Generationen in der Zukunft.

Die Natur ist ein hohes Gut für den Tourismus, der hier mehr und mehr etabliert wird. Denn die Industrien, die es mal gab, sind überwiegend eingerostet. Schwer- und Stahlindustrie, Autozulieferer: alles ausgelagert in Gebiete, in denen Arbeit günstiger und Rohstoffe näher sind. Spätestens mit der Stahlkrise in den 1970er Jahren ging es mit den Staaten und Städten entlang des einstigen Manufacturing Belts bergab. Der "Gürtel" war entstanden, weil man schon im 19. Jahrhundert über Erie- und Ohio-Erie-Kanal den Atlantik mit dem Golf von Mexiko verbunden hatte, über die Großen Seen und den Mississippi.

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"Es war wie eine lange Kette, in der die Glieder ineinandergriffen", erzählt Tom Genova, der früher als Ingenieur bei Ford in Dearborn bei Detroit arbeitete. Aus dem Norden Pennsylvanias kam der Stahl, aus West Virginia Kohle. Bis nach Ohio hinein produzierten die Zulieferer ihre Waren für die Autoindustrie, die vor allem in der Motorcity Detroit angesiedelt war. Die Eisenbahn war schon früh bis zur "Kreuzung der USA", nach Indianapolis im Staat Indiana, gebaut worden. "Zu dieser Zeit hatte jeder Arbeit", sagt Genova. Doch irgendwann gingen die Lichter aus, die Produktion lohnte sich vielerorts nicht mehr. Und einen Plan B gab es zunächst nicht.

Der Rust Belt
Reisezeit
Vom Frühjahr bis zum Herbst kann es in den Staaten des Mittleren Westens sehr warm werden, im Winter sehr kalt. Trotzdem bietet sich die warme Jahreszeit bestens an.
Anreise
Den Roadtrip durch den Rust Belt kann man an verschiedenen Stellen beginnen. Direktflüge von Deutschland aus gibt es nach Toronto, Chicago und, etwas weiter entfernt, Boston, New York und Washington. Nach Cleveland, Indianapolis und Detroit geht es mit Umsteigen.
Übernachtung
In vielen Orten gibt es amerikanische Ketten mit ihren Hotels und Motels. Reservierungen sind nicht nötig, allenfalls rund um US-Feiertage. In den Städten haben Reisende die Wahl zwischen einfachen Häusern und teuren Hotels. Wer etwas außerhalb der Städte nach einer Unterkunft sucht, findet oft charmante Inns oder Bed & Breakfasts umgeben von wunderschöner Natur.
Weitere Informationen
Great Lakes USA, Schwarzbachstraße 32, 40822 Mettmann (Tel.: 02104/797451, E-Mail: greatlakes@travelmarketing.de).

Cleveland in Ohio war einst reich und fortschrittlich. In ihren Hochzeiten war sie die fünftgrößte Stadt in den USA. "Hier lebten viele reiche Industrielle, die mit ihrem Geld viel für Cleveland taten", erzählt Emily Lauer, die sich um das Stadtmarketing kümmert. "Man wollte nicht provinziell leben, sondern Metropolen wie New York oder Boston in nichts nachstehen." Allen voran investierte der reichste Mann seiner Zeit, John D. Rockefeller, in die Stadt, in die er umgesiedelt war und aus der seine Frau stammte. Der berühmte Amerikaner hatte 1870 die Standard Oil Company gegründet.

Straßen, Häuser, Theater, Infrastruktur: Vieles geht auf den Philanthropen zurück. Bis heute ist Cleveland Heimat eines der fünf großen Symphonieorchester der USA. Doch es brauchte einen anderen Superreichen, um Cleveland nach seinem stetigen Niedergang wieder in die Köpfe der Amerikaner zu bringen: Donald Trump. Er wurde 2016 in der Stadt am Eriesee zum Präsidentschaftskandidaten der Republikaner gekürt. "Und das in einer Stadt, die traditionell demokratisch geprägt ist", sagt Lauer.

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